Kinder

Kinder

 

„Warum sitzt du da drin?“ - große, fragende Kinderaugen blicken den Mann im Rollstuhl an.

 

Seine freundliche Antwort: „ Weil ich nicht laufen kann?“

 

 „Warum kannst du nicht laufen?“

 

„ Weil ich kein Gefühl in den Füßen habe?“

 

Erneuter erstaunter Blick: „Warst du schon beim Doktor?“

 

Das Gespräch läuft noch eine Weile so weiter und ich denke mir im Stillen: Da kann man den Neuronen beim Wachsen zusehen, denn es ist völlig klar, dass es im Kopf des kleinen Mädchens stark arbeitet und sie versucht alle diese Informationen in ihr bisheriges Weltbild einzuordnen, dass sie heute etwas neues lernt, eine neue Erfahrung macht. Wie schön.

 

Eine Mama, die das geschehen lässt, die nicht eingreift und das Kind zurückhält mit Worten wie „Das fragt man doch nicht, lass das bitte“. Sondern eine Mama, die ihr Kind seine kindliche Neugierde befriedigen lässt, die spürt, dass der Mann im Rollstuhl erfreut und nicht genervt ist von diesem Gespräch. Der Mann freut sich über die kindliche Neugier und wird nicht müde alle ihre Fragen kindgerecht zu beantworten.

 

Und ich denke mir, wie schön. Dieses Gespräch hat zwei Menschen glücklich gemacht, Einen ganz jungen, der seinen Erfahrungshorizont erweitern konnte und einen älteren, dem ein schöner Moment des Kontaktes geschenkt wurde. Mehr davon….

 

Vertrauen?

Unser Leben scheint immer komplizierter zu werden.

 

Eine Vielzahl von Informationen strömt täglich auf uns ein, so viele, dass sie gar nicht alle verarbeitet werden können.

 

Das tägliche Leben unterliegt nützlichen und vielen sinnfreien Regeln und Verordnungen, die uns das Leben schwer machen und es vor allem einengen.

 

Wir trauen uns nicht mehr eine Entscheidung zu treffen, denn die zieht unweigerlich ein Haftungsrisiko nach sich.

 

Aber wie sage schon Erich Kästner: „ Leben ist immer lebensgefährlich“.

 

Keine ISO Norm und keine gesetzliche Regelung können dieses Risiko abstellen. In meinen Augen können sie es nicht einmal minimieren sondern schaffen Risiken an anderer Stelle und wiegen die Menschen in trügerischer Sicherheit.

 

Ich frage mich immer, braucht es eigentlich Vorschriften und Regeln, wenn alle Menschen verantwortungsbewusst ihre Aufgabe erfüllen?

 

Das würde doch zwangsläufig beinhalten, dass Lebensmitteltechniker keimfreie Ware herstellen, Ärzte ausschließlich das Wohl ihrer Patienten berücksichtigten, Berater immer die Interessen ihrer Klientel im Auge hätten.

 

Aber was brauchten wir, um dahin zu kommen? Wie müssten wir unsere Kinder erziehen und schulen, damit sie verantwortungsbewusst mit sich und der Umwelt umgehen lernen und die Welt zu einem bessren Ort machen.

 

Ich glaube wir wären gut beraten unser Schulsystem umzukrempeln und mehr Fächer wie Intuitionsschulung, Lösungsstrategien und Kommunikation zu implementieren. Werdende Eltern zu schulen, dass das Zauberwort in der Erziehung: „Vertrauen“ und nicht „Kontrolle“ heißt. Kinder dahin zu bringen Konsequenzen ihres Handelns zu erfahren und dann frei zu entscheiden, welchen Weg sie weiter verfolgen wollen.

 

Auf das unsere Welt geprägt wird von offenen Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig vertrauen (können).

 

Ich träume davon…..

 

Der 60.

Der 60. Geburtstag einer Freundin, große Runde am Tisch.

 

Ich treffe zum ersten Mal Menschen mit denen die einzige Gemeinsamkeit das Geburtstagskind ist.

 

Ein Mann in der Runde zieht die Aufmerksamkeit mit Bemerkungen auf sich, die er augenscheinlich für boshaft  und interessant hält. Ich bin ein wenig irritiert, denn in seinen Augen fehlt das Glitzern, das normalerweise solche Bemerkungen begleitet.

 

Es entspinnt sich mit den am Tisch anwesenden Ärzten eine Gespräch über das Krankenkassensystem.

 

Es wird lebhaft diskutiert, dieser Mann wirft immer wieder energisch vorgetragene Behauptungen wie „ Es gibt eben nur einen Kuchen, der verteilt werden kann!“ in den Raum, aber er diskutiert nicht wirklich.

 

Diskussion, das beruht auf dem lat. „discutere“  und bedeutet untersuchen, erörtern, besprechend erwägen. Von Erwägen kann hier nicht die Rede sein, denn er ist in seiner Meinung unerschütterlich und augenscheinlich nicht bereit, auch nur einen winzigen anderen Gedanken zuzulassen.

 

Ich liebe Diskussionen und gerate dabei sogar manchmal in eine Situation in der mein Temperament mit mir durchgeht. Ich bin durchaus in der Lage mich in Diskussionen durchzusetzen - fragt mal meine Kinder…

 

Hier nicht, im Gegenteil, ich werde innerlich ruhiger und ruhiger, wie erstarrt, meine Schlagfertigkeit, meine Denken, dass eigentlich immer ein neues Argument finden kann, scheint mich zu verlassen. So, als würde ich von der inneren Haltung dieses Mannes erfasst. Starr und ohne Variationsmöglichkeit.

 

Erstaunt registriere ich diesen „Anfall“ und weiß, ja so geht es einem, wenn man hochsensitiv ist, dann springen die Spiegelneurone besonders schnell und besonders intensiv an. Das bin gar nicht, die jetzt nicht agieren kann, das ist der arme Kerl mir gegenüber …..

 

Synchronizität

Diese Woche bin ich auf einen interessanten Artikel des Autors und Coach Luca Rohleder gestoßen. Er kann nachgelesen werden unter: https://www.evidero.de/angeborene-oder-erworbene-hochsensibilitaet

 

Er schreibt dort: Bereits die fernöstlichen Religionslehren haben schon vor Tausenden von Jahren erkannt, dass nur die Synchronität beider Körperhälften zum sogenannten „Inneren Frieden“ und damit zu Lebensfreude führt. Je extremer also eine psychische Einseitigkeit ausgeprägt ist, umso schlechter können Alltagsherausforderungen bewältigt werden.

 

Ich habe gedacht: „Oh ja, was erzähle ich denn die ganze Zeit!“ und mir wurde bewusst, dass ich in vielen, vielen Momenten beide Hirnhälften gleichzeitig nutze: fühlen und gleichzeitig analysieren, denken und gleichzeitig spüren, was gerade notwendig ist.

 

Für mich ist dieser Zustand normal und wieder und wieder versuche ich Menschen, die sich ausschließlich auf der fühlenden Seite befinden, dazu zu bewegen, ihren Kopf ab und zu mal einzuschalten oder die Analytiker doch bitte mal in die Situation reinzufühlen. Oft genug ernte ich auf beiden Seiten massiven Widerstand, die Behauptung “Das geht nicht“ ist Standard bei den Sensibelchen und „Was soll das denn bewirken“ bei den Analytikern. Ich frage mich dann immer, wie das sein kann. Schließlich besitzen auch die überwiegend fühlenden Menschen eine linke Hirnhälfte, die sie sprechen, rechnen und ordnen lässt und die Kopfmenschen zeigen durchaus Gefühle. Die nicht genutzte Hirnhälfte ist halt nur ein bisschen untrainiert bei diesen Menschen und bedarf eines leichten Aufbautrainings. Das muss man natürlich beginnen wollen.

 

Vielleicht ist es einfach bequemer sich diesem Training zu verweigern. Bequemer vielleicht, aber nach der Aussage von Herrn Rohleder und nach meiner ganz persönlichen Erfahrung macht es nicht unbedingt glücklicher.

 

Im Gegenteil: wir sind dann im inneren Frieden, den sich so viele Menschen wünschen, wenn wir unser Gehirn synchron arbeiten lassen.

 

Muss ich noch erwähnen, dass ich ein grundoptimistischer Mensch bin, der viele Herausforderungen des Alltags schneller, kreativer und zufriedenstellender bewältigen kann als viele andere. Mir war allerdings bislang nicht klar, dass es (auch) am Zusammenspiel meiner Hirnhälften liegt. Wie schön, jetzt habe ich ein Argument, wenn andere mir nicht folgen können …..

 

Frosch

Freibad, es ist früh morgens. Die üblichen Frühschwimmer ziehen ihre Bahnen. Überwiegend ältere Menschen jenseits der 60, wie immer mehr Frauen als Männer.

 

Plötzlich Gequieke am Beckenrand, ein einsamer kleiner Frosch hat sich ins Wasser verirrt und hüpft nun leicht verwirrt durch die Ablaufrinne.

 

Die Frauen quietschen und schauen hilflos auf den armen kleinen Kerl. Ein älterer Mann schwimmt ruhig und besonnen in Richtung des Dramas, packt beherzt den Frosch und setzt in auf den Beckenrand. Erleichterung macht sich breit. Die Damen strahlen ihn. Bemerkungen wie „Gut, dass wir euch Männer haben!“ fallen und das Geschehen tut dem mutigen Schwimmer spürbar, sichtbar gut.

 

Als ich ihm auf meiner Schwimmbahn begegne, lächle ich und sage: „Na, der Tag ist ja wohl gerettet heute - bei dem Start“. Er grinst und antwortet: „Jau, könnte öfter passieren“

 

Ich schmunzle in mich hinein und freue mich, dass die Muster „Frau hilflos, Mann rettet“ offensichtlich in jedem Alter funktionieren und trotz aller Emanzipationsbewegungen das Leben einfach lustig und froh machen.

 

Lasst es euch gut gehen - mit oder ohne Frösche.

 

Warmer Milchbrei

Häufig gibt es Unverständnis oder schlimmstenfalls sogar Ärger, wenn z.B. eine hochemotionale Person auf eine eher nüchterne Kopf- gesteuerte Person trifft. Nach meiner Erfahrung sind hochemotionale Menschen zutiefst davon überzeugt, dass Emotionen das Wichtigste im Leben sind, dass sie uns steuern, wir ihnen hilflos ausgeliefert sind und das jeder, der sie vielleicht besser im Griff hat, entweder seine Emotionen verdrängt oder gleich gar keine hat und beides ist auf jeden Fall nicht wünschenswert.

 

Ist es das?

 

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn alle Menschen nicht in der Lage wären ihre Emotionen zu steuern. Wenn alle Menschen sich und ihre Umwelt in Gefühle einhüllen würden?

 

Für mich wäre es dann ein bisschen wie „in warmen Milchbrei“ greifen. Dieser Milchbrei quillt durch die Finger und es gibt nichts zum Festhalten, keine Klarheit, Ordnung und Struktur.

 

In manchen Momenten des Lebens aber ist Klarheit, Ordnung und Struktur mehr als wünschenswert. Die Klarheit ein Ziel auch gegen Widerstände zu erreichen, eine Ordnung herzustellen, die auch erfordern kann, loszulassen von Dingen, die stark emotional besetzt sind. Dem Leben Struktur zu geben und nicht wie warmer Milchbrei formlos dahin zu fließen.

 

Leben ist immer von Polarität bestimmt: oben und unten, davor und dahinter, gut und schlecht, Herz und Kopf.

 

Gut, dass wir die Fähigkeit haben zwischen Herz und Kopf hin und her zu wandern.

 

Die innere Bühne

In jedem von uns, wohnen die verschiedensten Anteile, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Vordergrund treten.

 

Da gibt es den empfindlichen, mitfühlenden Teil, der an den Schmerzen der Welt leidet, es gibt den nüchternen, klaren Kopf-Teil, der auch mal fordernd, schneidend und kalt sein kann.

 

Es gibt die Geliebte, den Geliebten in uns, der das Gegenüber umgarnt, flirtet, Erotik auslebt. Es gibt aber auch den Krieger, der sein Schwert zückt, um unsere Interessen zu verteidigen, der rücksichtlos über die Interessen von anderen hinweggeht.

 

Es gibt das freie innere Kind, das selbstvergessen spielt und fröhlich durch das Leben hüpft, immer bereit für ein neues Abenteuer. Aber es gibt auch das ängstliche Kind in uns, das vor jeder Herausforderung zurückschreckt, das sich gerne hinter Menschen versteckt, von denen es glaubt, dass sie ihm Sicherheit bieten.

 

Es gibt den Narren in uns, der gerne mal das Unterste nach oben kehrt und allen Angebern den Spiegel vorhält. Und es gibt natürlich auch den König oder die Königin in uns, die auf dem Podest stehen möchte, gehuldigt werden will und die Marschrichtung vorgibt.

 

Und es gibt noch viele andere Anteile, die sich ab und zu bemerkbar machen.

 

Wenn wir gesund sind, sind wir in der Lage in jedem Augenblick, frei zu entscheiden, welcher Anteil in dem Moment nach vorne treten soll.

 

In Gehaltsverhandlungen macht es Sinn, den König und die Kriegerinnen agieren zu lassen, während ein romantischer Abend in die Hände der Geliebten, des mitfühlenden Teils und des freien Kindes gelegt werden sollte.

 

Schwierig wird es immer dann, wenn die einzelnen Anteile zum falschen Zeitpunkt auftauchen. Wenn der mitfühlende Teil den Geschäftsalltag bestimmt oder der Krieger am romantischen Abend auftaucht.

 

Ich mache die Erfahrung, dass es viele Menschen gibt, die sich auf einige Anteile fokussieren und dann meinen, es sei notwendig oder normal immer im mitschwingenden, empfindsamen Teil zu sein oder dass es normal sei, permanent im Kopf zu sein. Diese Menschen machen dann gerne anderen Menschen, auf deren Lebensbühne eine andere Hauptperson agiert, den Vorwurf irgendwie nicht richtig zu sein.

 

Dabei sind sie es, die einem bestimmten Anteil ihres inneren Ensembles das Recht verweigern, aktiv zu sein. Wie schade.

 

Solch ein Verhalten macht krank auf Dauer, zurückgehaltene Krieger machen depressiv, nicht entwickelte freie Kinder, machen ängstlich und starr und eingesperrte Narren führen dazu, dass sie uns im Außen begegnen und wir überproportional häufig in peinliche Situationen geraten, so als hätte uns jemand ein Bein gestellt.

 

Also, machte euch auf die Suche nach euren unterschiedlichen Anteile und lasst sie alle an eurem Leben teilhaben. Es lohnt sich!

 

 

Sommer

Für den Fall, dass es irgendjemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Es ist heiß, richtig heiß in Deutschland. Und ja, wir alle sind nicht so richtig daran gewöhnt und dem einen oder anderen setzt die Hitze zu und er oder sie muss gut auf sich aufpassen und fühlt sich gerade nicht so wohl. Das ist verständlich.

 

Dieser Zustand lässt sich allerdings aktuell durch nichts und niemand verändern und es wird nicht besser, wenn ich morgens aufwache und beginne meine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es schon 24 Grad am frühen Morgen sind und der Tag bestimmt richtig anstrengend werden wird. Ablehnung und ängstliche Befürchtungen breiten sich aus.

 

Ich denke immer, dass es gut ist, Zustände, die sich nicht verändern lassen, einfach hinzunehmen, ihnen keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken, einfach so weiter zu machen wie immer. Ok, vielleicht nicht gerade in der Mittagshitze joggen zu gehen oder das Trinken zu vergessen. Wenn ich ein gutes Körpergefühl habe, mache ich das automatisch, ohne darüber nachzudenken.

 

Ich beginne gerne mal schriftlich zu rebellieren wenn im Moment zum x-ten Mal gepostet wird: „Leidet ihr auch so unter der Hitze“ und bekomme dann erboste Antworten, die meinen die Aufforderung, einen anderen Blickwinkel einzunehmen sei belehrend. Ist es das?

 

Ok, ich gestehe, dass ich in diesem Punkt vielleicht ein bisschen extrem reagiere. Aufgewachsen mit einer Mutter, die Temperaturen um die 20 Grad liebte und bei Temperaturen ab 25 Grad nicht mehr wusste, wie sie den Tag überstehen sollte. Alle Jalousien runter lies, die Fenster schloss und uns Kinder aufforderte, uns bloß nicht zu viel zu bewegen. Und das mir, die es nicht leiden kann, wenn es in Räumen dunkel ist, die die Sonne mag und keine Probleme auch mit hohen Temperaturen hat und die es zudem nicht leiden kann, einen Aufstand um Dinge zu machen, die nicht zu ändern sind. Es war schwierig und führte mehr als einmal zu meistens ergebnislosen Diskussionen.

 

Lange Rede kurzer Sinn: Ja, Menschen verkraften die Hitze unterschiedlich gut und nein, es wird auf keinen Fall leichter, wenn dieses Unwohlsein durch ablehnende Äußerungen befüttert wird.

 

Genießt den Sommer, der nächste Winter kommt bestimmt…..

 

Frei-Raum

Manchmal bin ich verzweifelt, verzweifelt über mir unbegreifliche Reaktionen  der lieben Mitmenschen.  Verzweifelt über die Neigung vieler Menschen, sich abzugrenzen, Besitz für sich zu reklamieren, nicht zu teilen.

 

Irgendwie fehlt mir dieses Besitz-Gen. Dieses Bedürfnis zu behaupten: „Das ist meins“ kenne ich nur sehr eingeschränkt. Ich teile mein Auto, meine Räume, mein Essen….

 

Ich sehe kein Problem darin, Dinge, die sich gerade in meinem Besitz befinden, auch anderen zur Verfügung zu stellen, wenn sie sie benötigen.

 

Wem nutzt das Auto, wenn es nutzlos vor der Tür steht. Welchen Sinn machen Räume, die gerade leer stehen?

 

Meine Kinder haben bei ihren Mitschülern Erstaunen geerntet, wenn sie erzählt haben, dass wir in unserer Familie immer eine Lösung gefunden haben, wenn 5 Menschen zwei Autos nutzen wollten. Eine Lösung, die alle zufrieden gestellt hat. In der Familien der Mitschüler hieß es von Mama: „ Das ist meine Auto, ich brauche das heute noch!“

 

Ganz ehrlich, das ist mir zu einfach! Mit Intelligenz und Kreativität lässt sich immer eine Lösung finden, damit wie in diesem Fall alle in den Genuss des Autos zur richtigen Zeit kommen.

 

Ich teile mir Praxisräume mit einer Kollegin. Jeder hat seinen eigenen Bereich, aber es ist für mich völlig selbstverständlich, dass jeder von uns im Fall der Fälle auf alle vorhandenen Räume zugreifen kann und bin jedes Mal geschockt und sehr enttäuscht, wenn das von der anderen Seite nicht so gesehen wird. Für mich fühlt es sich dann nach kompletter Ablehnung, nicht ernst genommen an. In solchen Momenten erstarrt alles, nix fließt mehr. Wie schade!

 

Ich kann und will nicht verstehen, warum Menschen darauf beharren, dass Dinge, die ihnen gehören, von anderen nicht benutzt werden dürfen, selbst wenn sie diese gerade nicht brauchen.

 

Wie einfach könnte das Leben sein, wenn wir aufhören würden, Grenzen zu ziehen?

 

Was wäre wenn?

Der Songtext „Das falsche Pferd“ von Bodo Wartke beginnt mit den Worten:

 

Stell dir vor wir Menschen würden von nun
an nur noch Dinge tun die wir wirklich gerne tun,
sprich aus Liebe handeln und fortan
all das lassen was wir hassen
Was wäre dann?

 

Ja, was wäre dann, wir alle nur noch unserem Herzen folgen, uns verabschieden von Sätzen wie „Das geht doch nicht“ oder „Ich muss ja“?

 

Was wäre, wenn wir keine anerzogen Begrenzungen mehr im Kopf hätten und frei, voller Freude agieren würden. Uns nicht von ökonomischen Zwängen verführen liesen, Dinge zu tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen?

 

Es gibt ja Menschen, die behaupten, dass ohne Druck nichts passieren würde, dass nur der Mangel uns treibt, produktiv zu werden.

 

Ich glaube das nicht. Ich glaube, wenn wir Räume öffnen würden, dass dann die Menschen ihre innere Motivation entwickeln könnten, die sie mit Freude und Energie Aufgaben bewältigen lässt.

 

Ich glaube, dass dann alles in Fluss kommen könnte, das jetzt durch Druck und Begrenzungen zum Stocken kommt, dass wir alle viel kreativer und erfolgreicher wären, wenn jeder seinem Herzen folgen könnte.

 

Dem Herzen folgen heißt aber zunächst, das eigene Herz überhaupt zu fühlen und zu hören. Viele Menschen, vermutlich zu viele haben aufgrund tatsächlicher oder nur angenommener Zwänge, den Kontakt zum eigenen Herzen abgebrochen. Hören gar nicht mehr, was es ihnen sagen will….

 

Der erste Schritt ist also: Anfangen, dem eigenen Herzen zu lauschen . heute!

 

Das Lied von Bodo Wartke endet mit den Zeilen:

 

Ich glaube, dass ist echt das Schönste was es gibt

 

Wenn man das was man tut, leidenschaftlich liebt.

 

Man tut damit sich nicht nur selbst einen Gefallen

 

sondern, letzten Endes, allen.

 

Vermutlich sagen Sie, dass funktioniert doch nie

 

Na, ihre Hirngespinste, reine Utopie

 

Wenn alle täten was sie lieben, wo kämen wir denn da hin

 

Das hat doch alles überhaupt gar keinen Sinn

 

Wir unterwerfen uns lieber weiterhin dem Joch

 

Denn das kann ja gar nicht klappen...

 

...was wenn doch?

 

...was wenn doch?

 

Ja, was wenn doch?

 

Enkeltöchter

Ich habe zwei Tage Urlaub gemacht, meine Enkeltöchter besucht.

 

Wunderbar…

 

Meine Enkeltöchter sind 4 und 1,5 Jahre alt. Ich konnte einfach mal wieder eintauchen in die Zauberwelt kleiner Kinder. Habe mir Geschichten von fliegenden Pferden und verzauberten Prinzessinen erzählen lassen und phantasiebegabt wie ich bin, habe ich sie vor mir gesehen und konnte ganz geschmeidig eintauchen in diese Kinderwelt.

 

Ich habe mal wieder beobacht wie Kinder sich Sprache erobern und wie sie sich ausprobieren, beim Klettern und Schaukeln und beim Schwimmen. Bei einem motorisch begabten Kind wie es meine Enkeltochter es ist, kann Oma da schon mal der Atem stocken. Aber Oma war brav, sie hat es geschafft, sich zurück zu halten und das Kind einfach nur beobachtet, weil die Erkenntnis kam, sie schafft das.

 

Ich konnte beobachten, wie sie sich soziale Kompetenz erobern, ihre Eltern testen und versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen und Rollen einzuüben. Und wie schön es ist, wenn da kompetente Eltern sind, die einerseits deutlich Grenzen setzen, eine Auseinandersetzung aushalten und andererseits ganz viel Freiraum zum Ausprobieren und Lernen geben.

 

Der Einjährigen erlauben, das Essen mit dem Löffel einzuüben, was natürlich aktuell nicht ohne Kolateralschaden abgeht. Oder der 4-jährigen erlauben wütend zu sein und sie anschließend liebevoll zu trösten. Eltern, die aber auch ganz klar machen, dass bestimmte Dinge nicht erlaubt sind und dass das auch nicht diskussionsfähig ist.

 

Kinder zu erleben, die sich einerseits voller Urvertrauen die Welt erobern und andererseits bereits Regeln kennen, an die sie sich (meistens) halten.

 

Glückskinder!

 

Ich wünsche mir, dass alle Kinder dieser Welt diese Chance bekommen!

 

Theorien

Presseartikel diese Woche: Meine Heimatzeitung titelt: „Wer nachgibt ist der Dumme!“

 

Angeblich haben Wissenschaftler festgestellt, dass Menschen, die in Verhandlungen nachgeben am Ende die Dummen sind. So wird es in den ersten Zeilen suggeriert, liest man den Artikel aber weiter, dann heißt es, dass das nur gilt, wenn man ökonomische Ziele verfolgt. Verfolge man dagegen soziale Ziele, dann sei es besser nachzugeben.
Als geneigter Leser steht man dann ziemlich fassungslos vor solch einem Erguss.

 

und fragt sich, welche Schlüsse denn nun aus diesen Zeilen gezogen werden sollen?

 

1. Entweder man ist sozial oder man denkt ökonomisch!

 

2. Man ist nur dann schlau, wenn man ökonomische Ziele erreicht!

 

3. Gemeinschaft leben und ökonomisch handeln sind zwei entgegen gesetzte Ziele.

 

Ist das wirklich so?

 

In der gleichen Woche erscheint bei spiegel-online ein Artikel zum Thema:

 

„Aufstiegsverweigerer“, in dm darüber philosophiert wird, warum so viele junge Menschen nicht mehr daran interessiert sind Karriere zu machen.

 

 

 

Könnte das eine etwas mit dem Anderen zu tun haben?

 

Das gibt es eine Generation, die erlebt hat, dass ihre erfolgreichen Eltern in den Momenten, die ihnen in ihrer Kindheit wichtig waren, nicht präsent waren. Eine Jugend, die erlebt hat wie gestresst, ausgelaugt und entnervt ihre Eltern nach getaner Arbeit waren. Eltern, die sagten: „So ist das eben im Business, wenn man erfolgreich sein will, muss man hart sein“  

 

Warum sollten diese intelligenten jungen Leute auf die Idee kommen, das auch haben zu wollen?

 

Und? Ist das wirklich richtig - dieses „Wer nachgibt ist der Dumme?“

 

Bringt nicht gerade die Kombination aus sozialem und ökonomischem Verhalten langfristig den größeren Gewinn?

 

Ich finde die Zeit ist reif, propagierte Gesetzmäßigkeiten zum Wohle aller in Frage zu stellen. Steigende Zahlen psychischer Erkrankungen sprechen eine deutliche Sprache.

 

Wir sind auf dem falschen Weg, wenn wir Ökonomie zum Maß aller Dinge machen.

 

Und was glaubt ihr?

 

 

 

 

 

 

 

Zeugnisse

Dies ist die Zeit, in der zumindest in NRW die Schüler und Schülerinnen ihr Abiturszeugnis erhalten. Da gibt es Zeugnisse mit denen Schüler, Eltern und Lehrer zufrieden sind, Zeugnisse über die alle erfreut sind und Zeugnisse, deren Botschaft darin besteht: Du hast es geschafft!

 

Da wird über Zensuren diskutiert  und auch lamentiert. Da werden Schüler und Schülerinnen ausgezeichnet für besondere Leistungen - meistens nur im kognitiven Bereich. Ich freu mich deshalb  immer besonders, wenn auf der Abi-Entlassung auch besonderes soziales Engagement ausgezeichnet wird.

 

Es kommt mir so vor, als ginge bei der Lobhudelei über die erzielten Ergebnisse der Blick auf das Wesentliche verloren - denn sind die Zensuren das Wesentliche beim Erlangen der Hochschulreife? Gilt es nicht eigentlich den Einsatz zu würdigen den die jungen Menschen, die Lehrer und Lehrerinnen und manches Mal auch die Eltern über die Jahre erbracht haben? Die Tränen, die geflossen sind, der Frust der ausgehalten wurde, der Mut, sich immer wieder aufs Neue anzustrengen, die Kraft nicht einfach aufzugeben? Vermutlich haben gerade die Schüler und Schülerinnen, deren Zeugnis nicht mit Bestnoten glänzt, hier mehr Punkte geholt als diejenigen deren Durchschnittsnote eine 1 vor dem Komma aufweist.

 

Dazu gehören in besonderem Maße auch die Hochsensiblen, die mit ihrer Art zu sein immer wieder an die Grenzen unseres starren Schulsystems stoßen. 

 

Ein Schulsystem, das von Anfang an das Ergebnis in den Vordergrund stellt und nicht die Erfahrung.

 

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht wie Zeugnisse aussehen könnten, wenn die Bereitschaft neue Erfahrungen zu machen und die Fähigkeit in unbekannten Situationen eine Lösung zu finden bewertet würde?

 

Gelassenheit

 

Ganz ehrlich, manchmal komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus…

 

Staunen darüber wie Menschen dem Leben begegnen, wie schwer sie es sich selber machen.

 

Da wird gestöhnt und gejammert, geschimpft und protestiert. Mit Vorliebe darüber, dass die Umwelt der betreffenden Person mal wieder das Leben schwer macht. Das die Menschen nicht so sind wie man sie gerne hätte, zu rücksichtslos, zu laut, zu unsensibel.

 

Ich werde in solchen Momenten immer an meinen damals vier-jährigen Sohn erinnert, der mir in einem zornigen Moment erklärte: „ Ihr macht immer alle, dass ich weinen muss!“

 

Mit vier Jahren darf man die Welt so sehen, aber ist das mit dreißig, vierzig oder sechzig auch noch angemessen? Ist es angemessen mich in die Rolle des lauthals brüllenden Kleinkindes zu begeben, dass mit den Unzulänglichkeiten dieser Welt noch nicht umgehen kann?

 

Ich finde nein, finde, das ist Energieverschwendung. Die Energie, die ich für den Widerstand in dieser Situation aufwende, die ich aufwende um zu jammern oder zu schimpfen, könnte ich viel besser nutzen, um die Situation zu meinen Gunsten zu verändern oder um zumindest ruhig und gelassen zu bleiben.

 

Ja, Gelassenheit ist das Zauberwort und Gelassenheit entwickelt sich aus der Art zu denken.

 

Urteile und verurteile ich schnell oder bin ich eher der Beobachter, der den Dingen im Außen neutral gegenüber steht. Weiß ich, dass es lediglich an meiner Bewertung einer Situation liegt, ob ich mich aufrege oder weiß ich das nicht?

 

Reinhold Niebuhr, amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler hat gesagt:

 

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“

 

Dem ist nichts hinzuzufügen….

 

 

Lob

Ihr arbeitet an einer Aufgabe, kniet euch rein, gebt alles, sprudelt vor Ideen und dann, dann kommt keinerlei Resonanz. Niemand spricht ein Lob aus oder teilt euch mit, wie es ihm mit eurer Arbeit geht. Für euch fühlt es sich so an, als hättet ihr für die Katz gearbeitet.

 

Wie heißt es doch im Handwerker-Deutsch? Nicht gemeckert, ist genug gelobt…

 

Viele Chefs haben anscheinend keine Idee davon, wie es ihren Mitarbeitern geht, wie sehr Mitarbeiter ein anerkennendes Wort benötigen. Und wie einfach es wäre zu sagen: „Danke schön, gut gemacht!“.

 

Gerade wir Deutsche haben nie gelernt, uns und unsere Erfolge zu feiern. Amerikaner tun sich da ein bisschen leichter, sie können leichten Herzens Erfolge feiern. Jubeln sich gegenseitig mit einem „Great“ zu. Spannenderweise wird das in unseren Landen dann oft als oberflächlich abgetan.

 

Nein, das ist nicht oberflächlich, das ist absolut „Not“wendig, denn es wendet die Not des Einzelnen, nicht gesehen, mit seiner Leistung nicht gewürdigt zu werden.

 

Dabei ist es egal, ob es sich um eine objektiv großartige Leistung im Sinne von z.B. Vertragsabschluss, Projekt geleitet oder Maschine erfunden handelt  oder das Erledigen von Alltagsaufgaben, die Buchführung ordentlich gemacht oder das Büro sauber geputzt - alles verdient Anerkennung.

 

Es kann gar nicht genug gelobt werden.

 

Positiv wertschätzendes Feedback macht das Leben leicht, versucht es doch mal.

 

Ja, und manchmal kommt so ein Feedback völlig überraschend um die Ecke!

 

Ich schreibe jede Woche diesen Blog und in den meisten Fällen gibt es keinerlei Resonanz, das ist wie rufen in den Wind. Die Unsicherheit, gefällt es den Menschen oder gefällt es ihnen nicht, ist stiller Begleiter.

 

Und dann plötzlich und unerwartet sagt jemand: „Du ich sehe immer deine Videos, ganz toll was du erzählst - gefällt mir richtig gut!“

 

Das Herz macht einen kleinen Hüpfer, Freude …

 

Und schon ist es in der nächsten Woche viel leichter zu schreiben, beschwingt und einfach fließen die Worte nur so auf das Papier.

 

Es kann so einfach sein

 

Freibad-Junkie

Freibad-Junkie

 

Ich gestehe, ich bin ein Freibad-Junkie.

 

Sobald das Freibad Mitte Mai öffnet, springe ich in die Fluten, egal, ob es draußen 12 Grad oder 25 Grad sind, egal ob es in Strömen regnet oder die Sonne vom Himmel lacht. Lediglich Gewitter bremsen mich aus.

 

Das tue ich dann täglich bis das Freibad Mitte September wieder schließt. Von dem Moment an sehne ich mich nach Freibadsommer, ganz hart sind die Monate Oktober bis Januar, die Zeit bis zur Eröffnung scheint unendlich lang und kein Ende zu nehmen. Ab Februar kehrt die Hoffnung zurück, dass es ja bald wieder losgehen wird….

 

Ich setze Himmel und Hölle in Bewegung um die Zeit zu finden, meine Runden im Wasser zu drehen. Zur Not gehe ich morgens um 6.30 Uhr, falls der Zeitplan des Tages etwas anderes nicht möglich macht. Ganz, ganz selten passiert es einmal, dass die Zeit am Tag nicht ausreicht, um schwimmen zu gehen. Sehr schade!

 

Die älteste Dauerschwimmerin ist 93 Jahre alt und sie schwimmt täglich noch 200 Meter, sehr langsam, aber völlig eigenständig. Ich freue mich jedes Jahr, sie im Freibad wieder zu treffen, denn selbstverständlich ist das nicht.

 

Ich habe die Vorstellung auch mit 100 Jahren noch meine Runden dort zu drehen. Voraussetzung ist allerdings, dass es das Freibad dann noch gibt und es nicht irgendwelchen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen ist.

 

Schwimmen im kühlen Wasser, draußen, ist absolute Entspannung für mich. Die Bewegung, das Gefühl, wenn das Wasser am Körper entlang streicht, sich vom Wasser getragen fühlen, gesteigert wird das Gefühl natürlich wenn die Sonne den Rücken wärmt.

 

Das absolute Glücksgefühl ist es übrigens, in Schweden durch die einsamen Wälder zu fahren, einen See zu entdecken, sich auszuziehen und nackt im ca. 15 Grad kalten Wasser zu schwimmen - Glück pur.

 

Das nennt man wohl Leidenschaft!

 

Im Buch „Gespräche mit Gott“ gibt es den Satz: „Leidenschaft ist Gott in Bewegung“

 

Ich treffe Gott beim Schwimmen ….

 

Sonne

Sonne

 

Die Sonne scheint, Außentemperatur 30 Grad, bisschen ungewöhnlich für den Monat Mai, aber eben das aktuelle Wetter.

 

Die Menschen jammern „Es ist zuu warm!“ „Ich bin so schlapp!“

 

Ich denke dann jedes Mal: „Du lieber Himmel- warum ärgern sie sich über etwas, das eh nicht zu ändern ist!“

 

Ich bin mir sicher, hätten wir 15 Grad und Regen, wären sie auch am Schimpfen darüber, was das den eigentlich für ein Frühjahr wäre. Es ist nie richtig das Wetter, es trägt nie dazu bei, dass die Menschen sich glücklich fühlen. Entweder ist es zu warm oder zu kalt, zu regnerisch oder zu trocken - es gibt immer einen Grund.

 

Wie schön wäre es, wenn alle das Wetter einfach hinnehmen könnten, sich klaglos anpassen würden - leichte Kleidung anziehen, kühle Räume aufsuchen, wenn es ihnen zu warm ist und dicke Socken überstreifen, wenn es ihnen zu kalt ist.

 

Ich habe die Entscheidung getroffen, dem Wetter keinen negativen Gedanken zu schenken, mein Glück nicht von den Launen eines Wettergottes abhängig zu machen.

 

Zu tun, was ich tun möchte, unabhängig davon wie das Wetter ist. Das heißt für mich in den Sommermonaten, ich gehe jeden Tag, wenn es geöffnet ist, schwimmen im Freibad im Nachbarort, egal, ob es draußen 15 oder 30 Grad sind.

 

Ich laufe fast immer ohne Socken herum, weil ich Socken an den Füßen nicht leiden kann, ab Minus 7 Grad ziehe ich manchmal welche an.

 

Ich habe gute Laune auch wenn es draußen junge Hunde regnet.

 

Ich genieße das aktuelle Wetter, die Sonne scheint, es ist warm, helle Abende im Garten warten, das Leben wirkt bunt und fröhlich, ein bisschen Afrika-Feeling und ich bemühe mich, all die nervenden, negativen Äußerungen einfach mal zu überhören und weg zu lächeln….

 

Ihr könnt das auch - einfach mal anfangen

 

Blumenwiese

Menschen sind so unterschiedlich wie es die Blumen auf einer Sommerwiese. Da gibt es rote, gelbe, blaue und weiße Blüten, mit Blättern oder mit Dornen, lange und kurze Stängel. Alle sehen wundervoll aus und zusammen erfreut der Anblick unser Herz.

 

Wir wissen nicht, ob sich die Blumen untereinander gut verstehen, vermutlich tun sie es, denn sonst könnten sie nicht nebeneinander blühen, würden nicht wachsen und gedeihen.

 

Bei uns Menschen ist es ähnlich, auch wir schrumpfen, können uns nicht entfalten in Gegenwart von anderen Menschen, die uns nicht gut tun, mit denen wir uns nicht verstehen.

 

Sie nehmen uns das Licht und die Luft zum Atmen, verhindern, dass unsere Wurzeln sich ausdehnen können.

 

Pflanzen können ihren Standort nicht so einfach wechseln, sind dem Prozess ausgeliefert, aber wir Menschen können gehen, können Situationen verlassen, die uns nicht gut tun, müssen uns nicht von unserer Lebensenergie abtrennen lassen.

 

Dazu gehört, sich zunächst einmal darüber klar zu werden, ob ich eher ein Gänseblümchen, roter Klatschmohn oder eine Rose bin.

 

Sich darüber klar zu werden, was für einen Platz benötige ich, damit ich mich wohlfühle. Viel Raum, um mich auszudehnen, oder ein Gitter um daran entlang zu wachsen, die Nähe von anderen Blüten, um davon zu profitieren.

 

Alles ist richtig und gut.

 

Und es gehört die Bereitschaft dazu, für sich und seine Bedürfnisse einzustehen, sich den Raum nehmen zu dürfen, der für das eigene Wohlbefinden erforderlich ist. Das darf leicht und spielerisch geschehen, nichts muss schwer und dramatisch sein.

 

Und es gehört der Frieden und das Wissen dazu, dass andere Menschen andere Plätze, andere Bedingungen benötigen, um glücklich und zufrieden zu sein.

 

Dann wird das Leben bunt und vielfältig und die kleinen Götterboten namens Schmetterling finden ausreichend Nahrung….

 

Bewerten

Mein Mann wurde letztens gefragt nach einem typischen Satz seiner Frau. Er sagte: „Geht es nicht ein bisschen schneller!“

 

Im ersten Moment war ich verblüfft, dann musste ich laut lachen. Recht hatte er…

 

Ich bin schnell. Ich bewege mich schnell, bin sehr pragmatisch veranlagt, erfasse Situationen blitzartig, bewerte sie und habe meistens schnell eine Idee, wie ein Problem gelöst werden kann. Die entsprechende Handlung folgt auf dem Fuße.

 

Es gibt Menschen, die drehen sich gefühlt erst dreimal um die eigene Achse bevor sie sich in eine Richtung bewegen, die brauchen dann einfach ein bisschen länger als ich.

 

Ein Beispiel: Ich gehe im Sommer regelmäßig zum Schwimmen ins Freibad, manchmal treffe ich am Eingang Bekannte, die zeitgleich schwimmen wollen. Umkleide, umziehen, duschen, ab ins Wasser. Dann ist es meistens so, dass ich schon stressfrei eine Bahn geschwommen habe, bis die Bekannten auch im Wasser sind. Ich frage mich dann immer: „Was haben sie so lange gemacht?“.

 

Mein Tempo verführt mich, andere hinsichtlich ihres Tempos zu bewerten und mir so manches Mal entnervt die Haare über die vorgefundene Langsamkeit zu raufen.

 

Tatsache ist: das ist mein Tempo und die anderen haben ihr Tempo und keines ist besser oder schlechter. Alles darf sein.

 

Gut wenn ich die Bewertung lassen könnte und statt zu sagen: „Geht es nicht ein bisschen schneller“, tief durchatmen würde und mir sagen könnte: „interessant, der oder die kommt langsamer ans Ziel!“

 

Es würde mir das Leben leichter machen, denn ich könnte Dinge einfach mal so stehen lassen, kein Ärger im Bauch, keine Verzweiflung über Unzulänglichkeiten.

 

Es würde den Anderen das Leben leichter machen, denn sie würden Akzeptanz statt Bewertung bekommen.

 

Aufhören Andere zu bewerten, was könnte das für Möglichkeiten eröffnen?

 

 

 

 

 

Noch mehr lernen

Diese Woche möchte ich das Thema von letzter Woche, was wir alles von unseren Kindern lernen können, noch ein wenig vertiefen. Letzte Woche habe ich sozusagen auf einer oberflächlichen Ebene geschaut.

 

Heute möchte ich mir anschauen, warum wir eigentlich genau die Kinder haben, die wir haben.

 

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unsere Kinder eine Lernaufgabe für uns sind, etwas mitbringen, das wir als Herausforderung empfinden.

 

Da bekommt die introvertiert, diplomatisch - vorsichtige, verschwiegene Mutter, ein extrovertiert, gradliniges, quasselndes Kind. Herausfordernd für beide.

 

Da bekommt der Vater, der sich erziehungsbedingt ständig zurück hält, diesen selbstbewussten, strahlenden Sohn, der sich in Aufmerksamkeit ohne schlechtes Gewissen sonnen kann.

 

Es kann passieren, dass die Mutter sich bemüht, dieses lebhafte kleine Geschöpf, zu beruhigen, still werden zu lassen, ihre Werte und Bedürfnisse zu denen des Kindes werden zu lassen. Das der Vater ständig versucht seinen Sohn zurückzupfeifen, weil er fürchtet, dass der Sohn egoistisch nur sich selbst sieht.

 

Das wird niemals funktionieren können, es wird immer beide Seiten unglücklich machen. Das Kind, weil es nicht so sein darf wie es möchte und die betreffenden Eltern, weil sie sehen, dass ihre Erziehungsversuche im Sande verlaufen.

 

Frust auf allen Seiten.

 

Gut, wenn Eltern erkennen können, dass dieses Kind so ganz anders ist als sie selber. Wenn Eltern sich auf den Weg machen Rat und Unterstützung für dieses Kind bei anderen,  zu finden,, das können die Großeltern, Tanten oder Onkel, Freunde sein, wenn sie selbst nicht in der Lage sind die Bedürfnisse des Kindes erfüllen zu können.

 

Gut, wenn diese Kinder, obwohl sie anders als ihre Eltern sind, mit dem Gefühl aufwachsen können, in Ordnung zu sein so wie sie sind. Dafür müssen Eltern reflektiert sein, sich selbst und ihre Persönlichkeit, ihre Blockaden gut kennen.

 

Erst wenn ich mit mir im Reinen bin, kann ich aufhören andere zu bewerten, aufhören ihnen vorzuschreiben wie sie gefälligst sein sollen.

 

Wenn das alles gut funktioniert, dann können sich später, wenn die Kinder erwachsen sind, alle Beteiligten frei und offen begegnen, die gegenseitigen Unterschiede respektieren und anerkennen, das eine oder andere Mal vielleicht auch einfach darüber schmunzeln, denn Humor hilft, immer!

 

Lernen

 

Erwachsene sind sich einig, Kinder müssen lernen: mit Messer und Gabel essen, Schuhe zubinden und lesen und schreiben.

 

Und während sie all dies tun, können wir Erwachsenen eine Menge von den Lütten lernen - by the way sozusagen.

 

Wir lernen Geduld. Die ist gefragt, wenn es mal wieder ein wenig länger dauert, weil jeder Stein umgedreht und an jeder Blume gerochen werden musst, weil das Ende der Trainingsstunde sich verschiebt oder das Gespräch mit der Freundin ausartet oder weil es mehrere Versuche braucht bis die richtige Sportart oder das richtige Musikinstrument gefunden wird. Ja, ich als bekennende Fußball-Ignorantin kann dank meiner Söhne heute sogar ein passives von einem aktiven Abseits unterscheiden.

 

Wir lernen verzichten, auf Schlaf, auf Geld, auf selbstbestimmte Freizeit.

 

Wir lernen Auseinandersetzungen zugunsten unserer Kinder zu gewinnen, auf die wir uns ohne sie niemals eingelassen hätten.

 

Wir lernen unseren Horizont zu erweitern, in dem wir erfahren, dass es sich bei Blink 182 nicht um eine Leuchtboje in der Nordsee handelt und ein Tyrannus Saurus Rex definitiv kein römischer Kaiser war.

 

Wir lernen es, kreativ zu werden, weil wir uns manches Mal die absurdesten Beschreibungen einfallen lassen, um die lieben Kleinen zu ungeliebten, aber notwendigen Handlungen zu veranlassen.

 

Vor allem lernen wir Vertrauen. Vertrauen in die absurdesten Lern - und Arbeitsweisen der lieben Kleinen, die trotzdem zu unserem Erstaunen zum Erfolg führen. Vertrauen in die Umwege, die gegangen werden müssen, um kleine Persönlichkeiten reifen zu lassen. Vertrauen in den Schutzengel, denn oftmals bringt die Kinder sich und ihre Eltern in Situationen, in denen gar nichts anderes übrig bleibt als darauf zu vertrauen, dass dieser Kerl seine Arbeit gut machen wird.

 

Kinder lehren uns was es heißt bedingungslos zu lieben, wenn sie ihre Ärmchen um uns schlingen, obwohl wir gerade mit ihnen geschimpft haben oder später wenn die Pubertierer uns an den Rand der Verzweiflung bringen und wir dem Motto folgen: „Ich brauche deine Liebe dann am meisten, wenn ich sie am wenigsten verdient habe!“ In den Momenten, in denen der Nachwuchs rebelliert, seine und unsere Grenzen testet, mit dem Finger dorthin zeigt, wo unser Verhalten unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird.

 

Was für großartige Lehrmeister - danke dafür.

 

Emotionale Intelligenz

 

Emotionale Intelligenz gehört zu den Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit von heute. Diese Intelligenz ist vor allem dann erforderlich, wenn es heißt Teams zu bilden, Mitarbeiter zu führen und Verhandlungen erfolgreich abzuschließen. Obwohl emotionale Intelligenz zu einem großen Teil analytische Qualitäten voraussetzt, handelt es sich auch um eine Fertigkeit, die durch Training erworben und verfeinert werden muss.

 

Auf dem Weg, diese Fertigkeit zu erwerben, erliegen vor allem Menschen, die es gewohnt sind, sich Wissen über Lesen und gedankliche Auseinandersetzung anzugeignen, schnell dem Irrtum, auch diese Fähigkeit über eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema erwerben zu können. Das ist allerdings ungefähr so als wolle man versuchen, dass Auto fahren über das Studieren eines Automotors lernen zu wollen.

 

Unabhängig davon, dass es sicherlich sinnvoll ist, praktische Übungseinheiten zu absolvieren, ist zunächst eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema sinnvoll. Der erste Schritt dabei ist es sich bewusst zu machen, dass auf dem Weg zur emotionalen Intelligenz bildlich gesprochen, zunächst einmal das Land der Logik verlassen werden muss.

 

Logik fragt immer nach der Ursache: Welches Ereignis A ist die Ursache für das Ereignis B?  Emotionen fragen nicht nach der Ursache, sie sind einfach da und wollen bemerkt werden. Je besser es gelingt in Bildern zu denken und meinen Emotionen und den Emotionen des Gegenübers eine erkennbare Gestalt zu geben, umso leichter wird der Umgang damit und umso so leichter kann ich Nutzen daraus ziehen.

 

Wenn Menschen handeln und in Interaktion treten, agieren verschiedene innere Anteile oder Figuren, die einerseits ihre eigenen Aufgaben haben und andererseits bei jedem unterschiedlich ausgeprägt sind. Sie alle haben Eigenschaften, die dem jeweiligen Anliegen dienlich sind und Eigenschaften, die dem erforderlichen Auftrag eher entgegenstehen. Der Führungsperson obliegt die Aufgabe zu entscheiden, wer bringt die geforderten Qualitäten mit, können die negativen Aspekte dieser Qualität in Kauf genommen werden oder durch Personen mit einem anderen Schwerpunkt ausgeglichen werden. Diese Entscheidung ist leichter zu treffen, wenn die inneren Anteile bekannt sind.

 

Da gibt es z.B. den inneren Krieger, dessen Anliegen es ist zu gewinnen und sein Stärke zu demonstrieren. Er handelt sehr impulsiv und ist nicht rücksichtsvoll. So manches Mal stößt er die Menschen in seinem Umfeld vor den Kopf, dafür ist sein Jagdinstinkt sehr ausgeprägt und er liebt Wettbewerbe.

 

Geführt werden kann er von der Figur des Herrschers, der bestimmen will, wo es lang geht. Dieser Anteil braucht die Anerkennung.  Der Herrscher ist sozusagen unser innerer König, der erwartet, dass man ihm den roten Teppich ausrollt, im huldigt  und seine Anweisungen befolgt. Die Figur strahlt Autorität aus, dafür fällt es ihr schwer sich unterzuordnen und die Rolle des Zuarbeiters in einem Team liegt ihr nicht. Für diese Rolle eignet sich die innere Figur des Helfers, der gerne anderen dienlich ist, immer bereit ist die erforderliche Arbeit zu erledigen, aber schlecht mit kreativem Chaos umgehen kann und ungern unpopuläre Entscheidungen trifft.

 

Der alte Weise in uns sorgt dafür, dass wir uns an Strukturen halten, dass wir Traditionen pflegen und er macht uns verantwortungsbewusst und verlässlich, dafür verhindert er aber auch, dass wir leichtfüßig neue Wege gehen können. Eine große Rolle spielt im Zusammensein von Menschen immer das innere Kind, das schnell verunsichert ist, verletzt  ist oder rebelliert, was dazu führen kann, dass jemand mit dem Verhaltensmuster eines trotzigen Dreijährigen agiert.

 

Steht eine Führungspersönlichkeit vor der Aufgabe, ein Team zu bilden, sollte sie sich als erstes fragen, welche Figuren benötige ich, um die Aufgabe des Teams erfolgreich zu lösen und als zweites welche der zur Verfügung stehenden Mitglieder des Teams weisen welche Merkmale auf. Fußballtrainer wissen, dass ein oder zwei Bastian Schweinsteiger in einer Mannschaft, der Mannschaft zum Erfolg verhelfen,  bei drei Spielern dieses Typs droht das Chaos auszubrechen.

 

In einem Team, das z.B. eine Vertriebaufgabe erledigen soll, sind mehrere Personen, bei denen der Krieger eine große Rolle spielt gut aufgehoben, da ihr Jagdinstinkt hier genug Nahrung findet, um ihr ganzes Potential entfalten zu können. Vom Typ des Arbeiters wird dagegen vielleicht nur einer benötigt und die Rolle des Herrschers wird von der Führungsperson selber eingenommen.

 

Die Führungsperson muss in der Lage sein, in ihrer Umgebung, bei ihren Mitarbeitern, ihren Verhandlungspartnern, ihren Kunden die unterschiedlichen inneren Figuren, die gerade die Hauptrolle spielen zu erkennen und adäquat auf sie zu reagieren.

 

Das Erkennen dieser Anteile  setzt voraus, dass die ganze Aufmerksamkeit beim Gegenüber ist und nicht von der eigenen Gefühlslage beansprucht wird. Wie ein Maschineneinrichter, der im Laufe seines Arbeitslebens lernt, die Maschinengeräusche zu interpretieren und zu nutzen, sollten Menschen, die emotionale Intelligenz erwerben wollen, vor allem ihre Wahrnehmung so schulen, dass ihnen die Emotionen des Gegenübers jederzeit präsent sind.

 

Wahrlich keine leichte Aufgabe, denn die wenigsten Menschen sind so offen, dass man ihnen ihre Gefühle an der Nasenspitze ablesen kann. Die Gefühle anderer können an ihrer Körperhaltung, ihrem Gesichtsaudruck, dem Augenausdruck, der Handhaltung, der Frequenz ihrer Stimme und der Wortwahl erkannt werden. Sätze wie „ Wo ein Wille ist, da ist auch Weg“ sind eher dem Krieger zuzuordnen, während ein Satz wie: „Das sollten wir noch einmal überprüfen“ vom Helfer ausgesprochen wird.

 

Der erste Schritt auf dem Weg die Wahrnehmung zu schulen, ist es eine neutrale Beobachterrolle einzunehmen, das bedeutet, Emotionen nur wahrzunehmen, nicht  zu bewerten.

 

Emotionen genauso wahrzunehmen wie andere Merkmale der Person, die Haarfarbe, die Augenfarbe oder die Körpergröße. In einem zweiten Schritt gilt es  zu registrieren, was macht die Gefühlslage des anderen mit mir? Besteht die Tendenz diese Gefühlslage zu übernehmen, - das Gegenüber ist schlecht gelaunt, also bekomme ich auch schlechte Laune-  oder wird gar ein „ roter Schalter“ betätigt - das Gegenüber zeigt seinen Ärger auf die gleiche Art wie früher der Vater und löst damit die gleichen hilflosen Ohnmachtsgefühle, die das kleine Kind beschlichen.

 

Je besser es gelingt diese neutrale Beobachterrolle einzunehmen, umso unabhängiger kann der Verstand analysieren und entscheiden, wie mit den Gefühlen des Gegenübers umgegangen werden soll.

 

Ob sie stillschweigend berücksichtigt oder in diesem Moment ignoriert werden sollen oder sie angesprochen werden,  um sich zu vergewissern ob die eigene Wahrnehmung richtig ist. Die Entscheidung wie vorgegangen wird, sollte u.a. davon abhängig gemacht werden, ob es sich um ein aktuelles, kurzfristiges Gefühl handelt,  z.B. Unmut über den Umfang der zugeteilten Arbeit, weil sich jemand einen frühen Feierabend versprochen hatte oder um ein grundsätzliches Gefühl, wie z.B. mangelndes Selbstvertrauen, dass zu einem Gefühl der Überforderung führt. Menschen sind in ihrem Temperament und in ihren Handlungsmustern sehr unterschiedlich, wo der eine viel persönlichen Freiraum braucht, braucht der Andere klare Strukturen und genaue Anweisungen. Will ich z.B. das ganze Potential meiner Mitarbeiter schöpfen, ist es zwingend erforderlich, dass ihre grundsätzlichen Gefühlsmuster so oft wie möglich berücksichtigt werden.

 

Führung heißt die Richtung vorgeben und dafür Schutz und Sicherheit bieten. Menschen fühlen sich immer dann  sicher, wenn ihre grundlegenden Bedürfnisse erfüllt werden. Relationship-Management  bedeutet an dieser Stelle  zu erkennen, wo dieses grundlegende Bedürfnis liegt.

 

Habe ich z.B. einen Mitarbeiter, bei dem die innere Figur des Kriegers im Vordergrund steht, muss ich bildlich gesprochen dafür sorgen, dass er ausreichend Möglichkeiten zur Jagd findet und zwar zu einer Jagd, die meinen Zielen dienlich ist. Gelingt das nicht, wird sich sein Jagdinstinkt unter Umständen gegen mich und meine Ziel richten. Ich kann ihn daher vermutlich besser im Vertrieb als im Rechnungswesen einsetzen, denn Planzahlen, die es zu erreichen gilt, wecken seinen Jagdinstinkt und entsprechen eher seinem Bedürfnis als dem betrieblichen Alltag Ordnung und Struktur zu geben.

 

Mit dieser Aufgabe wird sich eher der alte Weise oder der Diener wohlfühlen. Auch in Verhandlungssituationen gilt es diese Grundbedürfnisse zu erkennen und  zu versuchen, sie zu erfüllen, damit auf der Sachebene verhandelt werden kann. Sitzt hier auf der einen Seite des Tisches ein Krieger, dann wird der Versuch, eine nette Atmosphäre zu schaffen, ins Leere laufen, besser beraten bin ich in diesem Fall, wenn ich meinen eigen Krieger agieren lasse und den Kampf aufnehme.

 

Die Wahrnehmung der Emotionen Anderer setzt voraus, dass ich meine eigenen Emotionen kenne und kontrollieren kann. Menschen in Führungspositionen haben aber häufig auf ihrem Weg gelernt, ihre Gefühle auszuschalten, weil Gefühle nicht in den Geschäftsalltag gehören.  Wer kann schon emotionalen Aufruhr gebrauchen, wenn er gerade eine Prüfung bestehen will oder eine knifflige Verhandlung führen muss.

 

Wird dieses „Training“ über viele Jahre fortgesetzt, wird der Zugang zu den eigenen Gefühlen immer schwieriger und die Betreffenden verfügen nur noch über eine eingeschränkte Selbstwahrnehmung. Werden aber die eigenen Emotionen nicht oder nicht ausreichend wahrgenommen, so können sie auch nicht kontrolliert werden. Die Selbstwahrnehmung kann durch so genannte „Aufmerksamkeits-Augenblicke geschärft und verbessert werden.  So wie ein Karatekämpfer einen Moment seine Aufmerksamkeit bündelt, bevor er zu schlägt, sollte sich die Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment nach Innen richten. Einen  Moment innehalten und sich bewusst machen, was läuft da gerade, entsteht da gerade Wut, Traurigkeit oder Freude?  Momente, in denen sich die Blickrichtung bewusst vom Außen auf die Gefühle im Inneren umstellt.

 

Diese unterschiedlichen Gefühle, die dort wahrgenommen werden, gehören zu den unterschiedlichen inneren Figuren, die mein Handeln genauso wie das Handeln meines Gegenübers bestimmen. Diese Übung kann zu jederzeit an jedem Ort ausgeführt werden. Es empfiehlt sich aber in Situationen zu beginnen, die emotional unverfänglich sind, in denen nicht unsere ganze Aufmerksamkeit anderweitig gebunden ist, also abends auf dem Sofa oder an der Kasse im Supermarkt. Nach und nach sollen diese Aufmerksamkeits-Augenblicke in unseren Tagesablauf wie selbstverständlich integriert werden, so dass der Zugriff auch in schwierigen Momenten gelingt.

 

Dem  Stadium der Selbstwahrnehmung folgt das Stadium des Selbstmanagements, denn Gefühle wahrzunehmen bedeutet nicht, sie auch unmittelbar auszuleben. Wie ein externer Beobachter schaue ich mir die aufsteigenden Emotionen an ohne mich so mitreißen zu  lassen, dass ich meine Handlungsmöglichkeiten verliere. Das bedeutet z.B. in einem Moment, indem ich in die Situation des hilflosen Kindes gerate, mir bewusst zu machen, dass ich heute erwachsen bin und eigene Entscheidungen treffen kann. Anders ausgedrückt in die Beobachterposition zu gehen und damit innere Distanz zu den aufsteigenden Emotionen zu gewinnen. Gelingt die Kontrolle kann z.B. das Kind aufhören zu weinen und der Herrscher, der eigentlich gefragt ist, agieren. Die Aufmerksamkeits-Augenblicke führen dazu, dass innere Figuren und ihre Ausdrucksvarianten bekannt sind und dass in jedem Augenblick der Zugriff auf alle inneren Anteile vorhanden ist.  Es wird die Entscheidungskompetenz, auf welche Art und Weise agiert werden soll, ruhig oder impulsiv, mit nüchterner Überlegung oder empathisch mitschwingend erworben und damit der Handlungsrahmen geschaffen, um angemessen auf die Emotionen anderer zu reagieren.

 

 

 

Zusammenfassend lässt sich folgende Checkliste zum Erwerb emotionaler Intelligenz aufstellen.

 

Schritte zum Erwerb emotionaler Intelligenz:

 

®              Wahrnehmung der Gefühlslage Anderer schulen

 

®              Die Gefühle Anderer nicht bewerten

 

®              Die Gefühle der Anderen respektieren, anerkennen  und in

 

    einem angemessenen Rahmen befriedigen

 

®              Aufmerksamkeits-Augenblicke einführen und trainieren

 

®              Die eigenen inneren Figuren kennen lernen

 

®              Die inneren Figuren am unmittelbaren Handeln hindern

 

®              Die inneren Figuren gezielt einsetzten

 

 

 

Fazit

 

Emotionen und der Umgang damit sind der entscheidende Faktor, um fachliche Kompetenz wirkungsvoll einzusetzen. Erst Emotionen machen authentisch und unverwechselbar, ohne Emotionen wären Menschen austauschbar. Da es als unprofessionell gilt, sie offen zu zeigen, zeigt sich emotionale Intelligenz darin, die eigenen Emotionen im Griff zu haben, nicht offen zur Schau getragene Gefühle zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die innere Bühne

Die innere Bühne

 

Der große Psychoanalytiker C.G. Jung hat einmal gesagt:

 

„Das Unbewusste ist kein dämonisches Ungeheuer, sondern ein moralisch, ästhetisch und intellektuell indifferentes Naturwesen, das nur dann wirklich gefährlich wird, wenn unsere bewusste Einstellung dazu hoffnungslos unrichtig ist. In dem Maße, wie wir verdrängen, steigt die Gefährlichkeit des Unbewussten.“

 

Trotz aller psychologischen Behauptungen haben wir alle nur eine diffuse Vorstellung von unserem Unterbewusstsein. Wir tun uns schwer, Dinge für die wir keinen Namen haben zu begreifen. Wir wissen meistens nicht wer uns da beeinflusst und scheinbar dirigiert.

 

Dabei könnte es so einfach sein. Einmal einen völlig anderen Blickwinkel einnehmen und sich vorstellen, dass unser Unterbewusstsein eine Bühne ist, auf der Schauspieler auf verschiedenen Bühnen unterschiedliche Stücke spielen. Schauspieler, die in unterschiedlichen Momenten nach vorne treten und ihre Rolle spielen. Wir handeln dann wie ein Kind, wie ein König oder wie ein Krieger. Wäre wir uns darüber bewusst, könnten wir alle diese Schauspieler jederzeit rufen und einsetzen. Bewusst immer dann, wenn ihre Rolle gefragt ist und nicht unbewusst, wenn wir sie gerade nicht gebrauchen können.

 

Stellen Sie sich vor, Sie ständen in einem Kreis und die Schauspieler um Sie herum und in jedem Moment könnten Sie frei entscheiden, wen sie rufen wollen. Sie würden die Schauspieler in all ihren Qualitäten kennen und hätten keinerlei Blockaden oder Hemmungen auf sie zuzugreifen. Ein Idealzustand?  Ja, im Normalfall sind wir alle nicht in der Lage so zu handeln. Einige Schauspieler kennen wir überhaupt nicht, bei anderen lehnen wir es ab aufgrund unserer Prägung, Erziehung oder gemachter Erfahrung überhaupt Kontakt aufnehmen zu wollen. Wieder andere sind uns aufgrund unserer Persönlichkeitsstruktur besonders ans Herz gewachsen, wir rufen sie wieder und wieder. Auch in Momenten, wenn sie völlig fehl am Platz sind.

 

Stellen Sie sich doch mal eine Person vor, bei der sich das innere Kind in den Vordergrund drängt, obwohl gerade der zuverlässige Entscheider gefragt ist. Sie meinen, dass passiere doch wohl eher selten. Dann schauen Sie sich doch einmal um im Alltag. Sicher kennen Sie alle  diese verärgerten Zeitgenossen, die, wenn sie ihren Willen nicht bekommen,  einem vorhalten: „Nun werden Sie mal nicht emotional. Das hat hier nichts zu suchen. Hier geht es rein um die Sache!“ Ich höre in solchen Momenten einen dreijährigen schreien „Nein, nein,  ich will nicht!“ Mit Sicherheit würde ein Hinweis auf dieses Verhalten den Ärger ziemlich vergrößern. Die betreffende Person handelt völlig unbewusst. Ein Grund dafür kann sein, dass das innere Kind dieses Menschen grundsätzlich von ihm missachtet wird.  Dieser Mensch kennt  vermutlich Momente ausgelassener Freude  genauso wenig wie Augenblicke, in denen er sich vollkommen anderen Menschen anvertrauen würde. Einfach mal in den Arm genommen zu werden, ist hier nicht vorstellbar.

 

Alle unseren inneren Schauspieler wollen gesehen und wertgeschätzt werden, der Narr genauso wie der König. Ignorieren wir einen von ihnen, dann beginnt er auf sich aufmerksam zu machen. Je länger es dauert, umso heftiger. Er schmeißt uns sozusagen Knüppel zwischen die Beine. Wenn z.B. der Narr auf sich aufmerksam machen will, dann kann es schon mal peinlich werden. Wir kippen dann das Glas Wein versehentlich bei einem wichtigen Geschäftsessen um oder stellen fest, dass wir unvollständig gekleidet losgegangen sind. Passieren uns solche Dinge häufiger, dann sind wir gut beraten, inne zu halten und zu überlegen, wen wir da gerade sträflich vernachlässigen und ihm Raum und Zeit zu widmen. Wir könnten uns  dann zum Beispiel bewusst närrisch benehmen und tanzend über die Einkaufsstraße hüpfen.

 

Viele Menschen haben große Probleme mit ihrem inneren Krieger, mit dem Kämpfer. Er wird assoziiert mit Kampf, Macht und Gewalt und vollständig abgelehnt. Gerade Menschen, die sich auf den spirituellen Weg begeben laufen Gefahr ihn komplett zu vernachlässigen. Wir brauchen ihn aber um vorwärts zu kommen, um die Dinge in die Welt zu bringen, die uns wichtig sind. Strafen wir ihn mit Verachtung, dann hört er natürlich nicht auf zu kämpfen, das ist schließlich seine Aufgabe. Da wir ihm kein Ziel vorgeben, für das er für uns kämpfen soll, wendet er sich mit seiner ganzen Kraft gegen uns selbst, den wir sind dann das einzige Objekt, das er kennt. Depressionen sind die Folge. In der Re-Integrationstherapie, in der mit inneren Bilder gearbeitet wird, mit deren Hilfe diese Anteile wieder in das persönliche Ensemble integriert werden können, tauchen dann Bilder von Kriegern auf, die bis zu den Knien im Schlamm stecken und sich nicht bewegen können. Gelingt es sie in den Bildern wieder in Bewegung zu setzen, können sie auch im realen Leben handeln und die Depressionen verschwinden.

 

Alle diese Schauspieler in uns haben je nach unserer Persönlichkeit unterschiedliche Färbungen. Bei dem einen kämpft der Krieger vorwiegend mit Worten, bei dem anderen denkt er sich Strategien aus, die zum Ziel führen und wieder andere neigen dazu Intrigen zu spinnen. Die Geliebte des einen liegt faul auf dem Sofa und lässt sich am liebsten massieren und verwöhnen, die des anderen liebt das Spiel um die Macht und wieder eine andere mag angeregte Unterhaltungen.

 

Alle diese Färbungen lassen sich im Horoskop eines Menschen  gut erkennen. Dort sind die Planeten die Schauspieler, die Tierkreiszeichen die Bühne und die Häuser das Stück das gespielt wird. Mit den Aspekten der Planeten zueinander können wir erkennen, wer  wen unterstützt und wer wem im Wege steht.

 

Je mehr wir uns „ erlösen“, je bewusster wir werden, desto mehr gelangen wir in die Mitte dieses Radix, an den Ort an dem wir in jedem Moment Zugriff haben auf jeden einzelnen Schauspieler. Das ist dann der Moment, in dem wir verstehen, dass wir nicht diese unterschiedlichen Figuren sind. Der Moment, in dem wir begreifen, dass wir uns in diesem Leben auf diese besondere Art und Weise ausdrücken, mit der wir jederzeit spielen können. Wir verstehen dann auch zutiefst, dass andere Menschen sich auf eine andere Art und Weise ausdrücken, die nicht besser oder schlechter ist als unsere eigene. Wir haben es einfach nur mit unterschiedlichen Schauspielern auf unterschiedlichen Bühnen zu tun. Wie entspannend kann das Leben dann werden….

 

Bewertungen

Ich glaube, alles im Leben ist Energie - frei schwingende Energie.

 

Gedanken, Bewertungen, Erinnerungen begrenzen diese Energie, schicken sie in eine festgelegte Richtung und es ist dem Einzelnen nicht mehr möglich, angemessen auf Ereignisse zu reagieren.

 

Wir stecken fest. Mental, emotional und wenn das lange genug andauert auch körperlich in chronischen Erkrankungen.

 

Was wäre eigentlich, wenn wir mit allem im Leben mitschwingen könnten, ohne Widerstand aufzubauen. Die vermeintlichen Dramen, die wir erleben würden davon nicht ausleiben, aber wir könnten anders damit umgehen.

 

Wie sagt Eckard Tolle: „Wenn du in vollständiger Akzeptanz lebst mit allem, was ist in deinem Leben, dann ist das das Ende aller Dramen!“

 

Dieser Satz erzeugt bei vielen Menschen großen Widerstand. Argumente wie: „Soll ich denn Mörder, Tierquäler, Krieg akzeptieren, den Kopf in den Sand stecken?“ oder „Diese Krankheit ist so schrecklich, das kann ich nicht akzeptieren!“ werden vorgebracht.

 

Die Frage „soll ich akzeptieren“ impliziert, soll ich das Schlechte, das passiert gut heißen, heißt letztendlich, soll ich es anders bewerten. Dann bin ich immer noch nicht raus aus der Bewertung.

 

Es geht aber darum vollständig aufzuhören, etwas zu bewerten. Es einfach sein zu lassen. Bewertungslos zu akzeptieren, dass es da ist.

 

Unvorstellbar?

 

Wenn ich meine, dass ich gerade berufen bin, etwas an der Situation zu verändern, dann kann ich das tun. Lösungsorientiert, im Fluss des Geschehens, annehmend. Ich entscheide für mich,m ich in diese Richtung zu bewegen ohne das Verhalten anderer zu beurteilen.

 

Das ist nicht einfach, denn schließlich können wir nicht vollständig ohne Bewertung durchs Leben laufen, müssen wir doch schon beim Aufstehen bewerten, ob es sich lohnt, die Beine aus dem Bett zu strecken oder nicht. Diese Alltagsbewertungen haben aber ausschließlich mit mir zu tun, sind Entscheidungen darüber, wie ich mich verhalten möchte, in welche Richtung ich heute fließen möchte.

 

Bewertungen über die Flussrichtung von anderen, die ich nicht beeinflussen kann oder sollte, machen uns das Leben schwer, sind unnötig. Diese Bewertungen gilt es abzustellen.

 

Heute ist ein guter Tag, damit anzufangen.

 

Das Glück suchen

Ich schlendere durch die Stadt und blicke in die Gesichter, der Menschen, die mir entgegen kommen.

 

Müde sehen sie aus, verdrossen und verschlossen, traurig und abweisend. Nur wenige Gesichter, die mir freundlich entgegen lächeln, die glücklich und zufrieden aussehen.

 

Ich frage mich, was ist passiert?

 

Wir leben in einem Land, in dem es gemessen an anderen Orten auf dieser Erde, den Menschen gut geht.

 

Trotzdem sind so viele Menschen komplett unzufrieden, unglücklich mit ihrem Leben. Schimpfen auf die Politik, die Gesellschaft, die Anderen, die immer alles falsch machen. Beklagen das Wetter, die Laustärke oder unhöfliche Zeitgenossen.

 

Ja, es gibt sie diese Zeitgenossen, aber sind sie es wert, dass ich ihnen auch nur einen Hauch Aufmerksamkeit schenke?  Und „die Gesellschaft“- bin das nicht immer auch ich?

 

Wenn ich mich auf das Schlechte, Unangenehme fokussiere, dann wird das immer größer und stärker, nimmt mehr und mehr Platz in meinem Leben ein. Vergiftet mich und mein Empfinden.

 

Es gibt im Leben immer, in jedem Moment, das Gute und das Schlechte und es ist meine Entscheidung, wo ich die Aufmerksamkeit hinlenke.

 

Die Umstände sind die Umstände, sie machen erst etwas mit mir, wenn ich beginne sie zu interpretieren, ihnen das Etikett gut oder schlecht verpasse.

 

Welches Etikett ich wähle, das ist meine eigene Entscheidung.

 

Es ist meine Entscheidung, ob ich miesepetrig durch den Tag stolpern möchte oder dankbar die Geschenke finde, die das Leben mir jeden Tag bietet: z.B. Vogelgezwitscher am Morgen, das freundliche Lächeln der Verkäuferin in der Bäckerei, die Sonne, die durch die Wolken lugt, das versunken spielende Kind im Garten nebenan, den dankbaren Mann, den ich an der Supermarktkasse vorlasse. So viele kleine Augenblicke, die mich lächeln lassen.

 

Also denkt dran:

 

Eine neue Entscheidung treffen und glückbringende Momente suchen…. es gibt genug davon!

 

Ostern

Könnt ihr euch noch erinnern an Ostereier suchen im frühlingshaften Sonnenschein oder wahlweise auch bei unfreundlichem Schneeregen?

 

Es musste einfach sein - immer.

 

Kindliche Aufregung und Verwunderung darüber, dass die am Ende vorhandene Ostereiermenge gefühlt nie der gesuchten entsprach. Wie auch? Verteilte doch Opa einfach die ihm anvertrauten Eier einfach aufs Neue.

 

Der Frust, wenn man zu den Jüngeren gehörte und irgendwie immer nicht schnell genug war. Man schwor auf Rache, wenn man endlich gewachsen sein würde. Doch - dann suche man sowieso alleine, weil die Geschwister die Eier schon hinter sich gelassen hatten.

 

Die hoffnungslosen Versuche, dem geliebten Stoffhasen, der in Omas Garten immer so schön Eier legte, auch zu Hause welche zu entlocken.

 

Den Hang zunächst die Eier zu essen, die man nicht so gerne mochte und sich das Beste für den Schluss aufzuheben. Diese an sich tolle Idee, wurde dann oft genug von unliebsamen Geschwistern sabotiert, die ihre Chance witterten und die übriggebliebenen Eier mit den Worten. „Ach, du magst die nicht“ genussvoll verspeisten.

 

Das gemeinsame Ostereier Auspusten und Gestalten  im Vorfeld. Der Ärger über platzende Eier und der Streit um das richtige Dekor.

 

Der bunt gedeckte Osterfrühstückstisch, der Mama immer so wichtig war und an dem so manche Stunde fröhlich lachend verbracht wurde. Mit dem leckeren, komplett ungesunden Osterbrot, das es nur an diesem Tag im Jahr gab.

 

Jeder von euch kann sicherlich noch andere, buntere Geschichten über Ostern erzählen.

 

Sie alle prägen unsere Erinnerung und unsere Haltung zu Ostern, unabhängig von unserem religiösen Bezug zu diesem Tag. Ich behaupte einfach mal, dass diese Erinnerungen sogar stärker und prägender sind als der Besuch diverser Ostergottesdienste.

 

Sie haben unsere Erinnerung geformt- sie sind Teil unserer Geschichte und Geschichten..

 

Wir werden sie weiter geben - an unsere Kinder und Enkelkinder und alles wird sich wiederholen.

 

Schöne Ostern euch allen….

 

 

 

 

 

Kinder


Kinder kommen nicht als unbeschriebenes Blatt zur Welt, sie bringen die unterschiedlichsten Vorlieben, Eigenschaften und Fähigkeiten mit. Da gibt es die stillen, ruhigen, friedlichen, die Eltern überall hin entspannt mitnehmen können. Mit ihrem Lieblingsspielzeug versehen, spielen sie an den unterschiedlichsten Orten ruhig und ohne Aufmerksamkeit zu fordern. Neuen Dingen begegnen sie eher zurückhaltend und ängstlich.
Ganz anders die lebhaften kleinen Menschen, die pausenlos Aufmerksamkeit erfordern. Quirlig sind sie ständig unterwegs. Sie klettern auf nicht dafür vorgesehene Tische, verschwinden im Restaurant unter dem Tisch, um die heruntergefallenen Essensreste zu probieren, machen Zeiten, die eigentlich zum Schlafen vorgesehen zu attraktiven Spielstunden und hinterlassen Eltern, die sich nur noch eines wünschen „Ruhe“. Sie sind neugierig und furchtlos stürzen sie sich in so manches Abenteuer.
Eltern stehen nicht nur vor der spannenden Frage: „Wie werden wir diesen unterschiedlichen Kindern gerecht?“ sondern auch vor der Herausforderung, Kinder in ihrer jeweiligen Eigenart, die der eigenen komplett entgegengesetzt sein kann, ernst zu nehmen und wert zu schätzen.
Da muss der bescheidene, zurückhaltende Vater lernen, dass es in Ordnung ist, wenn sein kleiner Sohn es genießt, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und die ausgesprochen kommunikative Mama hat zu akzeptieren, dass die Tochter lieber schwiegt als redet.
Ja, manchmal scheint es sogar besonders häufig der Fall zu sein, dass Kinder gerade die Eigenschaften zeigen, die bei den Eltern im Schatten liegen. Energiegeladenen, aufgeschlossene Eltern, die einen unruhigen Haushalt führen, können sich dann an einem Kind erfreuen, dass ruhige Abend auf dem Sofa liebt und den Traditionen im Ort verhaftet ist. So, als wollten diese Kinder zeigen: „Schaut doch mal hin, diese Eigenschaften, Wünsche, Vorstellungen habt ihr auch, ihr wollt sie bei euch nur nicht akzeptieren.
Die Auseinandersetzung mit dem Kind beginnt also bei der Auseinandersetzung mit den eigenen ignorierten, nicht akzeptierten persönlichen Anteilen. Geling es diese anzuschauen, so können diese Eigenschaften bei den eigenen Kindern anerkannt und Wert geschätzt werden.
Die spannende Frage, wie gehe ich erziehungsmäßig damit um, bleibt aber dennoch im Raum stehen. Der manchmal stolz geäußerte Satz: „Ich behandele alle meine Kinder gleich“ erscheint damit in einem völlig neuen Licht.
Was heißt das denn „ gleich behandeln“, heißt es an alle Kinder die gleichen Anforderungen zu stellen, alle Kinder mit den gleichen Vorschriften zu konfrontieren oder heißt es vielleicht, allen Kindern gleich gerecht zu werden, indem ihre Fähigkeiten und Schwierigkeiten adäquat berücksichtigt werden.
Den ruhigen, zurückhaltenden Kindern Möglichkeiten verschaffen, eigene, positive Erfahrungen zu machen, sie mit so wenig Regeln und Einschränkungen zu belegen wie möglich. Da kann dann manchmal bedeuten unaufgeräumte Zimmer zuzulassen, zu spät kommen zu tolerieren und nicht gehaltene Versprechen nachsichtig zu ignorieren.
Diese Erziehungsmethode würde unter Umständen aus quirligen, lebhaften, selbstbewussten Kindern egoistische Tyrannen machen. Hier gilt es Möglichkeiten und Räume zu schaffen, in denen diese Kinder ihre ganze Lebendigkeit wertfrei ausleben können, ihnen aber andererseits auch zu vermitteln, dass nicht alle Menschen mit ihrer Energie gut zurechtkommen und sie lernen müssen, dass es Situationen gibt, in denen sie sich den Vorstellungen und Wünschen Anderer anpassen müssen.
Ihnen klare Grenzen setzten und auf deren Einhaltung bestehen, denn das vermittelt gerade Kindern, die dazu neigen übers Ziel hinauszuschießen die Sicherheit, die sie zum groß werden benötigen. Da sie meistens auch zu den Kindern gehören, die Wettkämpfe lieben, werden sie auch den Wettkampf mit den Eltern immer wieder suchen und einfordern.
Für Eltern eine spannende Aufgabe, die ein hoihes Maß an Flexibilität erfordert.

Das Geschenk hochsensibel zu sein

Im Augenblick wird viel geschrieben oder gesprochen über Hochsensibilität. Viel Positives, aber manches Mal auch viel Unsinn. Diverse Gruppen bei Facebook haben sich gebildet. In diesen Gruppen wird häufig geklagt über die niedrige Reizschwelle, darüber das alles zu viel ist und darüber, dass die Betroffenen auf Unverständnis in ihrer Umwelt stoßen.

 

Ich denke dann immer: „Oh, wie schade“ . Was für eine Vergeudung von Potential und Energie.

 

 Es gibt Menschen, die besitzen das absolute Gehör, das heißt, dass sie in der Lage sind exakt zu hören, ob ein Ton richtig getroffen ist. Eine wunderbare Gabe, die zu großer Musikalität befähigt.

 

Für die Menschen aber durchaus eine Gabe, die das eine oder andere Mal anstrengend werden kann. Anstrengend immer dann, wenn sie in einem Konzert sitzen, denn einer spielt immer mal falsch. Diese Menschen können jetzt entscheiden, Konzerte zu meiden, weil es sie verletzt, wenn Musik nicht perfekt dargeboten wird. Sie können in Konzerte gehen, sich ärgern und hinter her herumlamentieren, dass die Musiker einfach unfähig sind. Oder sie entscheiden sich, in Konzerte zu gehen und lächelnd, die nicht perfekten Sequenzen zu ignorieren und sich an dem Gesamtkunstwerk zu erfreuen und einen netten Abend zu genießen.

 

Sie haben die Wahl.

 

Bislang habe ich viele Hochsensible erlebt, die sich entschieden haben, in ihr Konzert zu gehen und anschließend zu schimpfen und zu jammern. Wie schade.

 

Was wäre, wenn es gelänge, den Schleier dieses persönlichen Konzeptes zu lüften und in einen anderen Zustand zu gelangen. In einen Zustand, in dem Freude und Zufriedenheit mit den eigenen Fähigkeiten vorhanden ist. Eine Zustand, in dem die Betroffenen von den eigenen Fähigkeiten genährt werden. Einen Zustand, in dem das Augenmerk auf die Fähigkeiten und nicht auf die Schwachstellen gelegt wird.

 

Die Fähigkeit schnell zu spüren, warum es geht, zu spüren, in welcher Verfassung mein Gegenüber gerade ist. Die Fähigkeit umfassender, detaillierter zu denken als meine Umgebung. Die Fähigkeit kreative Lösungen zu entwickeln. Das Wissen, dass die Welt diese hochsensiblen Menschen dringend braucht, auch wenn noch nicht alle das erkannt haben.

 

Hochmusikalische Menschen hören ja auch nicht auf Musik zu machen, nur weil mal einer den falschen Ton trifft. Also ihr lieben Hochsensiblen, steht zu euren Fähigkeiten und schenkt sie der Welt - die wartet darauf …..

 

Jammern und so

Kennt ihr auch diese Menschen, die sich durch den Tag jammern?

 

Das Wetter ist schlecht, die Menschen im Umfeld sind blöde und die Haare sitzen auch nicht. Es gibt immer etwas, über das man sich lauthals beklagen kann. Sie jammern, wenn ihnen etwas wirklich Dramatisches passiert und sie jammern wenn es um Kleinigkeiten geht. Manchmal stoßen sie auf Zeitgenossen, die dann gerne mitjammern und man bekommt den Eindruck: Gemeinsam jammern ist irgendwie toll.

 

Mein Mutter sagte dann immer den Satz: „Jammern ist Stuhlgang der Seele und manche haben halt einfach Durchfall“. Sie hatte so Recht!

 

Ich selber, meistens sehr lösungsorientiert unterwegs,  kann es nicht leiden zu jammern und ich finde es auch an keiner Stelle irgendwie hilfreich. Ok, für manche Menschen mag es erleichternd sein, sein Leid zu klagen und für einen kurzen Moment Trost von anderen zu bekommen. Für einen kurzen Moment entlastet jammern vielleicht von dem Druck, der gerade da ist.

 

Aber der Trost, den sie erhalten, ist ja maximal ein Trostpflaster, er ändert nichts an der Situation, in der sie sich gerade befinden. Und ständiges Jammern bringt die Betroffenen keinen Schritt weiter.

 

„Opferrolle“ heißt das Stichwort. Derjenige, der jammert, vor allem der, der dauerhaft jammert, konzentriert sich auf das, was gerade nicht optimal läuft, er verstärkt die negativen Gefühle von Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit. Verharrt in dem unerfreulichen Zustand ohne nach Lösungen zu suchen. Lebt vom Mitleid der Umwelt.

 

Wieviel besser wäre es die „Jammer“energie für die Suche nach Lösungen einzusetzen, den Fokus auf die Dinge zu lenken, die gerade gut laufen, für die wir dankbar sein können. Die gibt es, immer. Man muss nur die Augen offen halten, damit sie auch bemerkt werden können.

 

Jammern macht klein - aktiv werden und die Situation verändern macht stark.

 

Viel Erfolg dabei

 

 

 

 

 

Ho'oponopono - die Zweite

Letzte Woche habe ich über geschrieben - über das alte hawaiianische Vergebungsritual. Er ist auch auf meiner Community-Seite " Leben und so" (www.facebook.com/lebenundso)

 

erschienen. Viele Menschen haben diesen Artikel dort gelesen und er hat bei einigen erzürnte Reaktionen hervorgerufen. Von Beschimpfungen  bis zu  völligem Unverständnis war alles dabei.

 

Ich habe alle diese Kommentare gelöscht, nicht weil ich irgendjemandem den Mund verbieten möchte, sondern weil ich solch eine negative, hasserfüllte Energie nicht auf meiner Seite haben möchte.

 

Verstanden hatten Sie alle den Artikel nicht.

 

Bei mir kam mit all diesen Äußerungen an, dass da vor dem PC Menschen saßen, die mit sich und der Welt komplett unzufrieden sind und gerne mit dem Finger auf andere zeigen, dabei aber komplett vergessen, dass immer dann, wenn ein Finger auf andere weist, drei Finger auf einen selber zeigen.

 

Menschen, die eine klare Vorstellung von ganz richtig und ganz falsch haben, dazwischen gibt es dann nichts.

 

Ich kann bei solchen Statements, die Wut, den Hass und die erlittenen Verletzungen dieser Menschen körperlich fühlen und neben meiner Verärgerung taucht dann auch immer eine gehörige Portion Mitleid auf, weil ich mich frage, was für eine Welt sich diese Menschen zurecht gezimmert haben und wie fürchterlich es sein muss, darin zu leben.

Und wenn ich es nicht schon vorher gewusst hätte, hat es mich nur noch mehr in der Überzeugung bestätigt, dass Ho’oponopono wichtiger denn je ist- Für alle verletzten Seelen……

 

Ho’oponopono

Diese Woche: in der Fernsehsendung „Hart aber Fair“ wird über unser Rechtssystem diskutiert. Tenor: „Brauchen wir härtere Strafen?“. Auf der zugehörigen Facebook-Seite werden Meinungen gepostet. Überwiegende Meinung: Auf jeden Fall härtere Strafen, Täter weg sperren, keine Gnade.

 

Schon in der Sendung habe ich mich gefragt.

 

Was ist das eigentlich für ein System?

 

Wieviel von der alttestamentarischen Rache „Aug um Auge“ steckt noch in den Köpfen der Menschen?

 

Wieso empfinden anscheinend alle Genugtuung, wenn Täter für ihr Vorgehen hart bestraft werden?

 

Und was ändert sich durch die Strafen wirklich?

 

Damit wir uns richtig verstehen, natürlich ist es in Ordnung Menschen, die sich selbst und andere gefährden, davon abzuhalten, dies weiterhin zu tun - zum Schutz, aber nicht aus Rache.

 

Ich weiß nicht, ob das Problem, heißt der Kummer, die Verletzungen, das Falsche, das gelernt wurde, durch einen Gefängnisaufenthalt  verschwindet. Im Gegenteil, gerade, wenn junge Menschen eingesperrt werden, lernen sie im Gefängnis vermutlich noch dazu und zwar Dinge, die sie besser nicht lernen sollten. Und sie lernen auf jeden Fall, dass Justiz nach den Gesetzen der Straße funktioniert: Fehlverhalten wird abgestraft.

 

Im Sinne des hawaiianischen  Ho’oponopono hat aber das Verhalten der Straftäter ganz viel mit uns zu tun. Sie zeigen die Aggression, die Wut, die Verletzungen, die in uns allen stecken. Unsere Gesellschaft will damit nichts zu tun haben und deshalb sollen alle  Täter aus der Gesellschaft entfernt werden.

 

Anders beim Ho’oponopono, hier handelt es sich um ein  altes hawaiianisches Vergebungsritual, das immer in den Großfamilien abgehalten wurde, wenn jemand krank war oder sich falsch verhalten hatte oder wenn ein Konflikt gemeinsam zu lösen war. Die Hawaiianer  gingen davon aus, dass alle Menschen miteinander verbunden sind, die Quantenphysik hast das mittlerweile auch bewiesen. Das Verhalten von Menschen zeigt, dass ihre Ahnen oder sie selbst diese Person bewusst oder unbewusst verletzt haben müssen. Mit dieser Haltung haben sie das Problem zu ihrem eigenen gemacht und die volle Verantwortung dafür übernommen. Die Kontrahenten blieben auf diese Weise in der Gemeinschaft integriert – selbst bei einer eventuellen Bestrafung.

 

Bekannt ist die Geschichte von Dr. Len, der die Leitung einer forensischen Station übernahm, auf der ziemlich viel in Unordnung war. Personalmangel und psychisch kranke Straftäter. Er fragte sich:  „Was ist in mir, dass ich mit diesen Gefühlen in Berührung komme und sie mir in meinem Leben begegnen?“ Mehrmals täglich sprach er  dann die folgenden vier Sätze.

 

    Es tut mir leid (ich stelle mich dem Problem).

 

    Bitte verzeih mir (für die bewusste oder unbewusste Verletzung).

 

    Ich liebe dich (Bedingungslose Liebe für dich und mich und ich sehe das Göttliche in dir).

 

    Danke (Für Erkenntnis und Heilung des Problems)

 

Alles Negative wurde durch diese Handlung gereinigt und nach 18 Monaten hatte sich die Situation entscheidend verbessert, nach 4 Jahren waren 28 der ursprünglich 30 Insassen geheilt entlassen worden, obwohl Dr.Len nie persönlich mit Ihnen gesprochen hat.

 

Was wäre, wenn wir alle begännen diese Ho’oponopono- Ritual zu praktizieren?

 

Übrigens: Die Reaktionen der Schreiber auf der Facebook- Seite, die mich in der Luft zerrissen haben, weil ich die Sinnhaftigkeit der Äußerungen dort in Frage gestellt habe, haben mir nur gezeigt wie wichtig dieses Ritual ist. - Für alle!

 

 

 

Flow

Letze Woche habe ich darüber geschrieben, dass wir alle in den Flow kommen können, wenn wir uns auf den Moment einlassen, dem was gerade ist hingeben. Das ist eine Möglichkeit….

 

Nach dem ehemalige Professor für Psychologie mit dem unaussprechlichen Namen:

 

Mihály Csíkszentmihályi, der auch Glücksforscher  genannt wird, sind um in den Flow zu kommen, verschiedene Bedingungen erforderlich: ein klares Ziel vor Augen, volle Konzentration auf das Tun, das Gefühl der Kontrolle über die Tätigkeit, der Einklang von Anforderung und Fähigkeit - ohne Anstrengung - ohne Überforderung, Angst und Langeweile.

 

Anforderung und Langeweile, zwei entgegengesetzte Zustände. Heißt, wir kommen nicht in den Flow, wenn wir von einer Aufgabe gelangweilt sind, wenn wir uns ausschließlich in unserer Komfortzone bewegen, es uns bequem machen.

 

Alle Helikoptereltern, die versuchen, ihren Kindern jegliche Unannehmlichkeit zu ersparen, können sich an dieser Stelle mal fragen, warum sie ihren Kindern eigentlich die Erfahrung des Flows verweigern.

 

In den Flow kommen wir, wenn wir unsere Komfortzone ein wenig verlassen, einen Schritt auf unbekanntes Gebiet machen. Dieser Schritt darf nicht zu groß sein, damit wir nicht ins Straucheln geraten, uns nicht überfordern und er darf nicht zu klein sein, damit wir uns nicht langweilen.

 

Wenn wir uns trauen unsere Komfortzone aufzugeben, vertrautes Terrain zu verlassen, gelangen wir in den Flow.

 

 Das kann örtlich sei, in dem wir eine Reise machen.

 

Das kann sich auf das Erlernen von Tätigkeiten beziehen, eine neue Sprache, ein Instrument spielen lernen.

 

Das kann auch eine Herausforderung sein, vor einer Gruppe zu sprechen zum Beispiel, neue Kontakte zu knüpfen.

 

Was auch immer es ist, die Hauptsache ist, wir probieren etwas Neues aus. Mehr als Scheitern können wir ja nicht und selbst das Scheitern bringt uns einen großen Zuwachs an Erfahrung.

 

Und ihr wisst ja? Jeder Weg in die Sackgasse erweitert die Umgebungskenntnisse….

 

Flow - die Zweite

 

 

Wikipedia sagt: „Flow (englisch „Fließen, Rinnen, Strömen“) bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder auch Funktionslust.“

 

Tätigkeitsrausch oder Funktionslust - was für wunderbare Wörter. Ich sehe dann sofort tanzende, strahlende, in sich versunkene Menschen vor mir. Ganz ehrlich? Wie oft am Tag seid ihr in genau diesem Zustand?  Häufig, selten oder eigentlich nie?  Weil, die Arbeit keinen Spaß macht, weil es Anforderungen von außen gibt, die nicht beeinflusst werden können, weil die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung macht, weil Spaß und Lust für die Freizeit reserviert sind, weil man sich Sorgen machen muss?

 

Wie schade! Was für eine Verschwendung von Lebenszeit, die nie wieder kommen wird!

 

Wir alle können Manches, das zu unserem Alltag gehört, gar nicht oder nur eingeschränkt beeinflussen.Was wir aber beeinflussen können ist unsere Haltung dazu. Wir können jederzeit in jedem Moment frei entscheiden, wie wir mit den Anforderungen umgehen wollen. Ob wir uns voll darauf einlassen wollen, uns diesem Moment hingeben wollen, in den Flow kommen können oder ob wir unsere Energie für Widerstand und Ängste einsetzen. Ob wir die Bewertungen in unserem Kopf abstellen können und mit dem Moment mitschwingen.

 

Ich bin aufgewachsen mit einem Vater, der berichtet hat, dass er im Krieg im Schützengraben immer dann, wenn er nichts tun konnte, geschlafen hat, weil er der Meinung war: Jetzt kann ich sowieso nichts tun, wenn wir getroffen werden, werden wir getroffen, egal ob ich zitternd dasitze oder schlafe, aber wenn ich jetzt schlafe, kann ich nachher besser weiter marschieren. Wie klug!

 

Er hat auch später in Gefangenschaft als es nicht zu tun gab, den ganzen Tag über Dinge gesammelt, die er auf dem Gelände fand: Drähte, Steine, Knöpfe, Metallstücke. Alle diese Dinge haben ihm nicht nur eine besondere Rolle gegeben, denn damit konnte er, handwerklich begabt wie er war, das eine oder andere Teil für andere reparieren, das Sammeln hat ihm auch geholfen, nicht mit der aktuell nicht zu verändernde Situation zu hadern. Wie weise!

 

Mir ist erst viel später bewusst geworden, wie sehr mich diese Haltung geprägt hat, wie sehr ich sie mir zu Eigen gemacht habe: Die Dinge sind wie sie sind - es liegt an mir das Beste für mich daraus zu machen.  Im Fluß, im Flow sein ist möglich - immer!

 

Spiritualität

Sucht man bei der Social Community „Xing“, einer Plattform im Internet, die geschäftliche Netzwerke schafft, nach Gruppen zum Thema „Spiritualität“ so werden ca. 90 Gruppen angezeigt, die Titel tragen wie:

 

  • The spirit of finance - Spirituelle Finanzberatung
  • Bildung und Spiritualität
  • Angewandte Spiritualität für Unternehmer und Selbständige

 

 

 

Dieses Thema scheint die Menschen zu interessieren, in den Gruppen wird lebhaft diskutiert. Das Bedürfnis nach mehr Sinn im Leben als Geld zu verdienen und Karriere  zu machen, ist spürbar.

 

Und doch ist die Diskussion geprägt von Menschen, die ziemlich abgehoben, völlig alltagsuntaugliche Vorschläge machen, von Menschen, die dagegen halten und darauf pochen, dass allein nur die Naturwissenschaften ihre Berechtigung haben. Völlige Uneinigkeit besteht darüber, was denn nun eigentlich unter „Spiritualität“ zu verstehen ist.

 

Wikipedia sagt dazu:

 

Spiritualität (von lat. spiritus  ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘ – wie altgr. ψύχω bzw. ψυχή, siehe Psyche) bedeutet im weitesten Sinne Geistigkeit und kann eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung meinen. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht dann auch immer für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.

 

Nimmt man das als Grundlage, dann soll also die Verbindung hergestellt werden zwischen unserem Alltag und den Dingen jenseits unseres Wissens aber auch die Verbindung zwischen der Materie und  dem Geistigem.

 

Dem Leben, das wir führen soll Bedeutung eingehaucht werden, weil wir spüren, dass die Dinge, die wir tun, oftmals keine Bedeutung haben - „Sinn“los sind. Und immer wenn wir keinen Sinn erkennen können, in dem was wir tun, dann leiden wir.

 

Oft entsteht bei diesen Bemühungen, bei mir der Eindruck, dass die Menschen glauben, es reiche aus den „Spirit“ mit dem Kopf zu begreifen. Es reiche aus darüber reden zu können, es reiche aus, sich ein Weltbild zu Recht zu zimmern, das Erklärungen liefert, mich aber nicht dazu zwingt, entscheidende Änderungen in meinem Leben vorzunehmen.

 

Wenn „spiro“ heißt „ich atme“, dann bedarf auch Spiritualität des Ein- und Ausatmens. Den Atmen des Universums aufzunehmen und loszulassen.

 

Das kann ich nur dann tun, wenn ich in meinem Handeln nicht anderen die Luft zum Atmen nehme. Wenn ich offen bin, bei mir bleibe, andere nicht be- und entwerte.

 

Die ethischen und moralischen Ansprüche, über die ich diskutiere auch im Alltag lebe - immer und ausschließlich, nicht nur manchmal, wenn es mir in den Kram passt und mir keine Nachteile bereitet.

 

Das ist langfristig nicht anstrengend, denn wie viel Energie könnte von jedem einzelnen eingespart werden? Energie, die im Augenblick für Abwehr, sich durchsetzen, Ansprüchen folgen und Konkurrenzverhalten vergeudet wird.

 

Dann bin ich im „Flow“…

 

Doch davon nächste Woche

 

 

 

Gespräche am Sonntag

Sonntagmorgen, 50 Menschen treffen sich, um gemeinsam boßeln zu gehen. Wie das immer so ist, die Männer quatschen auf dem Weg über Autos, Technik und Fußball und die Frauen über ihre inzwischen erwachsenen Kinder.

 

Schwankend zwischen Erstaunen und Entsetzen lausche ich den Gesprächen. Da wird von gerade geborenen Enkelkindern berichtet und wie falsch die jungen Eltern damit umgehen. Das man ihnen zum Beispiel gesagt habe, sie dürften auf keinen Fall, das Baby aufs Sofa legen, irgendwann wäre es soweit, sich drehen zu können und würde dann herunter fallen.

 

Ich denke bei mir „Du liebe Güte - was für Stress!“ und ich frage mich: „Ihr wart doch auch mal junge Eltern und habt das Recht auf eure eigenen Fehler eingefordert?“.  Ich bin fest davon überzeugt, die jungen Eltern wachsen gemeinsam mit ihrem kleinen Säugling und werden es schon rechtzeitig merken, wenn Gefahr im Verzug ist. Ganz alleine und völlig ohne Einmischung.

 

Und ich frage mich, welchen Blick haben diese Großeltern auf ihre inzwischen erwachsenen Kinder und welches Vertrauen haben sie in die von ihnen praktizierte Erziehung? Kann ja nicht so erfolgreich gewesen sein, wenn der Nachwuchs nun nicht in der Lage ist, seine eigene Verantwortung zu übernehmen. Oder können sie nicht damit umgehen, dass sie selbst jetzt irgendwie arbeitslos sind, dass ihre Hilfe und ihr Rat nicht mehr in dem Maß gefordert ist, wie es über lange Jahre der Fall war? Dass sie Kontrolle abgeben müssen?

 

Meine eigenen Kinder haben inzwischen auch eigene Kinder und ich finde sie gehen wunderbar damit um. Klar machen sie einige Dinge anders, als wir es gemacht haben. Aber sie haben andere Persönlichkeiten als ich, sie gehören einer anderen Generation an und es geht mich nichts an.

 

Es würde mich nur dann etwas angehen, wenn ich den Eindruck hätte, dass die Enkelkinder vernachlässigt werden und  Schaden an Körper und Seele nehmen. Da das nicht der Fall ist, ist meine einzige Aufgabe, die Enkelkinder und ihre Eltern zu genießen, wenn sie Zeit mit mir verbringen mögen. Dankbar zu sein, dass der Staffelstab problemlos weitergereicht werden konnte.

 

Das Alles traue ich mich nicht an diesem Sonntagvormittag zu sagen, da es auf Unverständnis und Widerstand gestoßen wäre und ich an diesem Tag keine Lust auf Diskussionen hatte.

 

So wanderte ich still, lauschend mit ihnen durch die Felder, war traurig weil Menschen sich das Leben so unnötig schwer machen können und wunderte mich wie so oft darüber, in welch unterschiedlichen Universen wir alle leben.

 

Schlafen oder nicht schlafen?

Sondierungsverhandlungen, die sich über Tage hinziehen und in der Endphase in einem Sitzungsmarathon enden. Wir sehen übernächtigte Politiker, mit Rändern untern den Augen, die versuchen, der Nation weis zu machen, sie hätten gut gearbeitet. Wie gut zeigte sich dann im Laufe der folgenden Tage, aber darum geht es mir heute gar nicht.

 

Ich frage mich in solchen Momenten immer: „Was soll das?“ „Glauben diese Menschen wirklich, sie könnten ohne Ruhepause und ohne Schlaf vernünftige Resultate erzielen?

 

Was geben sie für ein Vorbild ab?

 

Sie suggerieren, dass es eine großartige Leistung ist, über die eigenen Grenzen hinwegzugehen, dass es gut ist, hart gegen sich selbst zu sein und das sie tolle Wesen sind, die das leisten können. Kleine Kinder, die nicht schlafen wollen, überzeugen die Eltern notfalls mit sanftem Druck, endlich die Augen zu schließen und neue Kräfte zu tanken. Wo bleiben hier die Eltern?

 

Ok, ich gestehe, vielleicht liegt es einfach daran, dass ich so etwas nicht kann. Mein Körper zieht an irgendeinem Punkt die Reißleine und sagt mir „schlafen - jetzt!“. In solchen Momenten ist mir dann alles andere egal, nichts ist mehr wichtig für mich außer schlafen. Ist das dann egoistisch? Naiv? Verantwortungslos? Oder ist es schlicht und ergreifend ziemlich gesund?

 

Ich tendiere zu Letzterem. Für mich ist das gesund, denn nur, wenn ich ausgeschlafen bin, kann ich dauerhaft Leistung bringen, Gutes für Andere tun. Probleme lassen sich ausgeschlafen auf jeden Fall besser lösen als im übermüdeten Zustand.

 

Menschen haben sicherlich unterschiedliche Schlafbedürfnisse. Da gibt es welche, die kommen mit 4 Stunden Schlaf aus und andere brauchen mindestens 7 Stunden - aber Schlaf brauchen sie alle. Die Medizin weiß, dass Schlafmangel zu Halluzinationen bzw. Wahnvorstellungen führen und manisches Verhalten hervorrufen kann. Diese Symptome können sich bereits nach 24-48 Stunden zeigen. Ganz ehrlich? Brauchen wir Entscheider mit Wahnvorstellungen? Ich glaube nicht!

 

Politiker, die es anscheinend gewohnt sind, ihre körperlichen Grenzen zu missachten, kommen vermutlich nicht von alleine auf die Idee, hier etwas zu verändern. Da sie alle aber sehr öffentlichkeitsabhängig sind, wäre es also die Aufgabe der Medien, hier die Bewunderung (, die in so manchem Kommentar leise mitschwang) zu entziehen. Was wäre, wenn die Nation, lautstark protestieren würde, signalisieren würde, das war Mist. Wenn in unseren Köpfen endlich ankäme, dass wir alle Ruhepausen brauchen und dass es kein Zeichen besonderer Fähigkeiten ist, Non-Stopp zu arbeiten. Sondern, dass es ein Zeichen dafür ist, dass es entweder einen unerlösten inneren Antreiber gibt, der signalisiert, du bist nur gut, wenn du übermenschliche Leistung bringst oder dass es sich um Menschen handelt, die wenig sensibel sind und eh nix merken. Beide sind auf jeden Fall keine guten Vorbilder für ein gelungenes Zusammenleben. Die einen müssen noch eine Menge an kindlichen Traumata verarbeiten und den anderen fehlt die Empathie für die Umwelt.

 

Wie wäre es, wenn wir alle anfingen, diejenigen zu bewundern, die sich ausgiebige Ruhepausen gönnen? Mittagsschlaf, rechtzeitig Feierabend, Wochenende, Urlaub. Die Menschen, die sagen: „Ich habe Zeit für dich und mich“.

 

Wäre das nicht großartig?

 

Jammern oder was?

 

Kennt ihr den Spruch: „Lass mich, ich muss mich da jetzt kurz mal reinsteigern!“

 

Wenn ich so durch den Alltag gehe, habe ich das Gefühl das viele, ich finde zu viele Menschen diesen Satz täglich befolgen, auch wenn sie ihn nicht direkt kennen.

 

Sie regen sich über ungelegte Eier auf, schimpfen über vermeintlich nervende Zeitgenossen, seufzen und jammern darüber, wie schwer sie es haben. Meine Mutter sagte immer: „Jammern ist Stuhlgang der Seele und manche haben einfach Durchfall“. Heißt ein bisschen jammern, kann durchaus gesund sein, zu viel davon macht krank.

 

Im Leben von jedem passieren Dinge, die nicht gewollt sind, Krankheit, Missgeschicke, ein Unfall, finanzielle Probleme, Kritik, Misserfolge. Daran kann der Einzelne nur bedingt etwas ändern. Wenn so etwas passiert, neigen viele Menschen dazu, sich sofort in die Rolle des armen Opfers zu begeben. Warum passiert das ausgerechnet mir?

 

Warum immer ich?

 

Ich will das nicht!

 

Ich kann das nicht ertragen!

 

 

 

Das was geschieht, geschieht, egal was wir darüber denken, was wir für Gefühle dazu haben.

 

 

 

ES IST!

 

 

 

Wir haben Energie zur Verfügung, um all die Probleme zu lösen, die uns begegnen.

 

Diese Energie können wir in unsere Abwehr, in unser Jammern stecken oder dazu nutzen eine Lösung zu finden.

 

Wir können mit dieser Energie unser Vertrauen kultivieren und stärken, dass wir jederzeit am richtigen Ort sind und das alles, was passiert zu uns gehört und eine Lernaufgabe beinhaltet. Manchmal ist es nicht einfach, diese Lernaufgabe zu erkennen,

 

manchmal verweigern wir uns, diese Lernaufgabe zu akzeptieren.

 

Sicher ist, sie wird nicht aufhören solange wir im Widerstand bleiben.

 

Annehmen was ist, macht leicht, versetzt uns in die Lage anstehende Aufgaben zu lösen.

 

Wir werden zu einem Menschen, dem andere eine bewundernswerte Energie zu schreiben.

 

Natürlich gibt es dann vermeintlich mehr Energie, denn die vorhandene Energie steht unblockiert zu Verfügung und kann sich so voll entfalten.

 

Für alle, die jetzt glauben, dies seien theoretische Überlegungen - ich darf gerade erfahren wie das funktioniert. Die Pflege eines schwer erkrankten Ehemanns, die eigene Berufstätigkeit, Ehrenämter und erwachsene Kinder und Enkelkinder möchten meine Aufmerksamkeit. Meistens gelingt es mir nicht in den Widerstand zu gehen, die anfallende Arbeit zu erledigen und mir etwas Gutes zu tun, damit die Energie frei fließen kann.

 

Es geht mir gut, kein Grund zum Jammern. Ich bin dankbar, dass mein Mann lebt, dass ich die Fähigkeit habe gut organisiert zu sein, Hilfe und Unterstützung bekomme, wenn ich sie anfordere, dass ich lernen darf, im Vertrauen zu bleiben - immer!

 

 

 

Der wundervolle indische Priester Gaur Gopal Prabhu bringt es auf den Punkt:

 

Then why worry?

 

(zu sehen bei youtube www.youtube.com/watch?v=9YRjX3A_8cM)

 

Alles neu

Das neue Jahr ist wenige Tage alt. Frisch und unverbraucht liegt es vor uns.

 

Vielleicht werden all die guten Vorsätze, die am 31.12. gefasst wurden in die Tat umgesetzt - oder sie sind bereits ein bisschen in Vergessenheit geraten.

 

Wie geht doch der Spruch: „ Es gibt nichts Gutes - außer man tut es“ -also, die Zeit ist günstig etwas Neues zu beginnen.

 

Heute startet die Community „Leben und so“ bei Facebook. Die Texte aus dem Wochenendsplitter werden dort auftauchen, erweitert um spontane Impulse, verrückte Ideen und meine Überzeugungen.

 

Jeder von trägt einen großen Schatz an Wissen in sich. Wissen, dass er oder sie bereits in dieses Leben mitgebracht hat, Wissen, das im Laufe des Lebens erworben wurde. Ich bin der festen Überzeugung, Wissen ist dazu da, geteilt zu werden. Nur wenn es geteilt wird, kann es wie ein Same, neue ganz andere Blüten hervorbringen. Blüten, die durch Übernehmen und auf die eigene Weise verändern entstehen. Blüten, die durch Reibung und Diskussion entstehen, weil jemand so ganz anderes Wissen angesammelt hat. Blüten, die durch Begeisterung über das vielleicht neue Wissen entstehen.

 

Ich bin gespannt, welche Reaktionen meine Impulse hervorrufen werden.

 

Ken Wilber, der amerikanische Philosoph hat einmal gesagt: „Alles, was es auf der Erde gibt, ist ein bisschen richtig, sonst wäre es nicht da“.

 

In diesem Sinne, lest die Texte kritisch und neugierig - es lohnt sich - immer.

 

Sylvester

T.S. Elliot der großartige Dichter und Nobelpreisträger, der in diesen Tagen vor mehr als 50 Jahren verstorben ist, hat einmal gesagt:

 

„Was wir den Anfang nennen ist oft das Ende. Und etwas zu beenden, bedeutet etwas anzufangen. Vom Ende aus fangen wir von neuem an.“ 

 

Ich finde, dieses Zitat passt wunderbar zum Ende eines Jahres. Ich habe in dem Zeitraum zwischen Weihnachten und Sylvester, den man ja auch „zwischen den Jahren“ nennt, immer das Gefühl, dass ich im Nichts lebe, in einer Welt, die aufhört zu atmen, damit wir uns sortieren und neu orientieren können. Ein Gefühl von „Nullpunkt“, dass etwas endet und das Neue noch unschuldig vor mir liegt. Der Terminkalender für das neue Jahr ist noch leer, fast jungfräulich und wartet darauf gefüllt zu werden.

 

Ja, ich weiß, das ist ein bisschen Quatsch, denn ich werde mich auch im neuen Jahr ärgern über Schuhe, die im Flur herumfliegen oder über unpünktliche Zeitgenossen. Ich werde auch im neuen Jahr nicht wirklich erfreut über Rechnungen sein, die ins Haus flattern, ich werde meinen Terminkalender schneller füllen als mir lieb ist  und ich verspreche euch, ich werde meine Angewohnheit immer einen Kommentar abzugeben, zu eurem Ärger auch im neuen Jahr nicht aufgeben. Warum also dieses ganze Brimborium um den Jahreswechsel?

 

Ich glaube wir Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach zeitlicher Gliederung, die uns hilft das Vergangene mit dem Zukünftigen zu verbinden. Hätten wir diese Gliederungen nicht, würden wir vermutlich orientierungslos sein. Wir wünschen uns einen „Guten Rutsch“, damit es gelingen möge. Ich habe mir als Kind dann immer eine große Rutsche vorgestellt, die uns vom alten Jahr ins neue Jahr rutschen lässt und – ganz ehrlich? Das Bild taucht heute noch auf, wenn mir jemand einen „Guten Rutsch“ wünscht. Dabei ist rutschen mit diesem Spruch ursprünglich gar nicht gemeint. Auf Jiddisch wünscht man sich in der Zeit vor und nach dem Neujahrstag "a git Rosch“, was so viel heißt wie „einen guten Anfang“. Und wie schön, dass wir mit Silvester einen Zeitpunkt haben, an dem alle gemeinsam etwas gebührend verabschieden und neu anfangen können.

 

Wie sagte schon Herman Hesse: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

 

Wünschen wir uns also alle einen guten Anfang, willkommen 2018.

 

Weihnachten

 

In diesen Tagen fiel mir ein spannender Text zur Weihnacht in die Hände.

 

Geschrieben wurde über die Bedeutung der „Jungfrauengeburt“. Die Sprache der Bibel ist an dieser Stelle eine mystische, symbolhafte und keine naturwissenschaftliche, historische. Symbolhaft steht die Jungfrauengeburt für den Abschied vom Patriachat. Es kommt etwas Neues, Wertvolles zur Welt ohne Zutun des Männlichen. Allein durch die Kraft des Geistes. Geist ist in der hebräischen Bibel eine „Die“, ist eine weibliche, schöpferische Kraft.

 

Wir warten immer noch darauf, dass dieses Symbol im Alltag Wirklichkeit wird. Warten darauf, dass männliche Machstrukturen sich verabschieden zum Wohle aller. Die große Mutter, über die ich in den letzten Wochen geschrieben habe, endlich in den Vordergrund tritt.

 

Über die Jahre - und seien wir ehrlich, es sind tausende von Jahren, haben wir uns an das männliche Prinzip gewöhnt und halten es für Normal. Das männliche Prinzip ist kämpferisch, fokussiert, dynamisch, leistungs- und wettbewerbsorientiert und zerstörend. Es ist dafür gedacht, Struktur und Halt zu geben - das Leben zu schützen.

 

Das weibliche Prinzip dagegen ist diffus, in Tiefe und Breite zerfließend, strömend, emotional und ohne feste Form, schöpferisch, kreativ, empfangend, umwandelnd und heilend. Es ist dafür gedacht Leben zu gebären.

 

Wir alle, egal ob Mann oder Frau tragen beide Seiten in uns und beide Seiten haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihre Berechtigung.

 

Di große Frage aber ist es: Welche Kraft gibt den Grundton an. Stehen beide gleichberechtigt nebeneinander? Ist das Männliche auf Augenhöhe mit dem Weiblichen?

 

Tausende von Jahren mit dem Fokus auf Ordnung, Struktur und Wettbewerb haben uns in eine Situation gebracht, in der wir uns vor dem fließenden, ungeordneten, emotionalen fürchten - so wie wir uns vor allem fürchten, das wir nicht kennen.

 

Es ist Zeit, höchste Zeit uns auf den Weg zu machen, das Unbekannte kennen zu lernen, in unser Sein zu integrieren - damit Jesus unter uns geboren werden kann - denn sonst warten wir immer noch auf die Ankunft des Christkindes.

 

„Wunder“volle Weinachten für euch Alle

 

 

 

Die große Mutter in der Erziehung

Die große Mutter -

 

letzte  Woche habe ich über ihre Bedeutung in Unternehmen geschrieben. Heute möchte ich ihre Rolle in der Familie, bei der Erziehung beleuchten.

 

Ich höre euch schon sagen, ja, aber in der Erziehung, da ist sie doch sowieso da. Nein, nicht zwangsläufig.

 

Wie oft habe ich in den Jahren als Schulpflegschaftsvorsitzende die Ängste der im Saal sitzenden Eltern gespürt und zu hören bekommen. Da war dann immer ganz viel vom Archetyp des Kriegers unterwegs. Die Kinder müssen doch …, wenn die Schüler das jetzt nicht schaffen, dann …. passiert etwas Schlimmes. So als handele es sich bei Erziehung um ein Kampfszenario: Eltern gegen Kinder.

 

Meine Hinweise darauf, doch einfach mal dem Prozess zu vertrauen und Kinder als erstes einmal Erfahrungen sammeln zu lassen, aus denen sie etwas lernen könnten, stießen oft auf taube Ohren.

 

Ich habe mich dann immer gefragt: „Wie sehen diese Eltern eigentlich ihre Kinder?“

 

Anscheinend waren die Eltern der Meinung, dass es sich bei ihren Kindern um unfertige Wesen handelte, die zwingend in eine Richtung gedrängt werden sollten, die die Eltern für richtig hielten. Diese Richtung schien aber aktuell nicht die Richtung der Kinder zu sein.

 

Ich habe mir dann immer gedacht: „Wenn in aller Welt interessiert eigentlich die Zensur auf dem Halbjahreszeugnis der 7.Klasse?“ Ganz ehrlich, sie ist eigentlich zwei Wochen später schon vergessen, es sei denn ich als Erziehungsberechtigter mache ein Drama daraus.

 

Vielleicht musste die schlechte Note sein, damit das Kind die Erfahrung macht, mit dem Arbeitseinsatz wird das nichts. Dann kann ich entspannt warten, bis diese Erfahrung in Erkenntnis umgesetzt wird. Manchmal dauert das länger als Eltern lieb ist, aber es hilft nichts, diese Erkenntnis muss beim Kind ankommen.

 

Vielleicht musste die schlechte Note auch sein, weil die Eltern begreifen müssen, dass sie ihr Kind mit dieser Schulform überfordern. In dem Fall muss die Erkenntnis bei den Eltern reifen und zwar möglichst schnell. Auch in diesem Fall helfen alle Ziele der Eltern nichts, wenn dem Kind die entsprechende Begabung oder Ausdauer fehlt.

 

Vielleicht zeigt die Note aber auch nur eine Minderbegabung in dem entsprechenden Fach an. Es gibt nun mal Menschen, die mit Mathematik nix am Hut haben. Sie werden trotzdem später erfolgreich, nur nicht als Ingenieur. Dann gilt es diese Minderbegabung an anderer Stelle auszugleichen - Stärken stärken und Schwächen einfach stehen lassen.

 

Mit den Augen der großen Mutter hinschauen ist in allen Fällen die Devise. Liebevoll , nachsichtig und voller Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kräfte des Kindes und vor allem wissend, dass diese Kind sein eigenes Leben leben sollte und nicht das Leben der Eltern.

 

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Große Mutter

 

Kennt ihr die verschiedenen Archetypen?

 

Den Krieger, die Geliebte, das Kind, die große Mutter, den König.

 

Sie alle entsprechen grundlegenden Verhaltensmustern in unserem Unterbewusstsein, die unsere innere Welt bestimmen. Die innere Welt, die dann im außen zu Reaktionen und Handlungen führt. Der Krieger kämpft dann, die Geliebte schmeichelt und die große Mutter kümmert sich. Sie alle haben ihre Daseins-Berechtigung und sind in bestimmten Situationen gut und notwendig. Blöd ist nur, wenn sie im falschen Moment auftauchen. Wenn also der Krieger an einem romantischen Abend sein Schwert auspackt oder die Geliebte in einem Moment lächelt, in dem es darum geht Tacheles zu reden. Oder wenn ein Archetyp sich permanent in den Vordergrund drängelt.

 

Unsere Wirtschaftswelt ist geprägt vom Krieger und damit reagieren Gier und Angst. Wunderbar beobachten kann man das an Börsenverläufen. Wenn auch der letzte gierig wird und bei der  Gewinnrallye mitmachen möchte, dauert es nicht lange bis die Angst kommt und alles zusammenbricht, weil das Vertrauen schwindet. Übrigens bei den Bitcoins sind wir gerade in der Gierphase…. Gier und Angst prägen auch den betrieblichen Alltag, Chefs setzen Mitarbeiter unter Druck, wollen den größtmöglichen Profit aus ihrem Unternehmen schlagen. Mitarbeiter misstrauen einander und fürchten um ihren Arbeitsplatz.

 

In diesem ganzen System fehlt die große Mutter. Der Archetyp, der sich kümmert, der für andere sorgt, der das Wohl der Gemeinschaft im Auge hat. Der englische Begriff „to care“ trifft es meiner Meinung nach noch besser als das deutsche „ sorgen für“.

 

Ein System ist dann am Erfolgreichsten, wenn es allen Beteiligten gut geht, denn nur dann kann jeder in diesem System sein höchstes Potential abrufen. Mit Druck und Angst funktioniert das nicht.

 

Also seid mutig und lasst die große Mutter in den Vordergrund treten. Wir alle warten darauf.

 

 

 

Mitleid

 

Diese Woche bei Facebook:

 

Jemand postet diesen Text:

 

Ernest Hemingway hatte gewettet, in nur fünf Worten eine Geschichte zu erzählen, die die ganze Welt zu Tränen rühren würde. Auf den ersten Blick ziemlich unmöglich. Niemand traute es ihm zu. Hemingway nahm einen Stift in die Hand und schrieb: "Zu verkaufen: Babyschuhe. Nie getragen." (Quelle: Lars Amend)

 

Viele der Lesenden bekunden wie auf Knopfdruck ihr Mitleid und ihre Betroffenheit und ich frage mich „warum?“. Wieso löst der Satz „nie getragen“ offensichtlich sofort die Idee aus, dass es sich um ein totes Baby gehandelt haben muss. Mein erster Impuls war das Nachdenken darüber, warum sie nie getragen wurden und da kamen Ideen wie: zu klein, falsche Farbe oder das überflüssige 5 Paar- alles Dinge, die mich definitiv nicht zu Tränen rühren. Erst danach kam die Idee, das Baby könnte auch tot sein. Warum denken so viele Menschen als Erstes an das Schlimmste, das passieren kann?

 

Wenn ich ehrlich bin, rührt es mich auch nicht zu Tränen, selbst wenn es sich um ein totes Baby gehandelt haben sollte. Es kommt vor, dass Babys sterben. Jeden Tag irgendwo auf der Welt, aber solange ich die betroffene Person nicht persönlich kenne, leide ich nicht mit und auch wenn ich sie kenne, dann leide ich nicht mit ihr, aber ich fühle mit ihr und versuche ihr, ihr aktuelles Leben etwas leichter zu machen, indem ich z.B. immer ein Essen für sie bereit halte, indem ich immer bereit bin, ihr zuzuhören, indem ich ihr Besorgungen abnehme oder auch indem ich mit ihr lache. Auf keinem Fall, indem ich sage „oh wie furchtbar - du tust mir so leid!“ - das hilft niemanden. Das Leben ist nicht immer nett oder fair und jeder erlebt auf die eine oder andere Weise ein kleines oder großes Drama, das Kummer macht, das ihn aber auch wachsen lässt. Wachsen gelingt aber nur, wenn das Mitleid außen vor bleibt.

 

Mir selbst ist es absolut unangenehm das „Opfer“ von Mitleid zu sein. Mitleidsbekundungen lösen Panik in mir aus, denn im selben Moment fühle ich mich ohnmächtig, hilflos, bedauernswert klein. Das ist sicherlich von den Menschen, die Mitleid bekunden nicht so gewollt und doch tritt es ein. Mitleid macht passiv und Mitgefühl aktiv. Wird Mitgefühl ausgedrückt, dann bin ich nicht in der Opfer-Rolle. Mein Gegenüber fühlt mit mir, das heißt, es kann meine Gefühle in der Situation nachempfinden, ich tue ihm aber nicht leid, weil ich in diese Situation geraten bin. Das lässt mir den Raum, mein Problem zu lösen, auf meine Art und Weise mit meinem Kummer umzugehen. Leben ist vielleicht nicht immer einfach, aber die Welt ist kein Jammertal, sie ist bunt und vielfältig und gespickt mit Lernaufgaben der unterschiedlichsten Art.

 

Eine bunte Woche wünsche ich euch allen.

 

Partnerschaft

In Zeiten, in denen Ehescheidungen normal erscheinen, blicken viele Menschen verwundert und bewunderten auf Paare, die es geschafft haben, ihre Liebe über Jahre lebendig zu erhalten. Werden diese Menschen gefragt, dann hört man Antworten wie:

 

  • einander zuhören
  • miteinander besondere Augenblicke zu zelebrieren
  • dem anderen Freiraum geben, eigenen Bedürfnissen                     nachzugehen
  • Alltagskleinigkeiten nicht hochkochen lassen
  • den Partner so nehmen wie er ist
  • miteinander reden, auch wenn oder gerade dann wenn es unterschiedliche Meinungen gibt
  • die Sexualität lebendig halten
  • achtsam sein und dem anderen Anerkennung schenken
  • die Liebe zeigen durch Gesten, Worte, Geschenke
  • Gemeinsamkeiten pflegen: Hobbies, Ausflüge, Konzertbesuche

 

Sie alle beziehen sich auf das Zusammenleben und klar, alle Punkte sind richtig und wichtig. Mir fehlt dabei aber immer eine entscheidende Antwort:

 

-        Ausreichendes Maß an innerer Stabilität und Selbstliebe

 

Ich bin davon überzeugt, dass nur die Menschen in der Lage sind eine langfristige Beziehung einzugehen, die sich selbst und ihre Bedürfnisse wert schätzen und zu ihren eigenen Bedürfnissen stehen können. Nur sie sind in der Lage Kompromisse zu finden, mit denen beide Partner gut leben können. Sie sind in der Lage auch einmal einfach zurückzustecken und auf die Erfüllung eigener Interessen dem Partner zu Liebe zu verzichten. Sie brauchen den Partner nicht, um sich glücklich zu fühlen, das können sie auch alleine mit sich selber. Sie sind aber glücklich gemeinsam mit dem Partner Erfahrungen zu machen, Dinge zu erleben, sich zu freuen. Sie haben sich entschieden mit diesem Lieblingsmenschen ihr Leben zu teilen und diese Entscheidung bringt natürlich auch Tage, die anstrengend sein können. Da hat der Partner vielleicht ein berufliches Thema, das er wieder und wieder besprechen möchte, da ist dann Geduld und Verständnis gefragt. Ein Partner erkrankt vielleicht schwer und ist über lange Zeiträume nicht wirklich präsent, umso wichtiger ist es dann selber stabil und gut gelaunt zu bleiben. Nicht die Umstände machen uns unglücklich sondern unsere Bewertung der Umstände. In glücklichen Beziehungen führen alle diese Dinge nicht dazu, dass die getroffene Entscheidung in Frage gestellt wird.

 

Menschen, die vielleicht in poly-amourösen Beziehungen leben, wechselnde Sexualpartner für interessant und spannend halten, meinen dann oft abfällig, dass die Menschen, die in langen Partnerschaften leben, auf Abenteuer verzichten, bestimmte Seiten nicht ausleben.

 

Ja, vielleicht leben sie bestimmte Seiten nicht aus. Aber tun wir das nicht alle? Immer wenn wir uns für etwas entscheiden wir uns gegen eine andere Möglichkeit. Solange wir nichts vermissen - ist doch alles ok oder?

 

Und Menschen, die ihre Partner wirklich lieben, vermissen keine anderen Partner. Sie verkneifen sich den Kontakt zu anderen Menschen nicht, sie haben kein Bedürfnis danach! Sie sind gesättigt, erfüllt von dem Menschen an ihrer Seite, weil sie sich gemeinsam mit ihm entwickeln und gemeinsam immer wieder neue Erfahrungen machen. Dann spüren sie auch manchmal nach 40 Jahren Gemeinsamkeit immer noch dieses Kribbeln, wenn sie in anschauen.

 

Glauben Sie mir, es ist möglich…..

 

 

 

 

 

Moral

Lebhafte Diskussion über das Thema Moral und Ethik im Geschäftsleben- was darf, was darf man nicht.

Wie so oft erlebe ich, dass alle mit der Verteidigung ethischer Grundsätze schnell bei der Hand sind: Es fallen Sätze wie: "Das tut man einfach nicht" - "Das ist unmoralisch" - Da hat jemand völlig das Gefühl dafür verloren, was richtig und was falsch ist". Sätze die mit  "Ja, vielleicht hat er das anders gesehen" oder "Ich kann verstehen, dass es in einer bestimmten Situation schwierig ist, sich zu entscheiden" werden als unqualifiziert vom Tisch gefegt. Natürlich dürfe jeder Fehler machen, aber bitte nicht im Geschäftsleben, nicht in der Politik und in der Kirche schon gleich gar nicht. Von diesen Personen könne man doch wohl erwarten, dass sie immer und jederzeit wissen was sie tun.

 

Ich sitze dann immer da, höre mir die Wogen an und sehe vor meinem geistigen Auge Menschen. Menschen, die Geschäfte machen, Menschen, die Politik machen, Menschen, die sich der Kirche verschrieben haben. Menschen mit all ihren Schwierigkeiten, Unzulänglichkeiten, Hoffnungen, Wünschen und Ansprüchen.

 

Menschen, die sich bemühen ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und Menschen, die erwarten, dass andere ihren Ansprüchen gerecht werden. Menschen, die gute Arbeit leisten und solche, die schlechte Arbeit leisten.Menschen, die einfach mal unbedacht Fehler machen.

 

Je vehementer die Anforderungen vorgetragen werden, umso skeptischer werde ich. Denn die Lebenserfahrung hat mich auch hier gelehrt: "Je lauter und energischer etwas behauptet wird, umso weniger sitmmt es."

 

Und manchmal erlebe ich dann, kurz nach der Diskussion oder einige Zeit später, dass die rigorosen Befürworter hoher moralischer Ansprüche in Moment einer Entscheidung, sich so entscheiden, dass zunächst einmal ihr persönliches Wohlergehen Berücksichtigung findet.

 

Wo fängt Moral an?

 

Der innere Krieger

Im Ensemble unserer Figuren spielt der innere Krieger eine bedeutende Rolle. Wenn wir dem Gedanken: „Wie innen so außen“ folgen, dann können wir jeden Tag in den Nachrichten beobachten wie groß diese Rolle ist und wie wenig Raum die Menschen ihren inneren Krieger zugestehen. So wenig, dass sich diese Krieger im außen austoben müssen, auf sich aufmerksam machen durch Kriege, Terrorangriffe und Gewalt. Fassungslos und entsetzt sehen wir diesem Treiben zu und können nicht verstehen, warum Menschen Menschen so etwas antun. Millionen sind vor dieser Gewalt auf der Flucht, übersetzt heißt das, unser unerlöster innerer Krieger vertreibt Anteile, die wir in unserem inneren Ensemble gut gebrauchen könnten. Die Mütter, die Gelehrten und die Kinder.

 

Was wäre, wenn wir aufhören könnten, die Ursache bei den Diktatoren ferner Länder zu suchen, wenn wir verstehen würden, dass wir alle jeder einzelne von uns seinen inneren Krieger erlösen muss, damit Frieden in die Welt kommt? Wenn wir verstehen könnten, dass wir alle die Probleme der Welt nur lösen können, wenn wir in uns eine Lösung finden.

 

Solange wir glauben, im Außen passiert etwas, das wir nicht oder nur minimal beeinflussen können und für das wir auf jeden Fall nicht verantwortlich sind, reagieren wir mit Unverständnis, Wut, Angst, Schuldzuweisung, Zweifel, Ohnmacht und Druck, den wir dann an andere weitergeben. Wir halten so den Prozess am Laufen, obwohl wir das gar nicht wollen. Oft hört man dann Aussagen wie: „Da kann man sowieso nicht machen“, „So ist das eben“ oder auch „Die Menschheit lernt nie“. Resignation und Unverständnis auf ganzer Linie.

 

Wo sind die Lehrer und weisen Frauen, die uns lehren können, wo die Ursache liegt?

 

Wollen wir uns auf den Weg machen, dieses Elend zu erlösen, dann müssen wir uns zunächst unseren eigenen inneren Krieger anschauen, um zu verstehen was er benötigt.

 

Schauen wir uns also als  erstes unseren inneren Krieger an, was braucht er, um sich wohlzufühlen? Wo liegen seine Aufgaben?

 

Der Krieger ist der erste Archetyp, der uns auf unserem Weg ins Leben begegnet. Geboren werden heißt zunächst einmal kämpfen. Kämpfen bedeutet in diesem Moment ein Ziel zu verfolgen, so zu verfolgen, dass am Ende das Licht der Welt erblickt werden kann. Kein Baby denkt darüber nach, was in diesem Moment zu tun ist, wo der Weg lang gehen könnte. Instinktiv arbeitet es sich langsam und beharrlich vorwärts, unterstützt durch die Wehen der Mutter. Hebammen wissen, dass es Babys bei denen dieser Prozess zu schnell geht, oft zunächst nicht gut geht. Es sieht so aus als brauchten wir die Erfahrung dieses Kampfes, um gut in das Leben zu starten.

 

Wenn wir dann heile gelandet sind, werden wir einerseits möglicherweise Zeuge der  Kämpfe, die die Menschen um uns herum ausfechten und andererseits wird uns beigebracht, das kämpfen schlecht ist. Geschwisterkämpfe - unsere erste Übungsarena - werden rigoros unterbunden und die Reaktion der Erwachsenen macht unmissverständlich klar, dass sich das nicht gehört. Jedes Mal, wenn wir uns auf den Weg machen, unsere Interessen durch zusetzten, erfahren wir keinerlei Unterstützung oder Anleitung wie man es denn machen könnte. Schlimmer noch, wir lernen, dass sich da nicht gehört und das Gefühl, wir seien mit unseren Wünschen und Bedürfnissen irgendwie nicht richtig, folgt sofort. Dieses tief in uns verankerte Gefühl taucht dann später jedes Mal wieder auf, wenn wir uns aufmachen, uns für uns selbst einzusetzen.

 

Viele Menschen haben große Probleme mit ihrem inneren Krieger, mit dem Kämpfer. Er wird assoziiert mit Kampf, Macht und Gewalt und vollständig abgelehnt. Gerade Menschen, die sich auf den spirituellen Weg begeben laufen Gefahr ihn komplett zu vernachlässigen. Wir brauchen ihn aber um vorwärts zu kommen, um die Dinge in die Welt zu bringen, die uns wichtig sind. Strafen wir ihn mit Verachtung, dann hört er natürlich nicht auf zu kämpfen, das ist schließlich seine Aufgabe. Da wir ihm kein Ziel vorgeben, für das er für uns kämpfen soll, wendet er sich mit seiner ganzen Kraft gegen uns selbst, den wir sind dann das einzige Objekt, das er kennt. Depressionen sind die Folge. In der Re-Integrationstherapie, in der mit inneren Bilder gearbeitet wird, mit deren Hilfe diese Anteile wieder in das persönliche Ensemble integriert werden können, tauchen dann Bilder von Kriegern auf, die bis zu den Knien im Schlamm stecken und sich nicht bewegen können. Gelingt es sie in den Bildern wieder in Bewegung zu setzen, können sie auch im realen Leben handeln und die Depressionen verschwinden.

 

Beziehung

An der Harvard Universität wurden über 75 Jahre zwei Langzeitstudien durchgeführt, die herausfinden sollte, was Menschen brauchen, um ein erfülltes Leben zu leben. Ca. 1500 Menschen wurde befragt, was sie glücklich macht. Da gab es dann Antworten wie Geld, großes Haus, interessante Urlaube, teure Sportarten. Natürlich verstarben inzwischen die meisten der Probanden, rund 60 leben aber immer noch und halten Kontakt mit den Wissenschaftlern Die Forscher prüften durch die Jahre, wer sich glücklich und zufrieden fühlte und warum? Der aktuelle Leiter der Studie, denn auch die wechselten im Lauf der Jahrzehnte, Robert Waldinger, Direktor der „Harvard Study of Adult Development“ fasst das Ergebnis in einem einzigen Satz zusammen: „Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder. Punkt.“ Es geht dabei nicht um die Anzahl der Beziehungen sondern um die Qualität, die Betonung liegt also auf gut. Gut heißt in diesem Fall: sich aufgehoben fühlen, das Gefühl haben, sich auf den anderen bedingungslos verlassen zu können. Wenn dieses Gefühl da ist, dann stören auch kleine tägliche Streitigkeiten nicht. Die Studie zeigte auch, dass Menschen, die lange Zeit keine stabilen zwischenmenschlichen Beziehungen führten und sich sehr einsam fühlten, nicht nur unglücklich waren, sondern, dass auch ihre Gesundheit litt, sich im Alter spürbar verschlechterte, ihre Gehirnfunktionen früher nachließen und sie eher starben als die, die ihre Beziehungen als gut und stabil eingeschätzt hatten. Man könnte also auch sagen: Beziehung hilft gegen Demenz!

 

Mein Lieblingssatz im Video zu dieser Studie, das ihr hier anschauen könnt: www.ted.com/talks/robert_waldinger_what_makes_a_good_life_lessons_from_the_longest_study_on_happiness#t-53188

ist: „Vergessen Sie das Cholesterin, investiert in Beziehungen!“

 

Wenn wir jetzt die zunehmende Anzahl der Single-Haushalte in Verbindung zur steigenden Burn Out und Krankheitsrate setzen… zu welchem Schluss sollten wir dann kommen? Statt zum Rezeptblock zu greifen, sollten die Ärzte ihre Patienten vielleicht eher animieren, tanzen zu gehen, Mannschaftssport zu betreiben oder einen Kurs in Beziehungsfähigkeit zu belegen. Wir alle sollten vielleicht lieber darüber nachdenken, wie wir es schaffen unser Bedürfnis nach Beziehung zu erfüllen statt zur Kopfschmerz Tablette zu greifen.

 

Ich wünsche allen eine beziehungsreiche Woche

 

Opfer

 

Metoo - zurzeit füllt diese Aktion die Medien.  Mehr und mehr Frauen teilen auf diese Weise mit, dass sie entweder von sexuellen Belästigungen betroffen waren oder bekunden auf diese Weise ihre Solidarität mit betroffenen Frauen.

 

In den meisten Fällen geht es dabei um Belästigungen, nicht um massive, kriminelle, körperliche Bedrohung. Das ist ein ganz anderes Thema, dass schwerste körperliche und seelische Verletzungen nach sich ziehen, die selbstverständlich gewürdigt und behandelt werden müssen.

 

Hier geht es oftmals um Belästigungen, also ein unangemessener Satz, eine Berührung, ein Versuch Körperkontakt herzustellen.

 

Mich macht diese Aktion wütend. Wütend, weil sie mal wieder das alte Denkmuster bedient, dass Frauen hilflose Opfer männlicher Attacken sind.  Ja, es gibt Männer, die sich nicht benehmen können und denen sind deutlich Grenzen zu setzen, wie kleinen Kindern, die manchmal Benimmregeln erst lernen müssen. Diese Grenzen sind immer zu setzen, unabhängig von Rang, Ansehen oder Alter der betreffenden Person.  Dafür müssen wir Frauen uns nicht rechtfertigen oder gar entschuldigen. Das ist selbstverständlich und jede Frau kann das. Frauen, die das nicht können, haben ein Problem mit ihrem Selbstwert und da muss hingeschaut werden, dass gilt es zu verändern. Dieser geringe Selbstwert existiert aber unabhängig davon was Männer tun.

 

Durch diese Aktion wird das Augenmerk auf die Momente gelenkt, in denen Frauen nicht über genügend Stärke verfügten, sich zu wehren. Das ist bedauerlich und sollte selbstverständlich geändert werden. Aber geht das, in dem ich mir von vielen anderen bestätigen lasse, dass sie es auch nicht geschafft haben? Wäre es nicht besser, Reaktionen zu posten, in denen es gut gelungen ist.

 

So etwas wie das junge Mädchen, dem in der Bahn ein fremder Mann die Hand auf das Bein legte, das dann diese Hand genommen hat und laut gerufen hat: „Ich hab eine Hand gefunden! Wem gehört die?“

 

Oder die Frau, die auf die unverschämte Frage ihres Gegenübers im Rahmen einer kontroversen Diskussion: „Sie sind wohl in den Wechseljahren?“ antwortete: „Ja, genau. Und sie wissen doch, dass ist die Zeit, in der Frauen aufhören, Männer ernst zu nehmen!“

 

Wäre es nicht besser, statt die alten Klamotten aufzuwärmen, die Vision eines gelungen Miteinanders aufzubauen? Ein Miteinander , in dem Frauen nicht auf ihre äußeren Reize reduziert werden und Männer nicht auf ihren Testosteronspiegel. Sich auf Augenhöhe zu begegnen heißt: Respekt, Wertschätzung und Anerkennung der Unterschiede. 

 

Aber das ist das Stoff für einen neuen Artikel ….

 

 

 

Besserwisser - Wise Guys