Begegnung

 

Kennt ihr das?

 

Ihr begegnet das erste Mal einem Menschen und in eurem Herzen beginnt etwas zu schwingen. Ganz warm und tief fühlt es sich an. Eine magische Anziehungskraft umfängt euch. Und es hat absolut nichts mit irgendeiner Form von Verliebt-Sein zu tun.

 

Und dann, dann gibt es vielleicht die Gelegenheit, diesen Menschen näher kennen zu lernen. Und ihr sitzt gemeinsam an einem Tisch, unterhaltet euch und der Tanz beginnt. Es fühlt sich wirklich so an, als würdet ihr beide beginnen harmonisch miteinander zu tanzen. Im Gleichklang…

 

Da sind die gleichen Ideen, die gleichen Verhaltensweisen, die gleichen Muster, die gleichen Vorlieben und Abneigungen.

 

Die Punkte, an denen man fremden Menschen meistens mühevoll das eigene Sein erklären muss, gibt es einfach nicht. Alles fließt wie selbstverständlich aufeinander zu.

 

Es ist unglaublich entspannend und von einem ganz besonderen Zauber erfüllt. Fast zu schön um wahr zu sein.

 

Ihr geht aus dieser Begegnung auf eine ganz besondere Art und Weise genährt heraus. Zutiefst, auf Seelenebene genährt von dem So-Sein des Anderen, das eurem eigenen so ähnlich ist.

 

Es gibt das Gefühl: „Du bist die, auf die ich gewartet habe!“

 

Und in der Zeit nach diesem Gespräch könnt ihr es jederzeit zurückholen, die Erinnerung an dieses Gefühl von „Genährt-Werden“.

 

Der Zauber der Begegnung!

 

Ich wünsche euch allen zauberhafte Begegnungen in dieser Woche.

 

Mantra

Neben mir auf der Bank im Park sitzen Großvater und Enkeltochter. Der Opa sitzt im Rollstuhl. Die beiden unterhalten sich sehr intensiv. Die Kleine, vielleicht 4 oder 5 Jahre alt schildert ihren Alltag im Kindergarten. Welche Spiele sie besonders mag und wie das ist von anderen Kindern geärgert zu werden. Opa hört ihr geduldig zu. Und dann schildert er seinen Alltag im Rollstuhl, beschreibt wie doof das für ihn  ist, nicht laufen zu können, viele schöne Dinge nicht tun zu können.

 

Die Kleine schaut ihn völlig erstaunt an, runzelt ein bisschen die Stirn und sagt: „Aber du hast doch gerade mit uns Eis gegessen oder?“.

 

Ich schmunzele in mich hinein und denke mir: „Wie Recht sie doch hat“. Reduziert den großen Kummer auf das für sie Wesentliche: „Eis essen“, öffnet den Blick auf die glücklich machenden kleinen Dinge im Leben.

 

Ob der Opa bereit ist, ihr hier zu folgen weiß ich nicht, aber ich denke bei mir, dass wir alle viel häufiger diesen Blickwinkel einnehmen sollten. Viel häufiger auf das gucken sollten, das funktioniert als auf das, das gerade nicht klappt.

 

Der Satz dieses kleinen Mädchens verfolgt mich seit diesem Tag. Wie ein kleines Mantra leuchtet er in Momenten auf, in denen ich verzweifelt bin, weil gerade etwas nicht geschmeidig läuft.

 

„Aber du hast doch gerade …“ und immer fällt mir etwas ein, das gerade gut geklappt hat.

 

Ich wünsche euch eine tolle Woche voller  großartiger Eis-Momente.

 

Regeln II

Letzte Woche habe ich über sinnfreie Steuerregeln geschrieben. Heute möchte ich mir einmal anschauen wie es dazu kommt, dass es Menschen gibt, die unbedingt diese Regeln einhalten wollten und andere, die sie ignorieren.

 

Ein Bekannter hat von einem Workshop zum Thema Meyer Briggs Persönlichkeitstest erzählt. In diesem Workshop wurden zunächst die unterschiedlichen Typen ermittelt und anschließend hatten die einzelnen Gruppen Aufgaben zu lösen oder Fragen zu beantworten.

 

Es gab die Frage: „Was sagen Sie zu Regel“

 

Die angehenden Ingenieure mit dem „J“= judging in der Typisierung waren der Meinung: Regel, total wichtig, z.B. ISO und Din Normen, sind unbedingt einzuhalten. Die anderen mit dem „P“= perceiving als Typ meinten dagegen: „Regel - sind dazu da, um gebrochen zu werden“.

 

Perception beschreibt die Art, Eindrücke der Umwelt offen aufzunehmen und Entscheidungen jederzeit anzupassen, während Judgement an einmal getroffenen Entscheidungen festhält unabhängig von neuen Erkenntnissen.

 

Wir Menschen sind aufgrund unserer Persönlichkeit an dieser Stelle sehr unterschiedlich gestrickt. Jede Art hat ihre Berechtigung und ist an den unterschiedlichsten Stellen sehr sinnvoll eingesetzt. Ungefähr 60% aller Menschen tragen in ihrer Typisierung ein J, heißt die Mehrheit lebt regelkonform.

 

Ich weiß nicht wie die Aufteilung nach Ländern aussieht. Ich vermute in Deutschland sind es mehr als 60% und das macht das Leben für uns P-ler echt anstrengend! Uns fällt es einfach schwer zu glauben, dass Regeln Vorrang vor gesundem Menschenverstand, der in jedem Moment flexibel reagieren kann haben sollen.

 

Ja, vielleicht können wir alle voneinander lernen. Die P -ler, dass es ab und zu das Leben dramatisch erleichtert, Regeln einzuhalten und die J-ler, dass es absolut sinnvoll sein kann, Regeln auch einfach mal zu ignorieren. Die Welt wird sich weiter drehen- versprochen!

 

Regeln

Regeln - beherrschen den deutschen Alltag. Aber so manches Mal lassen sie uns kopfschüttelnd zurück oder noch schlimmer, mit einem wütenden Grummeln im Bauch.
Lass ich doch in diesen Tagen von einem Bäcker in Sachsen, der tausende von Euros Umsatzsteuer an das Finanzamt nachzahlen muss, weil er an die Tafel verschenkte Lebensmittel nicht ordnungsgemäß versteuert hat.
Der steuerliche Laie rauft sich in diesem Moment die Haare und fragt sich „ Geht‘s noch?“
Laut Paragraf 3 des Umsatzsteuergesetzes sind auch bei Lebensmittel-Geschenken die Herstellungskosten zu versteuern, heißt Umsatzsteuer auf die Herstellungskosten ist abzuführen.
Mal abgesehen davon, dass ich so gar keine Idee habe, welch pfiffiger Steuerbeamter aus welchem Grund auch immer auf die Idee gekommen ist, dass auch für verschenkte Dinge Umsatzsteuer zu zahlen ist, stellt sich mir in diesem Fall die Frage, wer in dem zuständigen Finanzamt sich getraut hat, diesen Paragraphen in diesem Fall anzuwenden?
Ja, ich weiß - ihr Gesetzestreuen - Gesetz ist Gesetz und muss eingehalten werden, koste es was es wolle.
Ich sage nein, gesunden Menschenverstand zu nutzen ist wichtiger als das Gesetz einzuhalten. Gesetz darf nicht Selbstzweck sein. Und es darf vor allen nicht angewandt werden, wenn Menschen ungerechtfertigt zu Schaden kommen.
Hätte der Bäcker das Brot weggeworfen, dann hätte er keine Steuer nachbezahlen müssen. Was folgt daraus:
Entweder der Bäcker vereinbart mit der Tafel einen Ort, an den er das Brot schmeißt oder aber er stellt 1 Euro für die Lieferung in Rechnung, denn dann muss er nur 0,07 Euro an das Finanzamt abführen plus bürokratischem Aufwand, das zu erfassen. Das macht jetzt Sinn oder?
Irgendwie taucht da in mir die Idee auf, dass das System betrogen werden will und ich denke mir, bitte, das kann es haben.
Aber vermutlich ist es nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen, die finanziell bürokratische Kreativität der Bürger zum Leben zu erwecken oder?
Irgendwie ist das wohl dumm gelaufen für beide Seiten!

Erleuchtung

Kennen Sie auch die netten, erleuchteten Zeitgenossen? Diejenigen, die der Überzeugung sind,auf dem Weg zur Erleuchtung den anderen Menschen weit voraus zu sein?

 

Erstaunlicherweise leben diese Zeitgenossen meistens alleine, frei von jeglicher Verantwortung für andere Menschen. Quasi losgelöst von allem Weltlichen schweben sie durch Zeit und Raum. Zu allem, was uns passiert, haben Sie eine Meinung und einen Ratschlag parat. Meistens lautet er in etwa so: „Du bist einfach noch nicht so weit“ oder auch „ Erst wenn du aufhörst zu bewerten, wirst du es schaffen“.

 

Ich denke dann immer: Aha - und das war jetzt keine Bewertung?

 

Und ich denke: „Nein, wenn ich aufhöre zu bewerten, werde ich schneller kraftlos dahinsiechen als mir lieb ist.“ Denn: Überhaupt nicht mehr zu bewerten, bedeutet sich nicht zu entscheiden, ob man denn lieber Marmelade oder Käse zum Frühstück haben möchte bzw. ob man überhaupt aufstehen möchte. Denn die Entscheidung morgens das Bett zu verlassen impliziert, dass ich dem Aufstehen ein höheres Gewicht gebe als dem Liegenbleiben. Es damit sozusagen positiv bewerte.

 

Natürlich meinen sie diese Bewertungen nicht, sondern beziehen es auf die Bewertung anderer Menschen. Aber auch da komme ich nicht ganz ohne aus. Es ist einfach manchmal gut, bestimmten Menschen aus dem Weg zu gehen, weil sie uns schlechte Laune machen, übergriffig sind oder uns auf andere Art und Weise schaden und es ist gut manche Menschen positiv zu bewerten und ihre Nähe zu suchen.

 

Natürlich ist es nicht wünschenswert andere Menschen abzuwerten und schlecht zu machen, nur damit ich besser da stehe. Das ist der Unterschied zwischen Be- und Abwerten. Eine gewisse Bewertung hilft mir, mich zu orientieren und Position zu beziehen.

 

Diese Menschen halten einem auch in Momenten, in denen wir sie auf pragmatische Notwendigkeiten hinweisen, gerne einmal vor, dass man doch bitte mehr auf sein Herz hören solle und nicht so aus dem Kopf heraus agieren dürfe. Ganz ehrlich, ich raufe mir in solchen Momenten meine reichlich vorhandenen Haare, rolle mit den Augen und denke „Hilfe“!

 

Hilfe, weil für mich Erleuchtung beim Kartoffelschälen beginnt. In dem Moment, wenn ich meine Aufgabe erledige, mich um meine Mitmenschen kümmere, meine eigenen Bedürfnisse zugunsten des Ganzen zurückstelle. In dem Moment, in dem ich erledige, was notwendig ist. Diese Momente sind tatsächlich manchmal sehr sehr anstrengend, sind alles andere als bequem, fordern den ganzen Mann und die ganze Frau. Erfordern, dass ich aufhöre, um mich selbst zu kreisen. Aber in solchen Momenten komme ich der Erleuchtung ziemlich nahe, denn sie haben mit Güte, Gelassenheit und Gnade zu tun.

 

Erleuchtung findet definitiv nicht statt, wenn ich um mich selbst kreise, wenn ich glaube, dass ich bereits so erleuchtet bin, dass das reale Leben zu viel für mich ist. Wenn das reale Leben zu viel ist, dann habe ich irgendetwas beim Inkarnationsgedanken nicht verstanden.

 

Wir alle sind hierhergekommen, um eine menschliche Erfahrung zu machen und die beinhaltetet, die Hausaufgaben des täglichen Lebens und den Kontakt zu anderen Lebewesen zu bewältigen und sie beinhaltet es, Entscheidungen zu treffen und zu bewerten. Dabei kann ich sicherlich das eine oder andere komplett falsch liegen, aber Leben geht nicht ohne.

 

Und es ist gut mit dem Herzen zu fühlen, aber es ist genauso gut, ab und zu den Kopf einzuschalten und sich nicht komplett im eigenen Gefühl zu verlieren und die eigenen Unsicherheiten auf andere zu projizieren.

 

Ich wünsche euch eine erleuchtete Woche…

 

Freibadvergnügen

Die Saison hat begonnen, endlich.
wie immer am zweiten Samstag im Mai treffen sich die leidenschaftlichen Dauerschwimmer unerschrocken im feuchten Nass. Egal wie das Wetter ist, 10 Grad oder 20 Grad Außentemperatur. Wir hatten schon alles. Das Wasser zumindest hat mindestens 21 Grad und wärmt sich im Laufe der ersten Tage deutlich spürbar bis auf 23 Grad auf.
Es herrscht ein freundliches Hallo, freuen sich doch alle sich wiederzusehen. Interessanterweise trifft man sich im Winter nie oder vielleicht erkennt man sich auch einfach nicht, denn Mütze und Schal machen ein deutlich anderes Bild als der Badeanzug. Die Atmosphäre fühlt sich leicht und luftig an. Ich mag das. Es ist wie eintauchen in eine große Familie.
Ich freue mich immer besonders wenn die älteren Schwimmer wieder auftauchen. Die 94 jährige Dame zum Beispiel , die jeden Tag ihre 200 Meter schwimmt und anschließend entspannt am Kiosk frühstückt.
In dieser ersten Woche hatten wir schon Glück, die Sonne schien und das absolute Glücksgefühl bereitete sich aus, wenn ich meine Bahnen im Sonnenschein durchs blaue Wasser zog.
Andere Menschen betrachten mich kopfschüttelnd: Wie kann man nur bei diesen Temperaturen draußen schwimmen gehen?
Man kann - mit großem Vergnügen!

Hören

Wir alle haben mindestens 5 Sinne zur Verfügung, die wir aber alle sehr unterschiedlich nutzen.

 

Ich erinnere mich an einen heißen Sommertag vor vielen, vielen Jahren als ich auf der Terrasse mit meinem Schwiegervater lebhaft diskutiert habe, was denn eigentlich schlimmer sei:  Blind oder taub zu werden? Blöde Frage ich weiß, aber wir haben uns die Köpfe heiß geredet. Mein Schwiegervater war der Meinung das Schlimmste sei es blind zu werden, während ich glaubte nicht hören zu können sei schlimmer.

 

Was mir damals noch nicht bewusst war, ist, dass ich ein absoluter Hörmensch bin.

 

Ich orientiere mich mit Hilfe meiner Ohren. Ich erkenne Menschen eher an der Stimme wieder als am Gesicht, ich laufe hörend durch die Straßen. Heißt, wenn die Elektroautos zunehmen, werde ich häufiger in brenzlige Situationen geraten. Ich hasse es zu tauchen oder auch nur zu schnorcheln, weil ich dann nichts höre, obwohl ich leidenschaftlich gerne schwimme.

 

Ich schließe meine Augen und höre nur noch, wenn ich etwas wirklich mitbekommen will. Blöd ist, dass mein gegenüber dann oftmals den Eindruck hatte, mir wäre langweilig oder ich wäre nicht präsent.

 

Ich bin in der Lage bei einer Südafrikanerin, die englischen und niederländischen Anteile in der Stimme zu hören. Ich höre Gefühle, Blockaden und Stimmungen. Stimmen eröffnen mir ein ganzes Universum.

 

Ohrenstöpsel um lästigen Lärm auszublenden sind ein absolutes No-Go für mich. Ich fühle mich damit wie amputiert und komplett orientierungslos.

 

Wie ist das bei euch? Wie orientiert ihr euch in der Welt?

 

Gut, das herauszufinden, denn könnt ihr auf die passenden Umgebungsbedingungen achten, damit ihr präsent seid und alles mitbekommt.

 

 

 

Erkenntnisse

Neulich begegnete mir die Aussage eine Management- Trainers, der seinen Klienten empfahl, wenn sie etwas über einen Menschen erfahren wollten, diesen zu befragen, wie er oder sie z.B. seinen Chef beurteilen würde. Diese Aussage über den Chef erzählt dann mehr über die Person, die es sagt als über den Chef. Spannend oder?
Was wäre, wenn wir alle mit jeder Beurteilung, die wir abgeben über uns selber sprechen? Wenn wir damit der Welt erklären wie wir selber sind?
Weiter gedacht, hieße das doch, dass Menschen, die sehr viel und sehr schnell beurteilen ein großes Bedürfnis haben, gesehen zu werden. Der Welt erklären wollen, wie sie selber sind.
Wie anders könnten wir dann mit diesen Beurteilungen umgehen. Nicht mehr davon genervt sein, sondern das große Bedürfnis des Sprechenden, nach Anerkennung zu spüren und vielleicht ein Stückchen erfüllen zu können.
Was wäre, wenn wir uns selber aufmerksam in solchen Momenten zuhören könnten. Welche Erkenntnisse über uns könnten sich offenbaren und uns zu einer veränderten Haltung bewegen.
Wieviel Verwirrung würde sich auflösen, wenn uns bewusst würde, dass wir immer über uns selber sprechen?
So könnte sich ein Disput darüber, welche Meinung über eine andere Person denn die richtige ist, in Windeseile auflösen. Schließlich erklären sich da dann gerade nur zwei Menschen wie sie selber ticken.
Welches Instrument haben wir alle damit in der Hand, unser Gegenüber zu erkennen?
Aufmerksam zuhören, was ein Politiker sagt, was ein Trainer sagt, was mein Nachbar sagt.
Ich glaube, wir könnten viele, viele neue Erkenntnisse finden. Viel Spaß beim Ausprobieren…

Kontakt

Die Ostertage sind vorbei. Einige von uns werden jetzt sagen: „Gott sei Dank, habe ich den Familienstress überlebt“. Diese Menschen haben schon im Vorfeld Panik gehabt, weil Besuch drohte. Nein, nicht, weil dieser Besuch ach so schrecklich sein, sondern weil sie grundsätzlich von Menschen überfordert sind.

 

Da hagelt es dann Tipps wie: einfach alleine wegfahren oder ins Retreat in ein Kloster gehen ……….. Ich lese solche Tipps dann immer ein bisschen fassungslos und denke mir. Alleine wegfahren ist super, ein Retreat machen ist toll, aber nur, wenn ich es genau aus dem Grund mache. -Aus dem Grund, weil ich einmal alleine sein möchte. Dann komme ich gestärkt und ausgeruht zurück

 

Wenn ich es aber mache, um Kontakt mit Menschen zu entkommen, hat sich anschließend nix verändert. Meine Probleme mit Menschen sind immer noch da- In dem Fall ist es schlicht und ergreifend Flucht.

 

Flucht davor sich einzulassen.

 

Flucht davor, nicht für seine eigenen Bedürfnisse in einer Gemeinschaft einstehen zu können.

 

Flucht davor, spontan sein zu müssen.

 

Flucht vor eventuell auftauchenden Konflikten.

 

Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen in unserem tiefsten Kern Rudelwesen sind und unsere Rudel brauchen wie die Luft zum Atmen. Und das wir gut daran tun, zu lernen, uns im Rudel zu behaupten, damit wir es genießen können.

 

Ach habe ich schon gesagt, dass ich noch nie einen „Flüchtenden“ getroffen habe, der fröhlich, leicht und glücklich wirkte?  Ich bin eher auf Wesen getroffen, die mir langatmig versucht haben zu erklären, warum eine Gruppe für sie nix ist. Nicht sehr überzeugend…..

 

Naivität

Kennt ihr die Bemerkung: „Du ist ja naiv“?

 

Sie fällt immer dann, wenn andere Menschen meinen, dass wir gerade zu vertrauensselig sind, dass wir gerade die Realität nicht sehen wollen.

 

Oft fühlen wir uns klein gemacht in diesem Moment. Haben den Eindruck wir wären zu doof, die Wirklichkeit zu verstehen, wären nicht hart und konsequent genug, um uns zu behaupten.

 

Stimmt das? Sind naive Menschen unfähig ihr Leben zu gestalten?

 

Die Ansicht, dass jemand gerade die Realität nicht sieht, birgt ja die Frage in sich:

 

Was ist überhaupt Realität? Ich pflege in solchen Momenten zu sagen: „Realität ist die Illusion, auf die wir uns geeinigt haben!“ Das bedeutet, jeder von uns lebt zunächst mal in seiner ganz eigenen persönlichen Realität. Sieht die Welt durch seinen eigenen Filter. Je nach Filter wird dann ein Ereignis so oder so interpretiert. Das bedeutet, das Person A voller Vertrauen in eine Situation geht und annimmt, dass alles gut verlaufen wird und Person B voller Misstrauen startet und von jedem nur das Schlechteste erwartet. Da das Leben Resonanz ist, wird also vermutlich A in ihrem Vertrauen bestärkt und B in seinem Misstrauen. Beide haben also Recht und der eine ist nicht naiver als der andere.

 

Außerdem habe ich erfahren, dass eine gewisse Naivität auch ein Schutz sein kann. Schutz in der Form, dass bestimmte Ansinnen, Ansprüche gar nicht bei einem ankommen, weil man sie in seiner „Naivität“ gar nicht registriert. Ich z.B. habe nie mitbekommen, wenn jemand versucht hat mich anzubaggern, weil ich so gar keine Antenne für dieses Vorgehen habe und hatte. Erst wenn Freunde und Freundinnen mich darauf aufmerksam gemacht haben, konnte ich es erkennen.

 

Vermeintlich naive Menschen sind die, deren Persönlichkeit noch nicht durch rationale, logische Überlegungen eingegrenzt wurde. Menschen, die sich Empathie, Achtsamkeit und Zuwendung bewahrt haben - altersunabhängig.

 

Kant hat gesagt: „Der Naive ist der ursprüngliche natürlich Aufrichtige“ - Naivität ist also der Glaube an das Gute  - und was kann daran schlecht sein?

 

Schön, dass es naive Menschen gibt.

 

Stille

Der Leiter des Gospelworkshops, den ich vor einigen Wochen besucht habe, hat mich wie ihr wisst begeistert. Wenn ich den Workshop Revue passieren lasse, dann gab es diesen einen Moment, an dem er mich „hatte“.

 

Was war das für ein Moment?

 

Das war der Moment, in dem er sein Lied „ Wir warten“ mit den Worten vorstellte: „ Ich war immer genervt, von all den Menschen, die mir erzählten, dass ich still werden müsse, um Gott zu hören. Ich bin nicht still und ich habe mir gedacht, dass Gott doch so mit mir reden können muss, dass ich ihn höre!“

 

Da hat er dann den Lied geschrieben: „Wir warten und hören zu oft nur auf Stille, sprich du Herr ein Wort, das bleibt.“

 

Erleichterung durchflutete mich, in diesem Moment. Endlich jemand, der nicht von Stille schwärmt, endlich jemand, der sich dazu bekennt nicht still zu sein, nicht still sein will.

 

Ich reagiere zunehmend gereizt auf all die Menschen, die mir vorsäuseln, dass still werden, nicht reden, schweigen zu tiefen Erkenntnissen führt.

 

Ja, das mag für alle diese Menschen so sein, muss aber nicht für alle gelten.

 

Ja, das mag in besonderen Momenten erforderlich sein, aber nicht ständig und immer.

 

Für jemanden wie mich und offensichtlich auch für den Chorleiter, für die Kommunikation ein ganz hohes Gut ist, Lebenselixier quasi, für diese Menschen ist Stille oft keine ernsthafte Option.

 

Für diese Menschen ist es absolut nicht erstrebenswert zu schweigen. Im Gegenteil, ich nehme wahr, wie viele vermeidbare Missverständnisse durch die Welt geistern, nur weil Menschen ihren Mund nicht aufbekommen.

 

Ich nehme wahr, wie oft diese vermeintlich erforderliche Stille als Ausrede genommen wird, um sich aktuellen Anforderungen zu entziehen, sich nicht auseinander setzen zu müssen.

 

Ich nehme wahr, dass die Stille-Befürworter oft ein bisschen arrogant daher kommen, suggerieren sie doch, dass Stille die bessere Wahl ist und diejenigen, die nicht still sind, es einfach noch nicht verstanden haben. Was wäre eigentlich wenn die Lauteren, die Stillen auffordern würden, sich doch endlich mal laut und deutlich zu äußern?

 

Ich glaube, das Beides seine Berechtigung hat: Die Stille und das Lebhafte. Jedes zu seiner Zeit.

 

Wie geht ihr damit um?

 

Befindlichkeiten

Mein Großvater sagte immer auf Münsterländer Platt: „Wenn du denkst du hät’s nen gläsernen ÄS, dann kosse nich sitten!“ Auf hochdeutsch: „Wenn du denkst, du hättest einen gläsernen Hintern, dann kannst du nicht sitzen!“

 

Selbst wenn er ein bisschen rüde daher kommt , stimmt für mich dieser Satz immer noch,.

 

Meint er doch, wenn du dich zu viel um deine Befindlichkeiten kümmerst, dich vor allem fürchtest, deine Wehwechen zum Mittelpunkt der Welt machst, dann wirst du glauben, dass das ganze Leben zu anstrengend für dich ist. Wirst dich der Erfahrung des Lebens entziehen mit Sätzen wie „ Das kann ich nicht“, „ Das ist nichts für mich“ oder auch „Ich bin so erschöpft“.

 

Wie schade. Wir alle haben in diesem Moment nur dieses eine einzige Leben. Und wie hat einmal ein von mir sehr geschätzter Referent gesagt: „ Ihr seid alle spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen und dann macht sie verdammt noch mal auch und zieht euch nicht zurück!“

 

Eine menschliche Erfahrung machen, dass bedeutet Dinge zu erleben, Gefühle wahrzunehmen und auszuhalten. Zu lachen, zu weinen, zu schreien und stille zu sein. Sich kopfüber in Situationen zu stürzen und sich zurück zu ziehen, aktiv zu handeln und zu beobachten. Eben immer alles zu unterschiedlichen Zeiten. Es bedeutet aber nicht, sich in seine vier Wände zu verkriechen und zu glauben, dass das Leben da draußen eine Überforderung ist.

 

Diese Bereitschaft, nicht zu glauben, dass man einen „gläsernen“ Hintern hat, fängt im Kopf an. Beginnt damit wie und was ich über das Leben denke. Dieses Denken entsteht nicht einfach so, sondern ist eine Prägung aus meiner Persönlichkeit, meinen Erfahrungen, meiner Kultur, meiner Sozialisation. Gemäß diesen Denkmustern filtere ich alles, was mir im Leben begegnet und kreiere mir so meine eigene persönliche Realität.

 

Wenn ich also etwas ändern möchte, muss ich beginnen den Filter zu verändern. Das ist vielleicht nicht ganz einfach, das kann ein bisschen dauern und es kann anstrengend sein. Es kann aber auch ganz schnell gehen. Das Entscheidende ist, ich muss es überhaupt erst einmal als Option akzeptieren und mich anschließend auf den Weg machen. Muss die ganzen Vorteile, die ich durch die Verweigerungshaltung habe aufgeben. Da gibt es dann oft gaaanz viel Widerstand!

 

Bist du bereit dir diesen Widerstand anzuschauen?

 

Zertifizierungswahn

Kontrolle ist gut, doch Vertrauen ist besser….

 

Dieser Spruch ist aktuell definitiv nicht in den Köpfen der meisten Menschen, sind doch alle offenbar vom Zertifizierungs-Virus befallen, zynisch ausgedrückt könnte man auch sagen: „Der Kontroll-Wahn greift um sich“.

 

Viele Institutionen, Firmen und Gesellschaft heften sich die unterschiedlichsten Zertifizierungs Zertifikate an die stolz geschwellte Brust und glauben, damit auf der sicheren Seite zu sein. Die Vorschriften dieser Zertifikate werden dann befolgt und eingehalten - koste es was es wolle. Die Sinnhaftigkeit der einzelnen Vorschriften bleibt allerdings so manches Mal im Nebel des Vorgangs verborgen.

 

Gestern durfte ich mal wieder - zu meinem eigenen Unmut - Teilnehmer solch eines Vorganges sein.

 

Mein Mann startete seinen Aufenthalt in einer Rehaklinik. Da er Träger eines resistenten Keimes ist, wurde es wie immer in solchen Momenten spannend. Über den Umgang mit diesem Keim könnte ich inzwischen ein Buch schreiben - von standardisiert ist das auf jeden Fall meilenweit entfernt. Von ignorieren bis zum ganz großen Drama haben wir inzwischen alles erlebt.

 

In diesem Fall mussten wir uns einer Hygieneberatung unterziehen. Ok, es war vom ersten Moment an klar, die zuständige Pflegekraft und ich waren irgendwie inkompatibel.

 

Wie immer gab ich mir Mühe, schweigend ihren Ausführungen zur Dramatik der Situation zu lauschen. In mir brodelte es und leider gelingt es mir immer nur kurzfristig solch einen Unwillen im Zaum zu halten. Ihr Pech, das ihre Ausführungen so lange dauerten. Denn irgendwann platzte die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Ganzen aus mir heraus.

 

Es wurde mir sofort signalisiert, dass da ja nun die völlig falsche Frage sei und sie diese Unterweisung machen müsse. Ganz ehrlich? „Ich muss das machen“ war für mich nicht die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Geschehens.

 

Wir waren im Zimmer meines Mannes und ich wurde informiert, dass ich demnächst das Zimmer nur noch in Schutzkleidung betreten dürfte. Das alleine ist ja schon schräg, denn so wurde billigend in Kauf genommen, dass ich an diesem Anreisetag alle anderen Patienten infizieren konnte, aber okay vielleicht hätte es noch einen Hinweis gegeben wie ich die Klinik zu verlassen hätte. Noch schräger war aber die Tatsache, dass die einweisende Pflegekraft das Zimmer ebenfalls ohne Schutzkleid betreten hatte. Es war 11.30 Uhr vormittags, sie würde also anschließend vermutlich nicht sofort nach Hause gehen und definitiv mehr Patienten anschließend begegnen als irgendein Besucher im Zimmer. Da drängt sich doch die Frage nach der Sinnhaftigkeit förmlich auf - tut mir leid!

 

Die Pflegekraft war völlig in ihrem System verfangen, hatte offensichtlich keinerlei Möglichkeit außerhalb ihres abzuspulenden Planes zu agieren, denn das richtige Drama begann erst dann, als sie meinen Mann in die richtige Nutzung der Hände-Desinfektion einwies.

 

Mein Mann, schon völlig erschöpft vom Ablauf des Vormittags, ohnehin zurzeit mit einem schwächelnden Kurzzeitgedächtnis ausgestattet, war völlig überfordert von ihrer Aufforderung, das jetzt bitte sofort richtig nachzumachen. Seine Unfähigkeit dies zu tun, wurde von ihr als Verweigerung interpretiert. Das führte dazu, dass die Pflegekraft wutentbrannt aus dem Raum stürmte mit den Worten: „Ich hole jetzt den Oberarzt“.

 

Der ist an dem Tag nicht mehr erschienen, mein Mann bekam dann zunächst sein Essen auf dem Zimmer serviert, durfte den Speisesaal nicht betreten und wurde am nächsten Tag entspannt von einer anderen Kraft eingewiesen.

 

Ich frage mich in solchen Momenten immer: „Was tun wir da?“ und vor allem „Warum tun wir es?“

 

Der Schutz gegen Keime ist ja notwendig und sinnvoll, aber es gibt Abstufungen im Verhalten je nach Keim. Und offizielle Seiten sagen zum Keim meines Mannes: „keine besonderen Anforderungen erforderlich“. Und wenn nun ein informierter Patient wissen will, warum in dieser Klinik in seinem Fall solch ein Aufstand geschoben wird und dann mit der Antwort abgespeist wird: „Wir sind schließlich zertifiziert!“ dann zeigt das, dass hier ganz viele Menschen, ganz viel nicht verstanden haben oder keine Lust mehr haben, sich auf den Einzelfall einzulassen, weil das einfach nur anstrengend ist. Und weil das erfordern würde, dass die entsprechenden Kräfte situationsbedingt eigenständige Entscheidungen treffen müssten.

 

Wer könnte das denn verantworten? Was ist dann mit dem Haftungsrisiko?

 

Wir machen uns und die Gesellschaft kaputt, wenn wir nur noch in „Haftungsrisiko“ denken.

 

Leben war schon immer lebensgefährlich, das hat schon Erich Kästner gesagt. Aber so bleibt es weiterhin lebensgefährlich und zusätzlich dann auch noch wahnsinnig anstrengend.

 

Viel Spaß dabei.

 

 

 

Das eigene Glück

 

Ich lese gerade mit großer Faszination die Memoiren von Michelle Obama „Becoming“. Lese ihren Werdegang und ihr Leben mit dem charismatischen, energiegeladenen Mann Barack. Es wird schnell klar, dass es sich bei den beiden um zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten handelt, die sich ein bisschen jenseits der „Normalität“ bewegen.

 

Trotzdem ringt offensichtlich auch solch ein Mensch wie Michelle um den richtigen Weg, um den eigenen Wert. Unterliegt genauso wie wir unrealistischen Erwartungen an den eigenen Partner.

 

Im Buch gibt es die Sätze: „Es war durchaus möglich, dass ich für mein Glück mehr Verantwortung übernehmen könnte, als ich derzeit zuließ. Ich lernte glücklich zu sein, ohne dass Barack seine Karriere in der Politik aufgeben müsste.“

 

Für sie bedeutet das, nicht voller Groll darauf zu warten, dass er im Familienleben auftauchte und sich zu drehen und zu wenden, um gemeinsame Zeit zu ermöglichen, sondern ganz klar Regeln zugunsten der Kinder aufzustellen.

 

In ihrem Fall hieß das, halb sieben essen, dann baden und Zeit zum Vorlesen und Kuscheln und ab 20 Uhr schlafen für die Kinder. Ihm - ohne Groll und Vorwürfe- die Entscheidung zu überlassen, ob er das erleben wollte oder nicht. Sie schreibt: „Wir warteten nicht auf Dad. Es war seine Aufgabe uns einzuholen.“

 

Wie wunderbar. Nicht mehr Opfer der Entscheidungen eines anderen zu sein, sondern zum Täter im eigenen Leben zu werden. Die eigene Aufgabe, in diesem Fall: für das Wohl der Kinder verantwortlich zu sein voll und ganz anzunehmen und gut zu erledigen. Dem Anderen seine Aufgaben überlassen und ihm dann die Chance und die freie Entscheidung zu bieten, sich daran zu beteiligen. Leben auf Augenhöhe.

 

Den anderen in seinem „So-Sein“ zu lieben und zu würdigen und sich selbst trotzdem Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen, die außerhalb des „So-Seins“ des anderen liegen, aber zum eigenen „So-Sein“ gehören.

 

Für das eigene Glück selbst die Verantwortung zu übernehmen.

 

Wo könnt ihr euren Blickwinkel ändern und Verantwortung für euch übernehmen?

 

 

 

Feedback

 

In den letzten Wochen wurde ich aufgefordert Feedback zu einer neu kreierten Internetseite zu geben.

 

Sie beginnt mit den Sätzen:

 

·        Es ist okay, wenn es dir schlecht geht.

 

·        Es ist okay, wenn du schlechte Laune hast.

 

·        Es ist okay, wenn du manchmal keine Kraft hast.

 

Ich verstehe, was die Verfasserin damit sagen will, aber mein erster Impuls war Entsetzen und der Gedanke: „ Nein, es ist nicht okay, wenn ich schlechte Laune habe“.

 

Ich hätte die Formulierung gewählt: „Es ist verständlich, wenn du …“

 

Jeder kann das verstehen und akzeptieren, wenn ein anderer gerade schwächelt, nicht über genug Kraft verfügt. Aber in solchen Momenten ist so ziemlich nichts „okay“.

 

Okay bedeutet ja: „ es ist alles korrekt, es ist alles in Ordnung“. Wenn ich keine Kraft habe, wenn ich schlechte Laune habe, dann ist in meinem Leben gerade ziemlich wenig in Ordnung. Ich bin erschöpft, genervt, krank, unaufmerksam oder was auch immer.

 

Auf jeden Fall gibt es dann gerade keine Ordnung in meinem Leben, denn meine individuelle Ordnung erfüllt mich, macht mich stark und erfüllt mich mit Freude.

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass unser eigentlicher Seinszustand: Freude, Kraft und Gesundheit ist. Wir kicken da halt nur wieder und wieder raus.

 

In solchen Momenten dürfen wir uns selbstverständlich ausruhen, uns Hilfe holen, uns zurückziehen, damit wir die Dinge wieder in Ordnung bringen können.

 

Damit wir uns wieder in Ordnung bringen können, wieder ins Gleichgewicht kommen können - denn erst dann ist alles „okay“ für uns.

 

 

 

 

 

Freude

Letzte Woche habe ich über den tollen Gospelworkshop geschrieben, der mein Herz erfüllt hat. Der wunderbare Chorleiter vermittelte pure Lebensfreude, getragen von einem ganz tiefen Glauben. Ich habe genossen.

 

Umso erstaunter war ich, als ich von einer Mitsängerin den Satz hörte: „Also, das war mir eigentlich zu viel gute Laune, zu viel Freude“.

 

Zu viel? Wie kann Freude und gute Laune zu viel sein?

 

Ok, manchmal gibt es diese Pausenclowns, die mit einer oberflächlichen Haltung von „ Alles ist machbar Herr Nachbar“ sich durchs Leben albern. Die gehen mir auch auf die Nerven, vor allem deshalb, weil ich sie als absolut unauthentisch erlebte, denn hinter der Albernheit steckt meistens ein großes Drama und tiefe Traurigkeit.

 

Hier aber war es anders. Chris vermittelte uns, dass er sich in dramatischen Momenten seines Lebens - und in seinem Leben gibt es schon mehr als genug davon - sich von Gott getragen fühlte. Dass es im Leben darum geht, Freude am Tun zu empfinden.

 

Es geht nicht darum perfekt zu sein, nicht darum alles richtig zu machen.

 

Es geht vielmehr darum, es überhaupt zu tun, Freude zu erleben und diese in die Welt zu strahlen.

 

Es geht darum im Moment zu sein und diesen in seiner ganzen Tiefe zu fühlen.

 

Es geht darum, sich selbst zu vertrauen.

 

Wir ärgern uns so oft darüber, was gestern passiert ist und fürchten uns vor dem, was morgen passiert. Aber jetzt, jetzt gerade sind wir einfach und wenn uns das bewusst wird, dann ist da Freude…

 

Und was kann falsch daran sein, diese Freude auszustrahlen und zu fühlen?

 

 

 

Gospelworkshop

„You will, You will always be with me“ diese Liedzeile aus dem wundervollen Gospelkonzert tobt noch die ganze Nacht in meinem Kopf herum.

 

Ein wundervolles Wochenende liegt hinter mir. Freitagabend Beginn des Gospelworkshops, der seinen fulminanten Abschluss am Sonntagnachmittag in einem mitreißenden Konzert fand.

 

Ein Konzert, das die eher schwerfälligen Westfalen von den Kirchenbänken riss und zum Mitsingen animierte.

 

Wo begann der Zauber dieser Tage?

 

Im gemeinsamen Singen?

 

Im Erleben von Gemeinschaft?

 

In der Erfahrung, dass Glaubenssätze sich auch einmal nicht bewahrheiten müssen?

 

Oder in der charismatischen Ausstrahlung des Chorleiters?

 

Ich glaube es war eine Mischung aus allem, wobei der Auslöser und Katalysator natürlich im Chorleiter Chris Lass zu finden war.

 

Da steht ein eher klein gewachsener blonder junger Mann vor der bunt zusammengewürfelten Truppe von begeisterten Sängern und schafft es, sie in zwei Tagen für sich einzunehmen.

 

Schafft es, sie in die Lage zu versetzten 9 neu gelernte Lieder am Sonntag auswendig darzubieten.

 

Schafft es, dass alle ihm dauerhaft und konzentriert zu hören. Keine Stimme muss ermahnt werden aufzupassen.

 

Schafft es - und das hat mich am meisten begeistert, seinen tiefen Glauben, spürbar werden zu lassen.

 

Einen Glauben, der ihn durch dramatische Erlebnisse und erschütternde Erfahrungen getragen hat. Erfahrungen, die eigentlich für mehrere Leben gereicht hätten.

 

Wie schön, solch ein Vorbild zu haben. Einen Menschen, der ob all dieser Erlebnisse nicht vergrämt und verbittert geworden ist, sondern sich immer noch und gerade deshalb geborgen in Gottes Hand fühlt, der erfüllt ist von der Liebe zu den Menschen.

 

In mir klingen dieses Vertrauen und diese Liebe nach und ich weiß, die Lieder werden mich auch weiterhin begleiten, mich immer dann erinnern, wann immer ich es brauchen werde.

 

Danke dafür.

 

Göttlich

Angepasst

In letzter Zeit begegnen mir immer häufiger Menschen, die mir Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag schildern. Momente, in denen es um Entscheidungen, Stellungnahmen ging. Und fast alle berichten, dass sie natürlich nicht gesagt haben, was sie gedacht haben, sondern das, von dem sie meinten, dass das Gegenüber es hören wollte.

 

Ich frage mich dann immer: „Wie kann das sein?“. Wie kann es mir gelingen in solch einem Moment, meine Meinung zurück zu halten? Wie kann es gelingen dem Anderen und seinen Überzeugungen mehr Gewicht als meinen eigenen zu geben?

 

Wenn ich solche Überlegungen anmerke, dann höre ich „Ja, aber meine Meinung kann ich doch nicht sagen. Das hätte ja Konsequenzen für mich.“

 

Ja klar hat das Konsequenzen. Soll es ja auch haben, sonst müsste ich es ja nicht sagen. Ja und es kann sogar sein, dass es negative Konsequenzen für mich hat, weil mein Gegenüber mit eigenständiger Meinung nicht klar kommt.

 

Aber es hätte auf jeden Fall die Konsequenz, dass ich mich auch weiterhin im Spiegel anschauen kann, mich nicht verdreht habe. Stolz und aufrecht aus dieser Besprechung herausgehen kann.

 

Ganz ehrlich? Ich stelle solche Überlegungen nie an. In Momenten, in denen meine Meinung gefordert ist, sage ich meine Meinung und denke überhaupt nicht darüber nach, ob das vielleicht negative Konsequenzen haben könnte. Es ist bezeichnend, dass ich noch nie schlechte Erfahrungen mit diesem Verhalten gemacht habe. Vielleicht, weil dem Gegenüber ganz deutlich wird, das ich so bin, dass ich ganz klar diese Haltung habe und dazu stehe. So etwas macht im gewissen Rahmen unangreifbar.

 

Ich habe mal das Feedback bekommen: „ Das faszinierende an dir ist - wo Anne drauf steht ist Anne drin. Du bist immer gleich, egal wer dir gerade gegenüber steht“. Mein erster Impuls auf diese Bemerkung war: „Ja, warum denn nicht? Das geht doch gar nicht anders!“.

 

Ich frage mich immer, wie es den eingangs erwähnten Menschen geht, die versuchen permanent sich selbst und ihre Stellungnahmen zu kontrollieren. Wie unglaublich anstrengend und wie unbefriedigend. Kein Wunder, dass so viele Menschen im Burn Out landen und so oft so gruselige Entscheidungen getroffen werden.

 

Wir brauchen mutige Menschen, die sich ihre Meinung, ihr Wissen und ihre Überzeugungen zum Wohle aller und zum Gelingen des Ganzen einbringen.

 

Denkt immer daran: Die Welt kann nicht auf eure Meinung verzichten!

 

Warten

Laut einer Studie verbringen die Deutschen 5 Jahre Lebenszeit mit warten. Warten an der Kasse im Supermarkt, warten im Stau auf der Autobahn, warten beim Arzt, warten vor dem Computer, weil der mal wieder still vor sich hinlädt. Bestimmt fallen euch noch andere nicht so spannende Orte und Situationen ein.
Warten nervt, wir haben dann das Gefühl nicht schnell genug an unser Ziel zu kommen, Aggressivität ist die Folge. Wir wurden gerade gegen unseren Willen ausgebremst. Was tun?
Ich kann jetzt da stehen, mit den Fingern trommeln, die Wut aufsteigen lassen, anfangen lautstark zu schimpfen. Hilft das? Nein- es wird vermutlich den Vorgang nicht beschleunigen.
Ich kann mich aber auch entspannt zurücklehnen und mich über die gewonnenen Minuten Auszeit freuen. Die Auszeit aktiv annehmen und genießen. Bewusst atmen, die Gedanken fliegen lassen. Entspannt eine Traumreise machen, an den schönsten Orten der Welt in Gedanken spazieren gehen. Diesen Ort versuchen zu fühlen, den Geruch, der dort ist, den Wind der über meine Haut streicht, den Boden unter den Füßen fühlen. In Meditation versinken. Keine Angst, ihr werdet es schon merken, wenn es weiter geht.
Ein Beispiel?
Ich stand nach 6 Stunden nerviger Autofahrt im Regen kurz vor dem Ziel im Stau. Wir standen, es bewegte sich nichts, draußen goss es in Strömen, so dass das Verlassen des Autos unmöglich war.
Was tun, genervt wie ich eh schon war, hätte ich jetzt aufs Lenkrad einschlagen können oder laut meinen Frust ins Auto brüllen. Ich habe mich entschieden, entspannt die Rücklehne runter zu lassen und die Viertelstunde, die es dauerte geschlafen. Voller Vertrauen, dass mein Mann (der im Auto nicht schlafen kann) mich wecken würde bzw. dass im Zweifelsfall die Leidensgenossen im Stau laut genug hupen würden. Als es endlich weiter ging, hatte ich meine Auszeit gehabt und kam entspannt am Ziel an.
Also, das nächste Mal in der Warteschlange einfach mal das Muster verändern. Es lohnt sich!

Nachbarn

Manchmal, ja manchmal, da hat die Freude, das Glück einen Namen….

 

Es hat geschneit in der Nacht, so viel geschneit, dass der Weg rund um den Gartenzaun vom Schnee befreit werden muss.

 

Der Blick aus dem Fenster zeigt es. Ich bewaffne mich mit dem Schneeschieber und bewege mich nach draußen vor die Tür. Als ich um die Hausecke herumkomme und freien Blick auf den Gehweg habe, sehe ich, dass an unserem Eckgrundstück, der eine Nachbar die eine Seite des Zaunes vom Schnee befreit hat und der andere Nachbar gerade dabei ist, die andere Seite zu räumen.

 

Ein tiefes Glücksgefühl erfasst mich, tiefe Dankbarkeit über diese freundlichen, mitdenkenden Nachbarn. Mein Mann ist schwer erkrankt und stillschweigend und selbstverständlich, haben sie die Aufgabe übernommen, die früher er erledigt hat.

 

Was kann einem Besseres passieren als solche Nachbarn zu haben?

 

Danke !

 

Neutralität

Neutralität, das Wort kommt vom lateinischen „ne-utrum“, dass bedeutet „keines von beiden“.

 

„Keines von beiden“ hört sich erstmal langweilig und unentschlossen an. Wie oft verlangen wir: „Du musst dich jetzt endlich mal entscheiden“ - wie oft erwarten wir eine Beurteilung einer Situation um dann anschließend vom Urteil tief getroffen zu sein.

 

Wie oft wollen wir in Konfliktsituationen emotionale, rhetorische, intellektuelle Unterstützung. Wir wollen gewürdigt und verstanden werden, unsere Sicht des Problems durchsetzen, wir sind überfordert mit einer Person, die beide Seiten würdigen kann, einer Person, die es schafft „keines von beiden“ in den Vordergrund zu stellen.

 

Neutralität fühlt sich so manches Mal kalt an deshalb, fühlt sich irritierend an. Denn wie kann es sein, dass „keines von beiden“ richtig ist. Wie kann es sein, dass das Gute und das Schlechte nebeneinander existieren sollen?

 

Was bedeutet es wirklich neutral sein zu können? Es bedeutet zunächst einmal zum Beobachter zu werden. Nur zu beobachten, was da gerade vor mir passiert, was geschieht. Wenn ich der Beobachter bin, dann werte ich nicht, dann sehe ich, dann höre ich, dann fühle ich, aber ich werte nicht.

 

Beobachter zu sein ist hilfreich, um zu tragfähigen Lösungen zu kommen, es ist hilfreich, Ordnung in emotionale Verwerfungen zu bringen, aber Neutralität ist eher nicht geeignet, emotionale Wärme zu geben, sie ist nicht geeignet im Drama mitzuspielen.

 

Wir brauchen aber immer beides, Zustimmung und emotionale Wärme und ab und zu mal jemand, der absolut neutral, Ordnung in die Dinge bringen kann, die sich verwurschtelt haben. Jemand, der bereit ist, uns aus unseren ganz persönlichen Dramen herauszuholen.

 

Das ist anstrengend, aber es lohnt sich.

 

Flexibilität

 

Wikipedia sagt: „Flexibilität (aus lat. flectere für „biegen“ oder „beugen“) bezeichnet: Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umstände“

 

Sollte man doch denken: „Wunderbar, eine tolle Eigenschaft, erstrebenswert“.

 

So dachte ich bislang auch immer. Flexibilität ist für mich ein ganz hohes Gute, die Vorraussetzung geschmeidig durchs Leben zu kommen.

 

Umso erstaunt war, ich als in einer Diskussion in meiner Hochsensiblengruppe plötzlich das Statement kam: „Flexibilität ist für mich ein absolutes No Go, das geht gar nicht. Das bedeutet ja, man ist sprunghaft und nicht zuverlässig“. Ich habe mir ein bisschen verwundert die Augen gerieben und gedacht: „ wer hat hier jetzt was nicht verstanden?“

 

Entstanden war diese Diskussion aus der Frage wie man denn mit unangemeldetem Besuch umgeht. Klar unangmeldeter Besuch kann das eine oder andere Mal eine Herausforderung sein, da ist dann Flexibilität gefragt. Er kann aber auch genauso gut eine freudige Überraschung sein, die zu entspannten Stunden führt. Ich fand es schon mehr als befremdlich, dass von vielen TeilnehmerInnen unangekündigter Besuch kategorisch abgelehnt wurde. Ich habe immer ein Problem mit kategorischem Verhalten, denn es widerspricht so sehr meinem Wunsch nach Flexibilität.

 

Flexibel sein, heißt für mich in jedem Moment frei von Glaubenssätzen, Vorurteilen und Regeln spontan und lösungsorientiert agieren zu können. Sprich bei unangekündigtem Besuch zu entscheiden, kann und will ich mich in diesem Moment damit beschäftigen und wenn nicht, klar und deutlich zu sagen: „Du, sorry, passt gerade nicht“.

 

Es heißt für mich, in jedem Moment die eigenen Planungen über den Haufen werfen zu können, wenn die Lösung eines Problems es erfordert.

 

Es gibt übrigens Lebenssituationen, die die Flexibilität herausfordern und fördern….das Leben mit kleinen Kindern, pflegebedürftigen Menschen und vielen Menschen gehört dazu. Solch ein Leben übt ungemein….

 

Wäre das nicht wunderbar, wenn wir alle flexibel sein könnten?

 

 

 

Selbst-bewusst-sein

Selbstbewusstsein, das bedeutet sich seiner selbst bewusst zu sein. Leichter gesagt als getan. Um sich seiner selbst bewusst zu sein, muss ich als aller erstes einmal wissen, wer ich denn wirklich bin? Viele, zu viele Menschen scheitern an genau dieser Frage. Machen sich nicht wirklich auf den Weg herauszufinden, wer sie den wirklich sind. Lassen sich von ihren Eltern, Kindern, Kollegen, Nachbarn vor erzählen wie sie zu sein haben, was sie fühlen, machen erleben sollten. In diesen Momenten entsteht dann die Idee, selbstbewusst sei es, mutig, stark und durchsetzungsfähig daher zu kommen.

 

Ist es das wirklich? Wie sagt Katie Byron: „Ist dieser Gedanke wirklich wahr?“.

 

Wenn Selbstbewusstsein heißt, sich seiner selbst bewusst zu sein, dann kann das bedeuten, dass ich mir darüber bewusst bin, gerade verletzlich und hilfsbedürftig zu sein. Selbstbewusst wär es dann genau zu diesen Gefühlen und Bedürfnissen zu stehen. Im selben Moment, in dem ich dazu stehen würde, wäre ich unangreifbar. Unangreifbar, weil ich keine Maske trage, weil ich nicht fürchten muss enttarnt zu werden, weil ich keinen Widerstand aufbaue und mein Gegenüber nicht mit mir kämpfen muss. Sollte dann jemand meine Gefühle nicht ernst nehmen, wäre das sein Problem. Es würde mich  nicht stören, nicht berühren, denn ich wäre ja sicher in mir und wüsste, dass seine Meinung nicht meiner Wahrheit entspricht. Wie einfach und wie stark, obwohl ich vermeintlich Schwäche zeige.

 

Wirkliches Selbstbewusstsein hat also weniger mit Durchsetzungsfähigkeit, demonstrierter Stärke und Macht zu tun, sondern ganz viel mit Wahrhaftigkeit und Erkenntnis zu tun. Es hat damit zu tun, frei geworden zu sein von fremden Ansprüchen, Bildern und Vorstellungen wie ich zu sein habe, bei sich selbst angekommen zu sein.

 

Macht euch auf den Weg, es lohnt sich….

 

 

 

Grenzen

Hochsensible Menschen bewegen sich ziemlich offen durch das Leben. Empfänglich für Reize unterschiedlichster Art, Lärm, Geräusche, Gerüche prasseln ungefiltert auf sie. Genauso oder noch schlimmer fremde Gefühle. Das eine oder andere Mal entsteht völlige Überforderung.

 

Woran liegt das?

 

Ja, das neuronale Netzwerk funktioniert bei hochsensiblen Menschen anders als beim Rest der Welt, aber es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Oftmals sind hochsensible Menschen von Kindesbeinen an traumatisiert, weil ihr So-Sein von der Ursprungsfamilie nicht gesehen werden konnte oder nicht gewollt war. Wie geht es einem, wenn man von Kindesbeinen an die Botschaft bekommt: „ Du bist nicht okay, so wie du bist!“. Schlecht vermutlich und vor allem wird man nicht in die Lage versetzt Stabilität in seinem Inneren zu entwickeln. Kann sich selbst nicht wirklich wahrnehmen und fühlen, die eigenen Bedürfnisse nur schwer erkennen und vor allem zu lassen. Ist auf der Suche nach Halt und Orientierung. Da alles im Leben Energie ist, verströmen diese Menschen folglich ihre Energie um irgendwo die Lösung zu finden. Der eigene Energiekörper bekommt dadurch einen Riesenradius und ermöglicht es anderen Menschen dadurch zu marschieren, was von den Betroffenen natürlich als sehr überfordernd und unangenehm empfunden wird. Sie versuchen dann oftmals sich gegen diese Eindringlinge abzugrenzen, sich abzuschotten. Verständlicherweise funktioniert das nicht oder nur ganz schlecht. Sie lassen ja ihr Energiefeld dort wo es ist und kommen dadurch zu keiner Verbesserung.

 

Wie kann die Lösung aussehen?

 

Das Energiefeld zu sich heranziehen, eigentlich sollte es wie ein Surfanzug am eigenen Körper sitzen, Da bekommt übrigens der von Hochsensiblen gehasste Satz: „Nun reiß dich doch mal zusammen“ eine ganz neue Bedeutung!

 

Wie kann ich das erreichen?

 

Sich auf sich selbst konzentrieren, bildlich das Energiefeld heranziehen und bewusst atmen. Nur noch atmen, tief in den Bauch atmen, einen bestimmten Rhythmus finden: 10 Takte einatmen,  Takte Luft anhalten, 10 Takte ausatmen, 10 Takte gar nicht atmen. Ich selbst finde das Gar-Nicht-Atmen immer am entspannendsten. Die eigenen Körpergrenzen bewusst wahrnehmen, ggf. sich mit einem Massagehandschuh abrubbeln.

 

Sich seiner selbst bewusst werden - Selbstbewusstsein. Aufhören, sich selbst zu verlieren…. und davon nächste Woche mehr.

 

Und so lange: immer schön üben

 

 

 

Anfang

Alles auf Anfang..

 

Das neue Jahr liegt wie ein offenes Buch vor uns. Der Terminkalender ist noch nicht komplett gefüllt, wir wünschen einander ein frohes neues Jahr - wenn wir denn daran denken. Wir haben noch kein Gefühl für dieses Jahr 2019 entwickelt und doch kommt es uns fast schon alt vor, denn eigentlich, ja eigentlich gibt es keinen Unterschied zu 2018. Wir ärgern wir uns über die gleichen Dinge, wir machen dieselben Fehler und die Themen, die wir 2018 bearbeiten durften, sind uns erhalten geblieben. Vielleicht wundern wir uns ein wenig darüber, vielleicht nehmen wir es aber auch einfach so hin. Wir stellen auf jeden Fall fest, es ist uns auch dieses Mal nicht gelungen, am 31.12. die Reset-Taste zu drücken.

 

Und das ist vielleicht auch gut so. Stellt euch mal vor, wir würden jedes Jahr am 31.12. unser Leben komplett auf den Kopf stellen, wären ab dem 1.1. ein neuer Mensch. Wie anstrengend! Wir müssten uns immer wieder neu orientieren, neu lernen, uns neu zu Recht finden.

 

Wir Menschen brauchen unsere Rituale, unsere Traditionen, unsere Wurzeln - das gibt uns Sicherheit, macht uns verlässlich. Von dieser Basis aus können wir Veränderungen vornehmen, können wir mutig neue Weg legen, uns selbst neu erfinden. Aber wie so oft, braucht das Zeit, Zeit um zu reifen. Zu einem Zeitpunkt, z.B. am 31.12. können wir den Samen in die Erde legen, damit das Neue wachsen kann - geerntet wird später. Und hier gilt: „Gras wächst nicht schneller, auch wenn man daran zieht.“

 

Also denkt an die Samen, die ihr zum Jahresbeginn gesät habt und seid geduldig. Es lohnt sich!

 

 

 

Silvester

Jahresende - für viele die Zeit, Bilanz zu ziehen - die Zeit, gute Vorsätze zu fassen, die im neuen Jahr unbedingt umgesetzt werden sollen. Jedes Jahr wieder geben wir uns der Illusion hin, dass das funktionieren wird. Um dann schon in der ersten Januarwoche, die meisten dieser Vorsätze wieder vergessen zu haben. Der Frust wird quasi vorprogrammiert.

 

Warum tun wir das? Weil wir glauben, dass ein Zeitpunkt alles verändern kann. Ja, Zeitpunkte können alles verändern. Manchmal dreht sich das Leben von einem Moment zum anderen durch eine Erkrankung oder einen Unfall, Das passiert spontan und unerwartet - ohne unser Zutun.

 

Ja, ein Zeitpunkt kann bewusst gewählt werden, um etwas im Leben zu verändern. Das klappt aber nur dann, wenn wir den festen Willen entwickeln, diese Veränderung herbei zu führen. Wenn wir unsere ganze Entschlusskraft auf das Ergebnis richten und nicht davon ausgehen, dass der Zeitpunkt die Veränderung bewirken wird.

 

Am Morgen des 1. Januar 2019 geht die Sonne genauso auf wie sie am Abend des 31.12.2018 untergegangen ist und die Erde dreht sich im gleichen Tempo weiter. Außerdem gilt dieser imaginäre Zeitpunkt ja sowieso nur für uns, in unserer Zeitzone. Die Australier haben ihn dann schon hinter sich und die Amerikaner noch vor sich.

 

Trotzdem verfallen wir jedes Jahr wieder dem Zauber dieses Anfangs und das ist auch gut so. Denn es birgt die Chance, den Zeitpunkt zu nutzen um etwas Neues zu beginnen. Den Schwung des Zeitpunktes mit der Kraft des eigenen Willens zu verbinden - so kann es gelingen.

 

Einen guten Start in ein „Wunder“volles 2019.

 

 

 

 

Weihnachtszauber

Die Weihnachtselfe

Alt? Oder nicht?

Alle wollen älter werden, aber niemand will alt sein?

 

Da stellt sich doch die Frage, was ist da überhaupt „ alt sein“?

 

Ist es die Zahl auf der Geburtsurkunde, die in immer weitere Ferne rückt?

 

Ist es das Gefühl morgens beim Aufstehen? Wenn deutlich wird, dass man sich jetzt im knackigen Alter befindet?

 

Ist es die Unfähigkeit sich auf neue, überraschende Dinge geschmeidig einstellen zu können?

 

Ist es das Kopfschütteln, das man erntet, wenn man einmal zu oft von früher berichtet.

 

Ist es die Tatsache, dass man sich Begriffe wie XOXO oder LOL erklären lassen muss und sie nicht in seinen aktiven Wortschatz aufnimmt?

 

Ist es die Diskrepanz, die sich auftut zwischen der Eigen- und Fremdwahrnehmung?

 

Meine Großmutter pflegte im zarten Alter von 80 Jahren zu sagen, wenn sie z.B. zu kirchlichen Veranstaltungen eingeladen wurde: „ Da gehe ich nicht hin, da sind ja nur alte Leute“. Damals habe ich gelächelt, so langsam kann ich sie verstehen.

 

Ich fühle mich aktuell weit entfernt von der Zahl, die in meinem Ausweis steht und weit entfernt von vielen meiner Altersgenossen.

 

Ich habe schon immer die Idee gehabt, dass ich vermutlich mit 80 als Psychotherapeutin richtig gut sein werde, weil ich dann auf eine Tonne von Lebenserfahrung zurück blicken kann.

 

Ich kann nicht mitreden, wenn Wehwehchen beklagt werden oder über nachlassende Energie gejammert wird. OK vielleicht bin ich nicht mehr ganz so schnell und schwungvoll wie mit 30, aber da ich schon immer schneller war als der Rest der Welt und über mehr Energie verfügt habe als die meisten anderen Menschen, kann ich es durchaus noch mit Jüngeren aufnehmen.

 

Ich bin nicht vergrämt und enttäuscht vom Leben, sondern immer noch gespannt auf jeden neuen Tag und glaube, dass das Leben noch viele Überraschungen für mich hat.

 

Neulich habe ich gesagt, dass ich tief in meinem Inneren immer noch 5 Jahr alt bin. Mit den gleichen Überzeugungen, dem gleichen Glauben an das Gute in der Welt und dem gleichen tiefen Wissen über das Universum, das eigentlich nur Kinder haben.

 

Ist das nicht schön?

 

Ja, es ist schön und anstrengend zu gleich, denn 5-jährige Kinder sind nicht so richtig überzeugt von Ordnung und Struktur, bürokratischen Regeln, erwachsenen Spielchen. Das macht das Leben manchmal anstrengend….

 

Trotzdem habe ich so gar keine Lust, diese Lücke zwischen Eigen und Fremdwahrnehmung zu schließen. Außen altern und Innen ein Kind bleiben - was kann einem Besseres passieren?

 


Still

Wieder und wieder beklagen die Stillen im Lande, die Lebhaften und Lauten, die ach so viel Lärm machen und oft einfach nur nerven.

 

Die Stillen meinen, dass sie mit ihrer Zurückgezogenheit und Schweigsamkeit schließlich nicht nerven, so wie die anderen, die mit ihrer Lautstärke, ihrem Reden den Stillen auf die Nerven gehen.

 

Ganz ehrlich?

 

Leider haben sie keine Wahrnehmung dafür, wie sehr auch Stille nerven kann. Wie sehr es uns Lebhafte ärgert, wenn wir ein Gegenüber haben, das einfach mal schweigt. Ein Gegenüber, dass - vermeintlich diplomatisch - um den heißen Brei herum redet, statt einfach mal zu sagen, was Sache ist. Ein Gegenüber, dass einem mit passiver Aggressivität signalisiert, dass man gerade so völlig falsch ist. Ein Gegenüber, das verlangt, dass die anderen sich anpassen, sich selbst aber keinen Millimeter bewegt.

 

Als ich einmal einen dieser Stillen, der sich über meinen Aktionismus beklagte, gesagt habe, dass ich mit dem gleiche Recht wie er, von ihm verlangen könnte, lauter und lebhafter zu sein, habe ich völliges Unverständnis geerntet. Warum eigentlich? Wenn mein Gegenüber möchte, dass ich mich entgegen meiner Natur verhalte, kann ich das doch auch von ihm erwarten.

 

Wie schön wäre es , wenn beide Varianten Verständnis für den jeweils anderen aufbringen würden, ihn so stehen lassen könnten, ohne zu postulieren, dass eine der beiden Varianten auf jeden Fall die bessere sei. Wenn beide sich bemühen könnten, für einen kurzen Moment dem anderen zu Liebe, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen - das würde beiden gut tun.

 

Also ihr Stillen, übt doch mal dazwischen zu quatschen und ihr Lauten, übt einfach mal die Klappe zu halten. Es lohnt sich!

 

Blickwinkel

Oh Mann, was geht mir das ewige Gejammere und Gestöhne auf die Nerven.
Meine Mama pflegte immer zu sagen: „Stöhnen ist Stuhlgang der Seele und manche haben eben Durchfall!“ Oh ja, im Augenblick kommt es mir so vor als hätte die ganze Welt Durchfall.
Äußerungen wie: „Die Welt ist so schlecht geworden, alle sind nur noch egoistisch, rücksichtslos und unsensibel“ treffen auf „ Ich bin so empfindlich und ziehe mich am liebsten in meine eigenen vier Wände zurück. Ich halte die Oberflächlichkeit der Welt nicht mehr aus!“
Ich frage mich dann immer: Komisch, ich erlebe die Welt ganz anders.
Menschen, mit denen ich es zu tun habe, sind freundlich und rücksichtsvoll, ich kann mich ernsthaft oder oberflächlich unterhalten und beides ist phasenweise okay.
Wenn ich Hilfe benötige, bekomme ich sie, ich habe eine liebende Familie um mich herum, verfüge über einen wertschätzenden Freundeskreis, nette Nachbarn und zur Arbeit gehe ich auch gerne….Wie kommt das? Bin ich vom Glück begünstigt?
Nein, aber ich gehe mit diesem Blickwinkel in die Welt. Gehe zunächst immer davon aus, dass alle nett zu mir sind. Sollte es ab und zu mal anders sein, habe ich eine Erfahrung gemacht und kann immer noch entsprechend reagieren.
Ich lächle die Menschen an, schätze sie in ihrem Tun, gebe positives Feedback und glaube, dass niemand mich absichtlich ärgern will.
Und das, was ich glaube, erlebe ich dann auch. Genauso wie die anderen, die glauben, dass die ganze Welt blöd ist, nicht ihr Niveau hat, nicht so empfindsam ist wie sie selber und überhaupt eigentlich nur nervt.
Wie schade! Da könnte es doch glatt helfen, einfach mal den Blickwinkel zu verändern um andere Erfahrungen zu machen.
Neulich habe ich einen psychologischen Ratschlag gelesen, der empfahl, wenn man Menschen kennen lernen möchte, sie zu fragen, wie sie denn ihren Chef oder die Gäste auf einer Party beurteilen. Die jeweiligen Äußerungen sagen vielleicht wenig über den Chef, aber ganz viel über die Person, die diese Äußerung tätigt. Wir sehen im Andern immer nur uns selbst und das, was wir kennen.
Da würde ich jetzt mal drüber nachdenken ……

Bürokratie

Es ist zum Haare ausraufen - der um sich greifende Bürokratie-Schwachsinn und Zertifizierungs- Wahn in Deutschland.
Wir dokumentieren uns zu Tode und kriegen dabei keine Arbeit vom Tisch. Wer bitte ist besser gepflegt und umsorgt im Altersheim, wenn nur die Dokumentation stimmt?
Arbeitet irgendeine unwillige Pflegekraft schneller und effizienter, nur weil sie genötigt wird, ausreichend zu dokumentieren? An dieser Stelle wäre „miteinander reden, Führungspersönlichkeit“ gefragt. Die Dokumentation ist da irgendwie die Flucht aus der konfrontativen Verantwortung.
Sie ist der Irrglaube es würde funktionieren, wenn die Menschen gezwungen werden, ihr Handeln schriftlich zu fixieren.
Wenn ich ordentlich und pflichtbewusst arbeite, dann arbeite ich ordentlich und pflichtbewusst, egal, ob ich das auf einer Checkliste notiere oder nicht.
Ich bin in unserem Ort die zuständige Schiedsfrau, Streitende Menschen miteinander ins Gespräch bringen, das kann ich gut. Ich verwalte die erhaltenen Gelder für die Fälle sorgfältig, bereichere mich nicht daran. Schreibe auf, was verhandelt wurde. Was ich nicht gut kann und was an mir klebt wie Bienenwachs sind die ganzen Formalien, die mit diesen Fällen verbunden sind. Heißt, das, worum es eigentlich geht beherrsche ich, am Nebenkriegsschauplatz scheitere ich.
Trotzdem, und das ärgert mich wirklich, füge ich mich zähneknirschend den Regularien, weil ich Stress produziere, wenn ich es nicht tue. Aber jedes Mal wieder frage ich mich „Warum eigentlich?“ Warum beuge ich mich den Anforderungen von Menschen, die komplett anders ticken als ich.
Sie können ja gerne so sein, für sich, aber warum zwingen sie der Welt ihre Meinung auf? Und warum reagiert die Welt mit einem „ Das kann man halt nicht ändern - das ist eben Vorschrift“.
Wirklich nicht? Wie schön wäre es, wenn wir alle ohne Vorschriften, Formulare, Audits, Zertifzierungen und sonstigem Blödsinn in jeder Situation pragmatisch und mit gesundem Menschenverstand handeln würden.
Denn mal ganz ehrlich, jeder der seine Profession ernst nimmt, wird auch ohne Audit sorgfältig arbeiten und es gibt mit Menschen mit einem Zertifikat, die ihr Handwerk so gar nicht können, während andere ohne Zertifikat Könner darin sind.
Also, macht eure Augen auf und guckt euch die Menschen an und nicht das Dokument….

Meine Welt

Meine Welt

 

Habt ihr euch auch schon einmal so richtig vorgestellt wie sie denn aussehen soll: eure Welt?

 

Eine Welt, in der ihr euch richtig wohl fühlt , glücklich seid?

 

Ich habe sie mir ausgemalt, meine Welt zum glücklich sein.

 

Eine Welt, in der jeder als erstes respektiert in seinem So-Sein, eine Welt, in der alle bemüht sind zum Wohle der Allgemeinheit beizutragen, weil das allgemeine Wohl das höchste Gut ist. Egoismus und Selbstsucht haben keinen Platz in meiner Welt.

 

Meine Welt ist bevölkert von „Maximalpragmatikern“, Menschen, die Lösungen finden und diese umsetzen. Mensch, die handfest und verwurzelt sind und keine Probleme haben sich auch mal zurückzunehmen. Menschen, die den Träumern, Künstlern und Visionären die Möglichkeit verschaffen, ihren Ideen nachzugehen.

 

Es ist eine Welt ohne verschrobene Gesetze und die Juristen sind ausschließlich als weise Mediatoren tätig, die bei unterschiedlicher Interessenlage, helfen in einem großen Palaver eine Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sind und das alles ohne einen einzigen Paragraphen zu bemühen. Gesetze sind auf wenige allgemeingültige Rahmenbedingungen reduziert.

 

Geld ist dazu da ausgegeben zu werden und den Menschen und er Umwelt zu dienen. Das bedeutet, das am Ende des Jahres alles Geld, das da ist in eine neue Währung umgetauscht wird mit einem Abschlag von 10%, heißt, horten wird bestraft.

 

Die Schulen sind Räume, in denen Kinder nicht irgendeinen Stoff lernen, sondern lernen sich selbst und ihre Interessen zu entwickeln. Fächer wie Intuitionsschulung und Glück stehen auf dem Stundenplan.  Lehrer sind respektiert und werden wert geschätzt, weil sie die kommende Generation formen.

 

Alle sind sich bewusst, dass alles energetisch miteinander verbunden ist und gehen sorgsam und effektiv mit dieser Energie um.

 

Erstaunlich?

 

Wie sieht eure Welt aus?

 

Small Talk

In letzter Zeit begegnen mir immer wieder Menschen, die darüber schimpfen, dass im Kontakt mit anderen oft nur Small Talk möglich ist und sie dies ablehnen. Small Talk sei einfach doof und sie wünschen sich, ausschließlich tiefgründige  Gespräche zu führen.

 

Ich wundere mich darüber und denke mir: „Eh Leute, wollt ihr immer nur fetten Braten essen oder reicht auch mal ein Apfel?“

 

Für mich hat Small Talk einen ganz hohen Wert, denn er ist sozusagen das Schmierfett im Getriebe des Alltags. Dient dazu, Kontakt aufzunehmen, dem anderen Sicherheit zu vermitteln: „ Ich sehe dich“.

Es geht nicht um den Inhalt, sondern ausschließlich um das Schaffen von Sicherheit.

 

Natürlich gelingt das mal besser und mal schlechter.

Richtig guter Small Talk ist eine hohe Kunst, ähnlich wie ein gelungener Tanz. Die Gesprächspartner tanzen einfach einen Augenblick miteinander und dann trennen sie sich wieder. Manchmal sieht das harmonisch aus und manchmal holperig. Und es ist sehr beeindruckend wie geschmeidig manche Menschen diesen Tanz beginnen können. Nach so einem Tanz gehen beide zufrieden ihrer Wege und niemand ist verärgert.

 

Bei den Menschen, die dem Small Talk kritisch gegenüber stehen, nehme ich wahr, dass sie sich diesem Tanz komplett verweigern. Wie ein bockiges Kind dastehen, dem Rhythmus nicht folgen wollen und sich nachher beschweren, wie schön die anderen zusammen getanzt haben.

 

Ein bisschen ungünstig oder?

 

Also: Augen auf im Straßenverkehr!

Hingucken, welche Bedeutung Small Talk eigentlich wirklich hat. Was ich damit erreichen kann und was er mit mir macht und wie es mir gelingen kann , meinen Frieden damit zu schließen.

 

 

 

Ich wünsche euch spannende Small Talks in der nächsten Woche.

 

Zeitumstellung

Und wieder nähert sich der Tag, an dem die Zeit umgestellt und es nähern sich die Tage, in denen die Menschen über diese Zeitumstellung jammern. Es ist anstrengend, es ist falsch, sie sind tagelang fertig und so weiter. Für mich sind diese Reaktionen zum Haare raufen…

 

Ich frage mich dann jedes Mal, wovon bitte sind sie fertig? Ich selbst stelle abends die Uhr um und wenn ich morgens aufstehe, habe ich es schon vergessen, dass es am Tag vorher anders war. Ok, ich bin jemand der zu jeder Tageszeit schlafen kann, der schlafen kann, wenn es hell und wenn es dunkel ist, der schlafen kann, wenn das Bett weich ist und wenn es hart ist, wenn es warm und ist und wenn es kalt ist. Das erleichtert vielleicht den Umgang damit.

 

Aber ich glaube noch mehr erleichtert es mir den Umgang damit, dass ich mir keine Gedanken über etwas mache, das ich nicht beeinflussen kann. Es ist - Punkt!

 

Der von vielen geschätzte Eckhard Tolle hat einmal gesagt: „Wenn deine Aufmerksamkeit völlig auf das Jetzt gerichtet ist, dann ist es unmöglich ein Problem zu haben.“

 

Also gilt es nicht über die Zeitumstellung zu meckern, sondern sich anzustrengen ins „Jetzt“ zu kommen und das ist keine leichte Aufgabe, da gebe ich allen Recht.

 

Also: am kommenden Wochenende habt ihr eine gute Gelegenheit zu trainieren, wie ihr ins „Jetzt“ kommen könnt und die Zeitumstellung wird passieren, ohne das ihr es groß bemerkt. Probiert es aus…

 

Energie

Viele Menschen und gerade hochsensible Menschen beklagen sich gerne und oft darüber wieviel Energie der ganz normale Alltag, die Begegnung mit Menschen  oder der Job kosten.

 

Ich stehe dann immer da und wundere mich, frage mich: Wie kann das passieren? Woher kommt denn die Energie, die wir zur Verfügung haben und wer oder was raubt uns diese Energie.

 

Ich habe nie die Vorstellung, dass ich in mir quasi ein Energiereservoir habe, aus dem ich schöpfen kann und das irgendwann zu Ende ist, im Gegenteil, ich schleppe das nicht mit mir herum. Wenn das so wäre, dann hätten wir ja alle eine Bestimmung Menge zur Verfügung gestellt bekommen, die irgendwann endet, offensichtlich vor unserem Tod bereits. Ist das so?

 

Ich habe viel mehr die Vorstellung, dass ich wie eine leere Hülle bin, in diedie Energie des Universums hinein fließt und die auf der anderen Seite von mir verwandt wird, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Diese Energie steht unendlich zur Verfügung und ich kann davon so viel abzapfen wie ich will, sie endet niemals. Immer wenn ich gut verbunden mit bin mit dem Universum klappt das ganze wunderbar, es fließt und fließt und fließt.

 

Ganz manchmal stehe ich quasi auf dem Schlauch, blockieren Ängste den freien Fluss dieser Energie, fließt gar nichts, genau dann wird es anstrengend. Das bedeutet aber doch, dass ich mich nicht darum kümmern muss, die verloren gegangene Energie wieder aufzufüllen sondern ich muss mich darum kümmern angstfrei, gut verbunden zu sein, damit der alles fließen kann. Denn wenn alles fließt ist es einfach und ich bin in der Lage ganz viele Dinge mit Freude und Schwung zu erledigen.

 

Ach ja, hab ich schon erwähnt, dass viele Menschen mich fragen. „Woher nimmst du bloß diese ganze Energie?“ - ihr kennt die Antwort jetzt.

 

Facebbook-Enttäuschung

Wie angekündigt, diese Woche etwas über meine persönliche Facebook- Enttäuschung.

 

Ab und zu poste ich bei Facebook Fundstücke, die ich interessant, lustig oder zum Nachdenken finde. Ich poste auch Dinge, wo ich in der Presse aufgetaucht bin, Eigenes, auf das ich stolz bin.

 

Meine Erfahrung ist, dass die Dinge auf die ich so richtig stolz bin, die mein Herz hüpfen lassen, nur wenig Resonanz erzeugen, Dinge die dagegen völlig belanglos sind eine Hype auslösen.

 

Poste ich ein Urlaubsbild mit den eigenen Füßen im Meer gibt es 48 Likes, poste ich einen Artikel von mir, der veröffentlicht wurde, gibt es 2 Likes…..

 

Ich stehe dann da und schlucke. Frage mich, eh Leute, habe ihr es nicht verstanden, was dort steht, ist es euch egal, habt ihr keine Zeit den Artikel zu lesen oder was ist los.

 

Ich weiß es nicht, ich habe bis heute keine Erklärung gefunden.

 

Wenn ich jetzt dem nachspüre, was ich letzte Woche geschrieben habe, mein Bedürfnis, meiner Sehnsucht nachgehe, dann stelle ich fest, ich möchte einfach Wertschätzung für meine intellektuelle Leistung und nicht für meine Füße.

 

 

 

Enttäuschung

 

In diesen Tagen ist mir ein spannendes Buch begegnet: „Die Kunst die Eltern zu enttäuschen“ von Michael Bordt SJ.

 

In diesem Buch geht es um die Enttäuschungen, die wir alle erleiden im Leben. Situationen, die wir falsch eingeschätzt haben, Menschen, die uns mit ihrem Verhalten enttäuschen. Und es geht um den Wert, den diese Enttäuschungen für uns haben.

 

Manch einer fragt sich jetzt vielleicht „Wert?“, warum sollte eine Enttäuschung einen Wert haben.

 

Der Autor schreibt: “Enttäuschungen sind ein geradezu perfektes Übungsfeld für eine feinere Selbstreflexion  und Selbstwahrnehmung“ Jede Enttäuschung ist ein Hinweis auf unsere unbewussten Wünsche und Sehnsüchte, die sich eben in einer bestimmten Situation, mit einem bestimmten Menschen nicht erfüllt haben.

 

Wir alle sehen die Welt so wie wir selber sind. Sind wir ein verlässlicher, vertrauenswürdiger, verschwiegener Menschen gehen wir davon aus, dass unser Gegenüber es auch ist. Treffen wir dann auf einen egozentrischen, selbstsüchtigen, geschwätzigen Menschen laufen wir Gefahr von ihm betrogen zu werden, weil wir unbewusst unserem Bedürfnis und unserem Verständnis von angemessenem Verhalten folgen und nicht in der Lage sind, realistisch hinzuschauen und den anderen in seinem So-Sein  zu erkennen, um dann gegebenenfalls Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

 

Enttäuschung hat also in erster Linie mit uns selber zu tun und wir sind gut beraten in solchen Momenten nicht auf den Verursacher zu schimpfen und bei uns selbst zu schauen. Hinzuschauen, welches Bedürfnisse hatte ich eigentlich in dem Moment, wonach sehne ich mich. Wenn ich diese Bedürfnisse und Sehnsüchte für mich geklärt habe, dann bin ich beim nächsten Mal besser geschützt vor einer möglichen Enttäuschung.

 

Und nächst Woche erzähle ich von meiner Facebook-Enttäuschung ….

 

Die Reise

 

Eines Tages wusstest du endlich,
was zu tun war, und hast begonnen,
obwohl die Stimmen um dich herum
dir weiter ihren schlechten Rat zuriefen -
obwohl das ganze Haus
zu zittern begann
und du wieder spürtest
wie etwas an deinen Knöcheln zog.
"Mach mein Leben besser!"
riefen sie alle.

 

Aber du bist nicht stehen geblieben.
Du wusstest, was du zu tun hattest,
obwohl der Wind
mit seinen steifen Fingern
an den tiefsten Fundamenten rüttelte,
obwohl ihre Trauer
so schrecklich war.
Es war schon spät
genug, und eine stürmische Nacht,
und der Weg war voll von herabgefallenen
Zweigen und Steinen.

 

Aber Schritt für Schritt,
während du ihre Stimmen hinter dir ließest,
begannen die Sterne
durch die Wolkendecke zu glühen,
und da war eine neue Stimme,
die du langsam
als deine eigene erkanntest,
die bei dir blieb,
als du tiefer und tiefer
in die Welt gingst,
dazu bestimmt,
das einzige zu tun, was du tun konntest -
dazu bestimmt,
das einzige Leben zu retten, das du retten konntest.

Mary Oliver

 

Kinder

 

„Warum sitzt du da drin?“ - große, fragende Kinderaugen blicken den Mann im Rollstuhl an.

 

Seine freundliche Antwort: „ Weil ich nicht laufen kann?“

 

 „Warum kannst du nicht laufen?“

 

„ Weil ich kein Gefühl in den Füßen habe?“

 

Erneuter erstaunter Blick: „Warst du schon beim Doktor?“

 

Das Gespräch läuft noch eine Weile so weiter und ich denke mir im Stillen: Da kann man den Neuronen beim Wachsen zusehen, denn es ist völlig klar, dass es im Kopf des kleinen Mädchens stark arbeitet und sie versucht alle diese Informationen in ihr bisheriges Weltbild einzuordnen, dass sie heute etwas neues lernt, eine neue Erfahrung macht. Wie schön.

 

Eine Mama, die das geschehen lässt, die nicht eingreift und das Kind zurückhält mit Worten wie „Das fragt man doch nicht, lass das bitte“. Sondern eine Mama, die ihr Kind seine kindliche Neugierde befriedigen lässt, die spürt, dass der Mann im Rollstuhl erfreut und nicht genervt ist von diesem Gespräch. Der Mann freut sich über die kindliche Neugier und wird nicht müde alle ihre Fragen kindgerecht zu beantworten.

 

Und ich denke mir, wie schön. Dieses Gespräch hat zwei Menschen glücklich gemacht, Einen ganz jungen, der seinen Erfahrungshorizont erweitern konnte und einen älteren, dem ein schöner Moment des Kontaktes geschenkt wurde. Mehr davon….

 

Vertrauen?

Unser Leben scheint immer komplizierter zu werden.

 

Eine Vielzahl von Informationen strömt täglich auf uns ein, so viele, dass sie gar nicht alle verarbeitet werden können.

 

Das tägliche Leben unterliegt nützlichen und vielen sinnfreien Regeln und Verordnungen, die uns das Leben schwer machen und es vor allem einengen.

 

Wir trauen uns nicht mehr eine Entscheidung zu treffen, denn die zieht unweigerlich ein Haftungsrisiko nach sich.

 

Aber wie sage schon Erich Kästner: „ Leben ist immer lebensgefährlich“.

 

Keine ISO Norm und keine gesetzliche Regelung können dieses Risiko abstellen. In meinen Augen können sie es nicht einmal minimieren sondern schaffen Risiken an anderer Stelle und wiegen die Menschen in trügerischer Sicherheit.

 

Ich frage mich immer, braucht es eigentlich Vorschriften und Regeln, wenn alle Menschen verantwortungsbewusst ihre Aufgabe erfüllen?

 

Das würde doch zwangsläufig beinhalten, dass Lebensmitteltechniker keimfreie Ware herstellen, Ärzte ausschließlich das Wohl ihrer Patienten berücksichtigten, Berater immer die Interessen ihrer Klientel im Auge hätten.

 

Aber was brauchten wir, um dahin zu kommen? Wie müssten wir unsere Kinder erziehen und schulen, damit sie verantwortungsbewusst mit sich und der Umwelt umgehen lernen und die Welt zu einem bessren Ort machen.

 

Ich glaube wir wären gut beraten unser Schulsystem umzukrempeln und mehr Fächer wie Intuitionsschulung, Lösungsstrategien und Kommunikation zu implementieren. Werdende Eltern zu schulen, dass das Zauberwort in der Erziehung: „Vertrauen“ und nicht „Kontrolle“ heißt. Kinder dahin zu bringen Konsequenzen ihres Handelns zu erfahren und dann frei zu entscheiden, welchen Weg sie weiter verfolgen wollen.

 

Auf das unsere Welt geprägt wird von offenen Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig vertrauen (können).

 

Ich träume davon…..

 

Der 60.

Der 60. Geburtstag einer Freundin, große Runde am Tisch.

 

Ich treffe zum ersten Mal Menschen mit denen die einzige Gemeinsamkeit das Geburtstagskind ist.

 

Ein Mann in der Runde zieht die Aufmerksamkeit mit Bemerkungen auf sich, die er augenscheinlich für boshaft  und interessant hält. Ich bin ein wenig irritiert, denn in seinen Augen fehlt das Glitzern, das normalerweise solche Bemerkungen begleitet.

 

Es entspinnt sich mit den am Tisch anwesenden Ärzten eine Gespräch über das Krankenkassensystem.

 

Es wird lebhaft diskutiert, dieser Mann wirft immer wieder energisch vorgetragene Behauptungen wie „ Es gibt eben nur einen Kuchen, der verteilt werden kann!“ in den Raum, aber er diskutiert nicht wirklich.

 

Diskussion, das beruht auf dem lat. „discutere“  und bedeutet untersuchen, erörtern, besprechend erwägen. Von Erwägen kann hier nicht die Rede sein, denn er ist in seiner Meinung unerschütterlich und augenscheinlich nicht bereit, auch nur einen winzigen anderen Gedanken zuzulassen.

 

Ich liebe Diskussionen und gerate dabei sogar manchmal in eine Situation in der mein Temperament mit mir durchgeht. Ich bin durchaus in der Lage mich in Diskussionen durchzusetzen - fragt mal meine Kinder…

 

Hier nicht, im Gegenteil, ich werde innerlich ruhiger und ruhiger, wie erstarrt, meine Schlagfertigkeit, meine Denken, dass eigentlich immer ein neues Argument finden kann, scheint mich zu verlassen. So, als würde ich von der inneren Haltung dieses Mannes erfasst. Starr und ohne Variationsmöglichkeit.

 

Erstaunt registriere ich diesen „Anfall“ und weiß, ja so geht es einem, wenn man hochsensitiv ist, dann springen die Spiegelneurone besonders schnell und besonders intensiv an. Das bin gar nicht, die jetzt nicht agieren kann, das ist der arme Kerl mir gegenüber …..

 

Synchronizität

Diese Woche bin ich auf einen interessanten Artikel des Autors und Coach Luca Rohleder gestoßen. Er kann nachgelesen werden unter: https://www.evidero.de/angeborene-oder-erworbene-hochsensibilitaet

 

Er schreibt dort: Bereits die fernöstlichen Religionslehren haben schon vor Tausenden von Jahren erkannt, dass nur die Synchronität beider Körperhälften zum sogenannten „Inneren Frieden“ und damit zu Lebensfreude führt. Je extremer also eine psychische Einseitigkeit ausgeprägt ist, umso schlechter können Alltagsherausforderungen bewältigt werden.

 

Ich habe gedacht: „Oh ja, was erzähle ich denn die ganze Zeit!“ und mir wurde bewusst, dass ich in vielen, vielen Momenten beide Hirnhälften gleichzeitig nutze: fühlen und gleichzeitig analysieren, denken und gleichzeitig spüren, was gerade notwendig ist.

 

Für mich ist dieser Zustand normal und wieder und wieder versuche ich Menschen, die sich ausschließlich auf der fühlenden Seite befinden, dazu zu bewegen, ihren Kopf ab und zu mal einzuschalten oder die Analytiker doch bitte mal in die Situation reinzufühlen. Oft genug ernte ich auf beiden Seiten massiven Widerstand, die Behauptung “Das geht nicht“ ist Standard bei den Sensibelchen und „Was soll das denn bewirken“ bei den Analytikern. Ich frage mich dann immer, wie das sein kann. Schließlich besitzen auch die überwiegend fühlenden Menschen eine linke Hirnhälfte, die sie sprechen, rechnen und ordnen lässt und die Kopfmenschen zeigen durchaus Gefühle. Die nicht genutzte Hirnhälfte ist halt nur ein bisschen untrainiert bei diesen Menschen und bedarf eines leichten Aufbautrainings. Das muss man natürlich beginnen wollen.

 

Vielleicht ist es einfach bequemer sich diesem Training zu verweigern. Bequemer vielleicht, aber nach der Aussage von Herrn Rohleder und nach meiner ganz persönlichen Erfahrung macht es nicht unbedingt glücklicher.

 

Im Gegenteil: wir sind dann im inneren Frieden, den sich so viele Menschen wünschen, wenn wir unser Gehirn synchron arbeiten lassen.

 

Muss ich noch erwähnen, dass ich ein grundoptimistischer Mensch bin, der viele Herausforderungen des Alltags schneller, kreativer und zufriedenstellender bewältigen kann als viele andere. Mir war allerdings bislang nicht klar, dass es (auch) am Zusammenspiel meiner Hirnhälften liegt. Wie schön, jetzt habe ich ein Argument, wenn andere mir nicht folgen können …..

 

Frosch

Freibad, es ist früh morgens. Die üblichen Frühschwimmer ziehen ihre Bahnen. Überwiegend ältere Menschen jenseits der 60, wie immer mehr Frauen als Männer.

 

Plötzlich Gequieke am Beckenrand, ein einsamer kleiner Frosch hat sich ins Wasser verirrt und hüpft nun leicht verwirrt durch die Ablaufrinne.

 

Die Frauen quietschen und schauen hilflos auf den armen kleinen Kerl. Ein älterer Mann schwimmt ruhig und besonnen in Richtung des Dramas, packt beherzt den Frosch und setzt in auf den Beckenrand. Erleichterung macht sich breit. Die Damen strahlen ihn. Bemerkungen wie „Gut, dass wir euch Männer haben!“ fallen und das Geschehen tut dem mutigen Schwimmer spürbar, sichtbar gut.

 

Als ich ihm auf meiner Schwimmbahn begegne, lächle ich und sage: „Na, der Tag ist ja wohl gerettet heute - bei dem Start“. Er grinst und antwortet: „Jau, könnte öfter passieren“

 

Ich schmunzle in mich hinein und freue mich, dass die Muster „Frau hilflos, Mann rettet“ offensichtlich in jedem Alter funktionieren und trotz aller Emanzipationsbewegungen das Leben einfach lustig und froh machen.

 

Lasst es euch gut gehen - mit oder ohne Frösche.

 

Warmer Milchbrei

Häufig gibt es Unverständnis oder schlimmstenfalls sogar Ärger, wenn z.B. eine hochemotionale Person auf eine eher nüchterne Kopf- gesteuerte Person trifft. Nach meiner Erfahrung sind hochemotionale Menschen zutiefst davon überzeugt, dass Emotionen das Wichtigste im Leben sind, dass sie uns steuern, wir ihnen hilflos ausgeliefert sind und das jeder, der sie vielleicht besser im Griff hat, entweder seine Emotionen verdrängt oder gleich gar keine hat und beides ist auf jeden Fall nicht wünschenswert.

 

Ist es das?

 

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn alle Menschen nicht in der Lage wären ihre Emotionen zu steuern. Wenn alle Menschen sich und ihre Umwelt in Gefühle einhüllen würden?

 

Für mich wäre es dann ein bisschen wie „in warmen Milchbrei“ greifen. Dieser Milchbrei quillt durch die Finger und es gibt nichts zum Festhalten, keine Klarheit, Ordnung und Struktur.

 

In manchen Momenten des Lebens aber ist Klarheit, Ordnung und Struktur mehr als wünschenswert. Die Klarheit ein Ziel auch gegen Widerstände zu erreichen, eine Ordnung herzustellen, die auch erfordern kann, loszulassen von Dingen, die stark emotional besetzt sind. Dem Leben Struktur zu geben und nicht wie warmer Milchbrei formlos dahin zu fließen.

 

Leben ist immer von Polarität bestimmt: oben und unten, davor und dahinter, gut und schlecht, Herz und Kopf.

 

Gut, dass wir die Fähigkeit haben zwischen Herz und Kopf hin und her zu wandern.

 

Die innere Bühne

In jedem von uns, wohnen die verschiedensten Anteile, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Vordergrund treten.

 

Da gibt es den empfindlichen, mitfühlenden Teil, der an den Schmerzen der Welt leidet, es gibt den nüchternen, klaren Kopf-Teil, der auch mal fordernd, schneidend und kalt sein kann.

 

Es gibt die Geliebte, den Geliebten in uns, der das Gegenüber umgarnt, flirtet, Erotik auslebt. Es gibt aber auch den Krieger, der sein Schwert zückt, um unsere Interessen zu verteidigen, der rücksichtlos über die Interessen von anderen hinweggeht.

 

Es gibt das freie innere Kind, das selbstvergessen spielt und fröhlich durch das Leben hüpft, immer bereit für ein neues Abenteuer. Aber es gibt auch das ängstliche Kind in uns, das vor jeder Herausforderung zurückschreckt, das sich gerne hinter Menschen versteckt, von denen es glaubt, dass sie ihm Sicherheit bieten.

 

Es gibt den Narren in uns, der gerne mal das Unterste nach oben kehrt und allen Angebern den Spiegel vorhält. Und es gibt natürlich auch den König oder die Königin in uns, die auf dem Podest stehen möchte, gehuldigt werden will und die Marschrichtung vorgibt.

 

Und es gibt noch viele andere Anteile, die sich ab und zu bemerkbar machen.

 

Wenn wir gesund sind, sind wir in der Lage in jedem Augenblick, frei zu entscheiden, welcher Anteil in dem Moment nach vorne treten soll.

 

In Gehaltsverhandlungen macht es Sinn, den König und die Kriegerinnen agieren zu lassen, während ein romantischer Abend in die Hände der Geliebten, des mitfühlenden Teils und des freien Kindes gelegt werden sollte.

 

Schwierig wird es immer dann, wenn die einzelnen Anteile zum falschen Zeitpunkt auftauchen. Wenn der mitfühlende Teil den Geschäftsalltag bestimmt oder der Krieger am romantischen Abend auftaucht.

 

Ich mache die Erfahrung, dass es viele Menschen gibt, die sich auf einige Anteile fokussieren und dann meinen, es sei notwendig oder normal immer im mitschwingenden, empfindsamen Teil zu sein oder dass es normal sei, permanent im Kopf zu sein. Diese Menschen machen dann gerne anderen Menschen, auf deren Lebensbühne eine andere Hauptperson agiert, den Vorwurf irgendwie nicht richtig zu sein.

 

Dabei sind sie es, die einem bestimmten Anteil ihres inneren Ensembles das Recht verweigern, aktiv zu sein. Wie schade.

 

Solch ein Verhalten macht krank auf Dauer, zurückgehaltene Krieger machen depressiv, nicht entwickelte freie Kinder, machen ängstlich und starr und eingesperrte Narren führen dazu, dass sie uns im Außen begegnen und wir überproportional häufig in peinliche Situationen geraten, so als hätte uns jemand ein Bein gestellt.

 

Also, machte euch auf die Suche nach euren unterschiedlichen Anteile und lasst sie alle an eurem Leben teilhaben. Es lohnt sich!

 

 

Sommer

Für den Fall, dass es irgendjemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Es ist heiß, richtig heiß in Deutschland. Und ja, wir alle sind nicht so richtig daran gewöhnt und dem einen oder anderen setzt die Hitze zu und er oder sie muss gut auf sich aufpassen und fühlt sich gerade nicht so wohl. Das ist verständlich.

 

Dieser Zustand lässt sich allerdings aktuell durch nichts und niemand verändern und es wird nicht besser, wenn ich morgens aufwache und beginne meine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es schon 24 Grad am frühen Morgen sind und der Tag bestimmt richtig anstrengend werden wird. Ablehnung und ängstliche Befürchtungen breiten sich aus.

 

Ich denke immer, dass es gut ist, Zustände, die sich nicht verändern lassen, einfach hinzunehmen, ihnen keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken, einfach so weiter zu machen wie immer. Ok, vielleicht nicht gerade in der Mittagshitze joggen zu gehen oder das Trinken zu vergessen. Wenn ich ein gutes Körpergefühl habe, mache ich das automatisch, ohne darüber nachzudenken.

 

Ich beginne gerne mal schriftlich zu rebellieren wenn im Moment zum x-ten Mal gepostet wird: „Leidet ihr auch so unter der Hitze“ und bekomme dann erboste Antworten, die meinen die Aufforderung, einen anderen Blickwinkel einzunehmen sei belehrend. Ist es das?

 

Ok, ich gestehe, dass ich in diesem Punkt vielleicht ein bisschen extrem reagiere. Aufgewachsen mit einer Mutter, die Temperaturen um die 20 Grad liebte und bei Temperaturen ab 25 Grad nicht mehr wusste, wie sie den Tag überstehen sollte. Alle Jalousien runter lies, die Fenster schloss und uns Kinder aufforderte, uns bloß nicht zu viel zu bewegen. Und das mir, die es nicht leiden kann, wenn es in Räumen dunkel ist, die die Sonne mag und keine Probleme auch mit hohen Temperaturen hat und die es zudem nicht leiden kann, einen Aufstand um Dinge zu machen, die nicht zu ändern sind. Es war schwierig und führte mehr als einmal zu meistens ergebnislosen Diskussionen.

 

Lange Rede kurzer Sinn: Ja, Menschen verkraften die Hitze unterschiedlich gut und nein, es wird auf keinen Fall leichter, wenn dieses Unwohlsein durch ablehnende Äußerungen befüttert wird.

 

Genießt den Sommer, der nächste Winter kommt bestimmt…..

 

Frei-Raum

Manchmal bin ich verzweifelt, verzweifelt über mir unbegreifliche Reaktionen  der lieben Mitmenschen.  Verzweifelt über die Neigung vieler Menschen, sich abzugrenzen, Besitz für sich zu reklamieren, nicht zu teilen.

 

Irgendwie fehlt mir dieses Besitz-Gen. Dieses Bedürfnis zu behaupten: „Das ist meins“ kenne ich nur sehr eingeschränkt. Ich teile mein Auto, meine Räume, mein Essen….

 

Ich sehe kein Problem darin, Dinge, die sich gerade in meinem Besitz befinden, auch anderen zur Verfügung zu stellen, wenn sie sie benötigen.

 

Wem nutzt das Auto, wenn es nutzlos vor der Tür steht. Welchen Sinn machen Räume, die gerade leer stehen?

 

Meine Kinder haben bei ihren Mitschülern Erstaunen geerntet, wenn sie erzählt haben, dass wir in unserer Familie immer eine Lösung gefunden haben, wenn 5 Menschen zwei Autos nutzen wollten. Eine Lösung, die alle zufrieden gestellt hat. In der Familien der Mitschüler hieß es von Mama: „ Das ist meine Auto, ich brauche das heute noch!“

 

Ganz ehrlich, das ist mir zu einfach! Mit Intelligenz und Kreativität lässt sich immer eine Lösung finden, damit wie in diesem Fall alle in den Genuss des Autos zur richtigen Zeit kommen.

 

Ich teile mir Praxisräume mit einer Kollegin. Jeder hat seinen eigenen Bereich, aber es ist für mich völlig selbstverständlich, dass jeder von uns im Fall der Fälle auf alle vorhandenen Räume zugreifen kann und bin jedes Mal geschockt und sehr enttäuscht, wenn das von der anderen Seite nicht so gesehen wird. Für mich fühlt es sich dann nach kompletter Ablehnung, nicht ernst genommen an. In solchen Momenten erstarrt alles, nix fließt mehr. Wie schade!

 

Ich kann und will nicht verstehen, warum Menschen darauf beharren, dass Dinge, die ihnen gehören, von anderen nicht benutzt werden dürfen, selbst wenn sie diese gerade nicht brauchen.

 

Wie einfach könnte das Leben sein, wenn wir aufhören würden, Grenzen zu ziehen?

 

Was wäre wenn?

Der Songtext „Das falsche Pferd“ von Bodo Wartke beginnt mit den Worten:

 

Stell dir vor wir Menschen würden von nun
an nur noch Dinge tun die wir wirklich gerne tun,
sprich aus Liebe handeln und fortan
all das lassen was wir hassen
Was wäre dann?

 

Ja, was wäre dann, wir alle nur noch unserem Herzen folgen, uns verabschieden von Sätzen wie „Das geht doch nicht“ oder „Ich muss ja“?

 

Was wäre, wenn wir keine anerzogen Begrenzungen mehr im Kopf hätten und frei, voller Freude agieren würden. Uns nicht von ökonomischen Zwängen verführen liesen, Dinge zu tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen?

 

Es gibt ja Menschen, die behaupten, dass ohne Druck nichts passieren würde, dass nur der Mangel uns treibt, produktiv zu werden.

 

Ich glaube das nicht. Ich glaube, wenn wir Räume öffnen würden, dass dann die Menschen ihre innere Motivation entwickeln könnten, die sie mit Freude und Energie Aufgaben bewältigen lässt.

 

Ich glaube, dass dann alles in Fluss kommen könnte, das jetzt durch Druck und Begrenzungen zum Stocken kommt, dass wir alle viel kreativer und erfolgreicher wären, wenn jeder seinem Herzen folgen könnte.

 

Dem Herzen folgen heißt aber zunächst, das eigene Herz überhaupt zu fühlen und zu hören. Viele Menschen, vermutlich zu viele haben aufgrund tatsächlicher oder nur angenommener Zwänge, den Kontakt zum eigenen Herzen abgebrochen. Hören gar nicht mehr, was es ihnen sagen will….

 

Der erste Schritt ist also: Anfangen, dem eigenen Herzen zu lauschen . heute!

 

Das Lied von Bodo Wartke endet mit den Zeilen:

 

Ich glaube, dass ist echt das Schönste was es gibt

 

Wenn man das was man tut, leidenschaftlich liebt.

 

Man tut damit sich nicht nur selbst einen Gefallen

 

sondern, letzten Endes, allen.

 

Vermutlich sagen Sie, dass funktioniert doch nie

 

Na, ihre Hirngespinste, reine Utopie

 

Wenn alle täten was sie lieben, wo kämen wir denn da hin

 

Das hat doch alles überhaupt gar keinen Sinn

 

Wir unterwerfen uns lieber weiterhin dem Joch

 

Denn das kann ja gar nicht klappen...

 

...was wenn doch?

 

...was wenn doch?

 

Ja, was wenn doch?

 

Enkeltöchter

Ich habe zwei Tage Urlaub gemacht, meine Enkeltöchter besucht.

 

Wunderbar…

 

Meine Enkeltöchter sind 4 und 1,5 Jahre alt. Ich konnte einfach mal wieder eintauchen in die Zauberwelt kleiner Kinder. Habe mir Geschichten von fliegenden Pferden und verzauberten Prinzessinen erzählen lassen und phantasiebegabt wie ich bin, habe ich sie vor mir gesehen und konnte ganz geschmeidig eintauchen in diese Kinderwelt.

 

Ich habe mal wieder beobacht wie Kinder sich Sprache erobern und wie sie sich ausprobieren, beim Klettern und Schaukeln und beim Schwimmen. Bei einem motorisch begabten Kind wie es meine Enkeltochter es ist, kann Oma da schon mal der Atem stocken. Aber Oma war brav, sie hat es geschafft, sich zurück zu halten und das Kind einfach nur beobachtet, weil die Erkenntnis kam, sie schafft das.

 

Ich konnte beobachten, wie sie sich soziale Kompetenz erobern, ihre Eltern testen und versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen und Rollen einzuüben. Und wie schön es ist, wenn da kompetente Eltern sind, die einerseits deutlich Grenzen setzen, eine Auseinandersetzung aushalten und andererseits ganz viel Freiraum zum Ausprobieren und Lernen geben.

 

Der Einjährigen erlauben, das Essen mit dem Löffel einzuüben, was natürlich aktuell nicht ohne Kolateralschaden abgeht. Oder der 4-jährigen erlauben wütend zu sein und sie anschließend liebevoll zu trösten. Eltern, die aber auch ganz klar machen, dass bestimmte Dinge nicht erlaubt sind und dass das auch nicht diskussionsfähig ist.

 

Kinder zu erleben, die sich einerseits voller Urvertrauen die Welt erobern und andererseits bereits Regeln kennen, an die sie sich (meistens) halten.

 

Glückskinder!

 

Ich wünsche mir, dass alle Kinder dieser Welt diese Chance bekommen!

 

Theorien

Presseartikel diese Woche: Meine Heimatzeitung titelt: „Wer nachgibt ist der Dumme!“

 

Angeblich haben Wissenschaftler festgestellt, dass Menschen, die in Verhandlungen nachgeben am Ende die Dummen sind. So wird es in den ersten Zeilen suggeriert, liest man den Artikel aber weiter, dann heißt es, dass das nur gilt, wenn man ökonomische Ziele verfolgt. Verfolge man dagegen soziale Ziele, dann sei es besser nachzugeben.
Als geneigter Leser steht man dann ziemlich fassungslos vor solch einem Erguss.

 

und fragt sich, welche Schlüsse denn nun aus diesen Zeilen gezogen werden sollen?

 

1. Entweder man ist sozial oder man denkt ökonomisch!

 

2. Man ist nur dann schlau, wenn man ökonomische Ziele erreicht!

 

3. Gemeinschaft leben und ökonomisch handeln sind zwei entgegen gesetzte Ziele.

 

Ist das wirklich so?

 

In der gleichen Woche erscheint bei spiegel-online ein Artikel zum Thema:

 

„Aufstiegsverweigerer“, in dm darüber philosophiert wird, warum so viele junge Menschen nicht mehr daran interessiert sind Karriere zu machen.

 

 

 

Könnte das eine etwas mit dem Anderen zu tun haben?

 

Das gibt es eine Generation, die erlebt hat, dass ihre erfolgreichen Eltern in den Momenten, die ihnen in ihrer Kindheit wichtig waren, nicht präsent waren. Eine Jugend, die erlebt hat wie gestresst, ausgelaugt und entnervt ihre Eltern nach getaner Arbeit waren. Eltern, die sagten: „So ist das eben im Business, wenn man erfolgreich sein will, muss man hart sein“  

 

Warum sollten diese intelligenten jungen Leute auf die Idee kommen, das auch haben zu wollen?

 

Und? Ist das wirklich richtig - dieses „Wer nachgibt ist der Dumme?“

 

Bringt nicht gerade die Kombination aus sozialem und ökonomischem Verhalten langfristig den größeren Gewinn?

 

Ich finde die Zeit ist reif, propagierte Gesetzmäßigkeiten zum Wohle aller in Frage zu stellen. Steigende Zahlen psychischer Erkrankungen sprechen eine deutliche Sprache.

 

Wir sind auf dem falschen Weg, wenn wir Ökonomie zum Maß aller Dinge machen.

 

Und was glaubt ihr?

 

 

 

 

 

 

 

Zeugnisse

Dies ist die Zeit, in der zumindest in NRW die Schüler und Schülerinnen ihr Abiturszeugnis erhalten. Da gibt es Zeugnisse mit denen Schüler, Eltern und Lehrer zufrieden sind, Zeugnisse über die alle erfreut sind und Zeugnisse, deren Botschaft darin besteht: Du hast es geschafft!

 

Da wird über Zensuren diskutiert  und auch lamentiert. Da werden Schüler und Schülerinnen ausgezeichnet für besondere Leistungen - meistens nur im kognitiven Bereich. Ich freu mich deshalb  immer besonders, wenn auf der Abi-Entlassung auch besonderes soziales Engagement ausgezeichnet wird.

 

Es kommt mir so vor, als ginge bei der Lobhudelei über die erzielten Ergebnisse der Blick auf das Wesentliche verloren - denn sind die Zensuren das Wesentliche beim Erlangen der Hochschulreife? Gilt es nicht eigentlich den Einsatz zu würdigen den die jungen Menschen, die Lehrer und Lehrerinnen und manches Mal auch die Eltern über die Jahre erbracht haben? Die Tränen, die geflossen sind, der Frust der ausgehalten wurde, der Mut, sich immer wieder aufs Neue anzustrengen, die Kraft nicht einfach aufzugeben? Vermutlich haben gerade die Schüler und Schülerinnen, deren Zeugnis nicht mit Bestnoten glänzt, hier mehr Punkte geholt als diejenigen deren Durchschnittsnote eine 1 vor dem Komma aufweist.

 

Dazu gehören in besonderem Maße auch die Hochsensiblen, die mit ihrer Art zu sein immer wieder an die Grenzen unseres starren Schulsystems stoßen. 

 

Ein Schulsystem, das von Anfang an das Ergebnis in den Vordergrund stellt und nicht die Erfahrung.

 

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht wie Zeugnisse aussehen könnten, wenn die Bereitschaft neue Erfahrungen zu machen und die Fähigkeit in unbekannten Situationen eine Lösung zu finden bewertet würde?

 

Gelassenheit

 

Ganz ehrlich, manchmal komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus…

 

Staunen darüber wie Menschen dem Leben begegnen, wie schwer sie es sich selber machen.

 

Da wird gestöhnt und gejammert, geschimpft und protestiert. Mit Vorliebe darüber, dass die Umwelt der betreffenden Person mal wieder das Leben schwer macht. Das die Menschen nicht so sind wie man sie gerne hätte, zu rücksichtslos, zu laut, zu unsensibel.

 

Ich werde in solchen Momenten immer an meinen damals vier-jährigen Sohn erinnert, der mir in einem zornigen Moment erklärte: „ Ihr macht immer alle, dass ich weinen muss!“

 

Mit vier Jahren darf man die Welt so sehen, aber ist das mit dreißig, vierzig oder sechzig auch noch angemessen? Ist es angemessen mich in die Rolle des lauthals brüllenden Kleinkindes zu begeben, dass mit den Unzulänglichkeiten dieser Welt noch nicht umgehen kann?

 

Ich finde nein, finde, das ist Energieverschwendung. Die Energie, die ich für den Widerstand in dieser Situation aufwende, die ich aufwende um zu jammern oder zu schimpfen, könnte ich viel besser nutzen, um die Situation zu meinen Gunsten zu verändern oder um zumindest ruhig und gelassen zu bleiben.

 

Ja, Gelassenheit ist das Zauberwort und Gelassenheit entwickelt sich aus der Art zu denken.

 

Urteile und verurteile ich schnell oder bin ich eher der Beobachter, der den Dingen im Außen neutral gegenüber steht. Weiß ich, dass es lediglich an meiner Bewertung einer Situation liegt, ob ich mich aufrege oder weiß ich das nicht?

 

Reinhold Niebuhr, amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler hat gesagt:

 

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“

 

Dem ist nichts hinzuzufügen….

 

 

Lob

Ihr arbeitet an einer Aufgabe, kniet euch rein, gebt alles, sprudelt vor Ideen und dann, dann kommt keinerlei Resonanz. Niemand spricht ein Lob aus oder teilt euch mit, wie es ihm mit eurer Arbeit geht. Für euch fühlt es sich so an, als hättet ihr für die Katz gearbeitet.

 

Wie heißt es doch im Handwerker-Deutsch? Nicht gemeckert, ist genug gelobt…

 

Viele Chefs haben anscheinend keine Idee davon, wie es ihren Mitarbeitern geht, wie sehr Mitarbeiter ein anerkennendes Wort benötigen. Und wie einfach es wäre zu sagen: „Danke schön, gut gemacht!“.

 

Gerade wir Deutsche haben nie gelernt, uns und unsere Erfolge zu feiern. Amerikaner tun sich da ein bisschen leichter, sie können leichten Herzens Erfolge feiern. Jubeln sich gegenseitig mit einem „Great“ zu. Spannenderweise wird das in unseren Landen dann oft als oberflächlich abgetan.

 

Nein, das ist nicht oberflächlich, das ist absolut „Not“wendig, denn es wendet die Not des Einzelnen, nicht gesehen, mit seiner Leistung nicht gewürdigt zu werden.

 

Dabei ist es egal, ob es sich um eine objektiv großartige Leistung im Sinne von z.B. Vertragsabschluss, Projekt geleitet oder Maschine erfunden handelt  oder das Erledigen von Alltagsaufgaben, die Buchführung ordentlich gemacht oder das Büro sauber geputzt - alles verdient Anerkennung.

 

Es kann gar nicht genug gelobt werden.

 

Positiv wertschätzendes Feedback macht das Leben leicht, versucht es doch mal.

 

Ja, und manchmal kommt so ein Feedback völlig überraschend um die Ecke!

 

Ich schreibe jede Woche diesen Blog und in den meisten Fällen gibt es keinerlei Resonanz, das ist wie rufen in den Wind. Die Unsicherheit, gefällt es den Menschen oder gefällt es ihnen nicht, ist stiller Begleiter.

 

Und dann plötzlich und unerwartet sagt jemand: „Du ich sehe immer deine Videos, ganz toll was du erzählst - gefällt mir richtig gut!“

 

Das Herz macht einen kleinen Hüpfer, Freude …

 

Und schon ist es in der nächsten Woche viel leichter zu schreiben, beschwingt und einfach fließen die Worte nur so auf das Papier.

 

Es kann so einfach sein

 

Freibad-Junkie

Freibad-Junkie

 

Ich gestehe, ich bin ein Freibad-Junkie.

 

Sobald das Freibad Mitte Mai öffnet, springe ich in die Fluten, egal, ob es draußen 12 Grad oder 25 Grad sind, egal ob es in Strömen regnet oder die Sonne vom Himmel lacht. Lediglich Gewitter bremsen mich aus.

 

Das tue ich dann täglich bis das Freibad Mitte September wieder schließt. Von dem Moment an sehne ich mich nach Freibadsommer, ganz hart sind die Monate Oktober bis Januar, die Zeit bis zur Eröffnung scheint unendlich lang und kein Ende zu nehmen. Ab Februar kehrt die Hoffnung zurück, dass es ja bald wieder losgehen wird….

 

Ich setze Himmel und Hölle in Bewegung um die Zeit zu finden, meine Runden im Wasser zu drehen. Zur Not gehe ich morgens um 6.30 Uhr, falls der Zeitplan des Tages etwas anderes nicht möglich macht. Ganz, ganz selten passiert es einmal, dass die Zeit am Tag nicht ausreicht, um schwimmen zu gehen. Sehr schade!

 

Die älteste Dauerschwimmerin ist 93 Jahre alt und sie schwimmt täglich noch 200 Meter, sehr langsam, aber völlig eigenständig. Ich freue mich jedes Jahr, sie im Freibad wieder zu treffen, denn selbstverständlich ist das nicht.

 

Ich habe die Vorstellung auch mit 100 Jahren noch meine Runden dort zu drehen. Voraussetzung ist allerdings, dass es das Freibad dann noch gibt und es nicht irgendwelchen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen ist.

 

Schwimmen im kühlen Wasser, draußen, ist absolute Entspannung für mich. Die Bewegung, das Gefühl, wenn das Wasser am Körper entlang streicht, sich vom Wasser getragen fühlen, gesteigert wird das Gefühl natürlich wenn die Sonne den Rücken wärmt.

 

Das absolute Glücksgefühl ist es übrigens, in Schweden durch die einsamen Wälder zu fahren, einen See zu entdecken, sich auszuziehen und nackt im ca. 15 Grad kalten Wasser zu schwimmen - Glück pur.

 

Das nennt man wohl Leidenschaft!

 

Im Buch „Gespräche mit Gott“ gibt es den Satz: „Leidenschaft ist Gott in Bewegung“

 

Ich treffe Gott beim Schwimmen ….

 

Sonne

Sonne

 

Die Sonne scheint, Außentemperatur 30 Grad, bisschen ungewöhnlich für den Monat Mai, aber eben das aktuelle Wetter.

 

Die Menschen jammern „Es ist zuu warm!“ „Ich bin so schlapp!“

 

Ich denke dann jedes Mal: „Du lieber Himmel- warum ärgern sie sich über etwas, das eh nicht zu ändern ist!“

 

Ich bin mir sicher, hätten wir 15 Grad und Regen, wären sie auch am Schimpfen darüber, was das den eigentlich für ein Frühjahr wäre. Es ist nie richtig das Wetter, es trägt nie dazu bei, dass die Menschen sich glücklich fühlen. Entweder ist es zu warm oder zu kalt, zu regnerisch oder zu trocken - es gibt immer einen Grund.

 

Wie schön wäre es, wenn alle das Wetter einfach hinnehmen könnten, sich klaglos anpassen würden - leichte Kleidung anziehen, kühle Räume aufsuchen, wenn es ihnen zu warm ist und dicke Socken überstreifen, wenn es ihnen zu kalt ist.

 

Ich habe die Entscheidung getroffen, dem Wetter keinen negativen Gedanken zu schenken, mein Glück nicht von den Launen eines Wettergottes abhängig zu machen.

 

Zu tun, was ich tun möchte, unabhängig davon wie das Wetter ist. Das heißt für mich in den Sommermonaten, ich gehe jeden Tag, wenn es geöffnet ist, schwimmen im Freibad im Nachbarort, egal, ob es draußen 15 oder 30 Grad sind.

 

Ich laufe fast immer ohne Socken herum, weil ich Socken an den Füßen nicht leiden kann, ab Minus 7 Grad ziehe ich manchmal welche an.

 

Ich habe gute Laune auch wenn es draußen junge Hunde regnet.

 

Ich genieße das aktuelle Wetter, die Sonne scheint, es ist warm, helle Abende im Garten warten, das Leben wirkt bunt und fröhlich, ein bisschen Afrika-Feeling und ich bemühe mich, all die nervenden, negativen Äußerungen einfach mal zu überhören und weg zu lächeln….

 

Ihr könnt das auch - einfach mal anfangen

 

Blumenwiese

Menschen sind so unterschiedlich wie es die Blumen auf einer Sommerwiese. Da gibt es rote, gelbe, blaue und weiße Blüten, mit Blättern oder mit Dornen, lange und kurze Stängel. Alle sehen wundervoll aus und zusammen erfreut der Anblick unser Herz.

 

Wir wissen nicht, ob sich die Blumen untereinander gut verstehen, vermutlich tun sie es, denn sonst könnten sie nicht nebeneinander blühen, würden nicht wachsen und gedeihen.

 

Bei uns Menschen ist es ähnlich, auch wir schrumpfen, können uns nicht entfalten in Gegenwart von anderen Menschen, die uns nicht gut tun, mit denen wir uns nicht verstehen.

 

Sie nehmen uns das Licht und die Luft zum Atmen, verhindern, dass unsere Wurzeln sich ausdehnen können.

 

Pflanzen können ihren Standort nicht so einfach wechseln, sind dem Prozess ausgeliefert, aber wir Menschen können gehen, können Situationen verlassen, die uns nicht gut tun, müssen uns nicht von unserer Lebensenergie abtrennen lassen.

 

Dazu gehört, sich zunächst einmal darüber klar zu werden, ob ich eher ein Gänseblümchen, roter Klatschmohn oder eine Rose bin.

 

Sich darüber klar zu werden, was für einen Platz benötige ich, damit ich mich wohlfühle. Viel Raum, um mich auszudehnen, oder ein Gitter um daran entlang zu wachsen, die Nähe von anderen Blüten, um davon zu profitieren.

 

Alles ist richtig und gut.

 

Und es gehört die Bereitschaft dazu, für sich und seine Bedürfnisse einzustehen, sich den Raum nehmen zu dürfen, der für das eigene Wohlbefinden erforderlich ist. Das darf leicht und spielerisch geschehen, nichts muss schwer und dramatisch sein.

 

Und es gehört der Frieden und das Wissen dazu, dass andere Menschen andere Plätze, andere Bedingungen benötigen, um glücklich und zufrieden zu sein.

 

Dann wird das Leben bunt und vielfältig und die kleinen Götterboten namens Schmetterling finden ausreichend Nahrung….

 

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