Nichts dazu gelernt

 

In dieser Woche erschien in der NOZ ein Artikel über eine junge hoch qualifizierte Frau, die verzweifelt versucht hat, eine Teilzeitstelle zu bekommen, die ihrer Qualifikation entspricht. Beim Lesen dachte ich mir „Oh Mann Jungs, in 35 Jahren nix dazu gelernt!“

 

Ich habe schon in den 80er Jahren dafür gekämpft, eine qualifizierte Stelle in Teilzeit zu bekommen. Beworben habe ich mich damals auf die Stelle des Personalleiters oder wie es damals noch so schön hieß: „Innendienstleister“. Zu hören bekam ich, dass ich diese Position auf keinen Fall ausüben könne, da ich ja nicht den ganzen Tag da sei. Mein Hinweis, dass der damalige Amtsinhaber ja auch nur selten anwesend sei, weil er ein Aufsichtsrat-Mandat hatte, im Rat der Stadt Fraktionsvorsitzender war und noch diverse andere Ämter ausfüllte, wurde mit der Bemerkung abgeschmettert. „Ja, er tut ja auch etwas für die Gemeinschaft.“ Meine spontane Antwort „Ach ja? Und ich tue mit meinen drei Kindern nix für die Gemeinschaft. Das Aufsichtsrat-Mandat wird ihre Rente nicht retten, meine Kinder vielleicht.“ löste heftige Irritationen aus.

 

Ich frage mich heute noch, welches Potential sich die Wirtschaft da entgehen lässt, nur weil sie meint, dass Arbeitnehmer mit ihrer ganzen Arbeitskraft dem Unternehmen zu Verfügung stehen müssen. Weil sie nicht intelligent oder kreativ genug ist, Modelle zu entwickeln, die ein Job-Sharing möglich machen. Es wäre so einfach, man muss es nur wollen.

 

Die italienische Frauenbewegung Affidamento, in der Wissenschaftlerin geforscht haben, warum es immer noch so wenig Frauen in Spitzenpositionen gibt, hat festgestellt, dass das Leben in diesen Spitzenpositionen nicht dem Begehren von Frauen entspricht. Frauen wollen Zeit für ihre Kinder und qualifiziert arbeiten.

 

Job-Sharing würde die Wertigkeit von Arbeit auf ein normales Maß reduzieren und nicht mehr die Idee verwirklichen, dass eine 70-Stunden Woche, wie die meisten Manager sie heute leisten für irgendjemanden normal ist. Es ist jenseits von gesund seine ganze Kraft nur einer einzigen Sache zu widmen. Das Zauberwort heißt „Diversity“. Mehrmals am Tag neue Blickwinkel, andere Aufgaben und Rollen zu übernehmen, das macht kreativ, innovativ und erhält jung.

 

Einfach mal ausprobieren

 

Rassismus

Ich habe gerade das Buch „exit Rascism“ von Tupoka Ogette gelesen, in dem eine farbige Deutsche auf den offensichtlichen und subtilen Rassismus hinweist, dem Menschen wie sie in Deutschland ausgesetzt sind. Das Buch ist gespickt mit weiterführenden Links zu Texten und Videos. Unter Anderem zu einem Video über den „Doll Test“. Wissenschaftler zeigen kleinen Kindern, zwei Puppen, eine weiße und eine schwarze. Dann werden Fragen gestellt wie: „Welche Puppe ist die nette“ und „Welche Puppe ist die hässliche“. Ihr ahnt es schon wie die Antworten ausfielen…. Schwarze und weiße Kinder hielten die weiße Puppe für die nettere, die schlauere, die begabtere. Wenn am Ende die Frage gestellt wurde: „Und welche Hautfarbe hast du?“ war ein kurzer Moment des entsetzten Zögerns bei den schwarzen Kindern zu bemerken. Hatten Sie doch gerade alle schlechten Eigenschaften der schwarzen Puppe zugeschrieben.

 

Was passiert da? Wie sehr prägt unsere Gesellschaft das Bild, das weiß richtig und der Normalzustand und schwarz irgendwie falsch und auf jeden Fall die Ausnahme ist. Natürlich sind wir hier in Deutschland alle daran gewöhnt, dass die meisten Menschen in unserer Umgebung weiß sind, deshalb fallen uns vermutlich farbige Menschen eher auf. Das wird sich wahrscheinlich nicht vermeiden lassen. Die entscheidende Frage aber ist doch: Wie gehe ich dann damit um? Unterstelle ich sofort, dass der Farbige mit Sicherheit aus einem fernen Land kommt und vermutlich kein richtiges Deutsch spricht oder warte ich einfach ab und habe es auch auf dem Schirm, dass er eventuell aus Bottrop kommt oder perfekt Platt schnacken kann wie Yared Dibaba oder Keno Veith. Kann ich es wirklich verstehen, dass er oder sie trotz anderer Hautfarbe genauso deutsch ist wie ich?

 

Beim Lesen des Buches wurde mir mit einem Mal bewusst, in den Zeichnungen meiner Kindheit waren Engel nie schwarz und sie sind es bis heute nicht.

 

Was ist, wenn Gott eine dunkle Hautfarbe hat?

 

Links

 

 

........................................................

Katharinenstr. 48

49078 Osnabrück

Tel.: 0541/3354561

info(a)impuls-gutzeit.de