Das Leben schmecken

 

Wie schmeckt dein Leben?

Habt ihr euch schon mal diese Frage gestellt?

Ich finde es spannend in Sinneseindrücken zu beschreiben. Wie klingt dein Leben wäre auch eine Option. Aber heute, wie schmeckt dein Leben? Süß wie Marmelade oder bitter wie eine Grapefruit oder eher wie Zartbitterschokolade?

Schmeckt es heute wie eine Pizza, die sich ganz nach dem eigenen Geschmack belegen lässt. Unterschiedliche Aromen aus den Zutaten des Tages. Vielleicht erstmal emotional ein wenig durchgeknetet, dann aber entspannt ausgerollt. insgesamt also eine runde Sache. Oder schmeckt es heute wie sonnenreife Mango, die leicht und sanft durch den Rachen gleitet? Die man mit der Zunge runter schubsen kann?

Oder schmeckt es ganz unangenehm, wie Salz oder ein holziger Kohlrabi. Oder wie das Essen, dass du nicht runterbringst, verbunden mit Ekelgefühlen. Das wäre bei mir z. B. Milchreis 😉

Könnt ihr, wenn ihr darüber nachdenkt, eine besondere, eher unbekannte Note entdecken?

Das Leben verkosten, eine gute Idee für nebelige Januartage.

Geld

 

„Geld regiert die Welt, dieser Satz ist uns allen vertraut. Nicht nur der Satz, auch die Wirklichkeit, die mit diesem Satz verbunden ist, kenne wir alle nur zu gut. Ich glaube sie ist so ins verankert, in unserem kollektiven Gedächtnis gespeichert, dass kaum jemand sich wirklich vorstellen kann, wie eine Welt aussehen könnte, in der nicht Geld das Maß aller Dinge ist. Es gibt ein spannendes Buch von Bern Litaer, ehemals Manager des Weltwährungsfonds. Es heißt „Das Mysterium Geld“. Er schreibt über die archetypischen Muster, die dem Geld zugrunde liegen. Aktuell steht der Krieger im Vordergrund und überall dort, wo dieser Kerl dominiert, sind Gier und Angst unterwegs. Wunderbar zu beobachten an Börsenverläufen.

 

Dem Geld fehlt komplett der Archetyp der Großen Mutter. Immer wenn sie im Spiel ist, steht das sorgen, sich kümmern im Vordergrund. Ich finde das englische Wort „to care“ beschreibt es ziemlich gut. Es hat Zeiten gegeben, in denen dieser Archetyp da war. Da ging es der Mehrheit der Menschen gut. In diesen Zeiten wurde z.B. das Geld immer am Ende des Jahres in die Währung des nächsten Jahres umgetauscht mit einem Abschlag. Das hatte zur Folge, dass immer sehr viel renoviert wurde, denn die Menschen bevorzugten es das Geld sinnvoll anzuwenden, statt es zu horten und einen Verlust zu erleiden. So einfach könnte es sein.

 

Wenn Geld nicht die Welt regieren würde, wer oder was sollte es dann tun? Könnten wir uns weisen Menschen anpassen, könnten jeder so viel Verantwortung tragen, dass immer alle gemeinsam versuchen würden, zu einer akzeptablen Lösung zu kommen? Könnten wir Regeln aufstellen, die es verbieten würden, ausschließlich aus finanziellen Gründen zu handeln? Könnten der Wert und die Würde von Arbeitnehmern wichtiger sein als Share Holder Value. Würde denjenigen die Wertschätzung entzogen, die nicht den Menschen im Blick haben?

 

Fragen über Fragen. Es lohnt sich Antworten zu finden….

 

Körper Seele Geist

 

Körper, Seele, Geis -  Inzwischen sind viele Menschen davon überzeugt, dass der Mensch eine Einheit von Körper, Seele, Geist ist. Eine Einheit, was heißt das denn eigentlich?  Heißt das, dass die Anteile immer im Gleichklang schwingen müssen? Seele und Körper immer dasselbe fühlen müssen? Dann würden wir ja etwas falsch machen, in einem Moment, in dem der Körper müde ist, schlafen möchte und Seele und Geist ein anderes Bedürfnis haben, z.B. nach ein Bedürfnis nach Austausch mit anderen. Für mich ist die Frage, wie wir mit solchen Momenten umgehen. Empfinden wir dann eine große Dissonanz zwischen den einzelnen Teilen, sind unsicher, was wir dann tun können? Oder sind wir gelassen und folgen einfach der größten Bedürftigkeit. Unser Körper ist Träger der Seele und des Geistes, ist der am stärksten manifestierte Ausdruck, heißt, wenn die Basis müde ist, hat das höchste Priorität, denn alle anderen Anteile werden nicht agieren können, wenn der Träger nicht mitspielt. Übersetzt heißt das: „Schlafen gehen, wenn der Körper danach verlangt!“

 

Es bedeutet auch, den Körper ernst zu nehmen, sehr ernst und ihn nicht als notweniges Übel zu betrachten, dass sich „höheren“ Zielen unterordnen muss. Klar kann es ab und zu Situationen geben, in denen das nicht möglich ist und wir die Müdigkeit unseres Körpers für einige Zeit erstmal ignorieren müssen. Das darf aber kein Dauerzustand werden, denn dann wird das gesamte System in Schieflage geraten.

 

Um das gut spüren zu können, müssen aber auch Seele und Geist gut versorgt sein, denn wenn wir unsere seelischen, geistigen Bedürfnisse dauerhaft ignorieren, gerät das System genauso in Schieflage und wir drohen krank zu werden.

 

Also gut aufpassen auf alle Anteile, damit Einheit entstehen kann.

 

Das neue Jahr

 

Da liegt es vor uns da neue Jahr, glatt wie eine Wiese mit frischem gefallenem Schnee. Noch sind keine Fußstapfen erkennbar. Es liegt an uns die ersten Schritte zu machen, Zeichen zu hinterlassen. Oft sind wir voller Erwartung, was das neue Jahr uns bringen wird. Wie wäre es, wenn wir uns vorstellen, was wir dem neuen Jahr zu geben haben.  

 

Wie wir es prägen können. Welche Spuren wir hinterlassen wollen. Wenn uns bewusst wäre, dass das was wir erleben werden in diesem Jahr, geprägt sein wird von uns und unserer Haltung. Also wählt sorgsam, aus welchem Blickwinkel ihr auf das Leben schauen wollt. Alles Gute für 2022.

 

Weihnachten

 

Weihnachten

 

Das Weihnachten meiner Kindheit, das wie ein Traum in mir abgespeichert ist. Die Tage vor Weihnachten knisterten schon, knisterten wie eine Funken sprühende elektrische Leitung. Mein kleines Kinderherz war aufgeregt, sehr aufgeregt. Das Einschlafen abends fiel schwer. Spannung lag in der Luft. Und dann der Morgen des Heiligenabends. Das Wohnzimmer war abgeschlossen. Man hörte Rascheln hinter der Tür. Der Versuch, durchs Schlüsselloch zu linsen, wurde von dem Tuch, das innen über der Türklinke hing, abgeblockt. In meiner Vorstellung arbeitete das Christkind hart daran, hinter der Tür alle Geschenke gut zu platzieren. Die Zeit schlich dahin. Es gelang nicht mehr, wirklich konzentriert zu spielen. Ich schlich um meine Mutter herum, auf der Suche nach schützender Nähe.

 

Am Nachmittag gab es dann Tee und Kekse in der Küche. Gefühlt saßen alle erwartungsvoll herum. Vermutlich waren es die Erwachsenen, Vater, Mutter und die Oma weniger als wir Kinder. Oft waren hilfsbedürftige Verwandte dabei, Verwandte, die ihre Partner verloren hatten und nun Weihnachten nicht allein sein sollten.

 

Und dann, dann irgendwann endlich verschwand der Vater und kurze Zeit später ertönte das Glöckchen. Ich konnte vor Anspannung kaum atmen, ging vorsichtig mit meinem Bruder als erste durch die Wohnzimmertür und dann stand er da, dieser wundervolle Weihnachtsbaum. Glitzerte im Licht der echten Kerzen. Damals noch mit viel Silber und Lametta. Davor die Geschenke auf dem Tisch, bunt und großartig anzuschauen. Die Schallplatte mit dem Bielefelder Kinderchor lief: Stille Nacht, heilige Nacht. Und wir haben mehr schlecht als recht mitgesungen. Ein, maximal zwei Lieder. Alle haben sich danach fest umarmt und sich frohe Weihnachten gewünscht. Und dann ging es ans Auspacken. Ich habe immer einen Moment gezögert, das erste Geschenk auszupacken. Den Zauber noch ein bisschen erhalten. Denn in diesem Moment war der Zauber vorbei, war irgendwie zerstört. Dieser wundervolle, zauberhafte Weihnachtszauber.

 

Später wollte ich diesen Zauber für meine Kinder auch kreieren. Mein Mann und ich haben an einem langen Sommerabend, als wir noch gar keine Kinder hatten, eine heftige Diskussion darüber geführt, ob Kinder den Baum vor der Bescherung sehen dürfen oder nicht. Ich war natürlich mit meiner Erfahrung vehement für Nichtsehen. Wir haben damals keine Lösung gefunden, aber als wir dann Kinder hatten, lebten wir in einer Wohnung, in der das Wohnzimmer ein Durchgangszimmer war. Durchgang zum Kinderzimmer. Damit hatten sich alle Diskussionen erledigt und unsere Kinder haben von Anfang an geholfen, den Baum zu schmücken. Ich habe dann versucht, diesen Weihnachtsbaumzauber dadurch herzustellen, dass Papa mit den Kindern vor der Bescherung immer eine Runde spazieren ging, um dem Christkind, die Chance zu geben, die Geschenke zu bringen. Wenn sie wieder kamen, dann lagen kleine glitzernde Sternchen auf dem Boden. „Oh, die hat wohl das Christkind verloren!“. Wir haben dann auch nach dem Bielefelder Kinderchor gesungen, hatten inzwischen eine Kassette ohne Beschriftung, die war im Laufe der Jahre verloren gegangen und so wurde jedes Jahr ziemlich lange der Beginn von Stille Nacht, Heilige Nacht gesucht. Jedes Jahr wieder. Wir haben uns abgewechselt, weil es so lange dauerte. Je älter die Kinder wurden, umso mehr haben sie sich natürlich darüber lustig gemacht. Und doch war es ein irgendwie vertrautes Ritual, das dazu gehörte. Denn als sie uns dann endlich Jahre später eine CD vom Chor geschenkt haben und wir das Lied sofort gefunden haben, da fehlte irgendwie etwas. So ist Weihnachten für mich. Ich liebe es.

 

Verantwortung

 

Schuld, was für ein Thema. Geprägt durch die katholische Kirche, die von Erbsünde spricht, heißt also jedes Baby kommet eigentlich schon mit Schuld zur Welt und geprägt durch die deutsche Geschichte, ist Schuld ein großes Thema für uns. Niemand will Schuld an irgendetwas haben, deshalb neigen wir so manches Mal dazu keine Verantwortung zu übernehmen. Ver-antwortung, das Wort sagt es schon, wir antworten auf die Bedürfnisse von anderen und versuchen sie zu erfüllen und zu bedienen. Das ist erstmal natürlich und gesund, es ist ein Instinkt, uns z.B. um unsere Jungen zu kümmern, für Schwächere zu sorgen. S

 

Schuld kommt dann als Folge dieses Verantwortung-Übernehmens ins Spiel ,als die Überzeugung des eigenen Unwertes, wenn uns etwas nicht gelungen ist. Unter Umständen folgt dieser Unfähigkeit eine Strafe und deshalb wollen wir auf keinen Fall Schuld haben. Das haben wir als Kinder erlebt, wieder und wieder.

 

Das Ergebnis ist dann, dass wir versuchen, um Strafe zu vermeiden, der Verantwortung auszuweichen. Eine unsägliche Verquickung von Dingen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Wie gut wäre es, wenn wir diese Scheu vor Verantwortung ablegen könnten und eigenmächtig Entscheidungen treffen würden. Eigenmächtig als positive Eigenschaft, jemand, der Verantwortung übernimmt. Zunächst mal für uns selber, dafür sorgen, dass wir uns jederzeit im Spiegel angucken können.

 

Beziehung

 

„Unsere Beziehung ist größer als das Problem“, was für ein Satz. Er ist mir in der letzten Woche begegnet, als es um Lösungen für Beziehungsprobleme ging, die aus unterschiedlichen Meinungen resultieren. Davon haben wir im Moment ja wirklich genug.

 

Was heißt das? Es gibt da ein Problem, vielleicht ein richtig großes Problem. Es wird diskutiert, um die Wahrheit gerungen. Gegenseitige Vorwürfe stehen im Raum, scheinbar unvereinbare Positionen begegnen sich. Trotz all dieser Schwierigkeiten gibt es da zwischen diesen beiden eine Beziehung, eine Beziehung, die unabhängig von unterschiedlichen Positionen, besteht. Eine Beziehung, die von gegenseitiger Anziehung, Vertrauen, langjähriger Erfahrung miteinander und vor allem Liebe getragen ist. Stellt euch das mal als Bild vor, da ist diese große tiefe Beziehung und dieses eher kleine Problem. Wohin senkt sich die Waagschale?

 

Erich Fried hat es so schön gesagt:

 

Es ist Unsinn, sagt die Vernunft

 

Es ist was es ist sagt die Liebe

 

 

 

Es ist Unglück, sagt die Berechnung

 

Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst

 

Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht

 

Es ist was es ist, sagt die Liebe

 

 

 

Es ist lächerlich, sagt der Stolz

 

Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht

 

Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung

 

Es ist was es ist, sagt die Liebe

 

Eigenmächtig

 

Eigenmächtig, was für ein Wort.  Definiert wird es mit: „dass jemand, der um Erlaubnis fragen müsste, ohne Auftrag/Befugnis/Genehmigung/Mandat/Vollmacht handelt“, heißt jemand übernimmt die Verantwortung für sich und sein Handeln, ohne das mit wem auch immer abzusprechen. Googelt man „eigenmächtig“, dann finden sich vor allem diese eher negativen Beschreibungen. Synonyme sind dann unerlaubt, unbefugt, auf eigene Faust, aber auch so etwas wie eigenverantwortlich.

 

Eigenverantwortung ist doch eine großartige Eigenschaft, selbst die Verantwortung und die Macht über sein Handeln übernehmen. Wer eigentlich sollte diese Verantwortung übernehmen, wenn nicht man selbst?  Wir alle geraten in Situationen, in denen schnelles, entschiedenes Handeln gefordert ist.

 

Wenn bitte sollen wir dann um Erlaubnis fragen?

 

Wer weiß besser als wir selber, was uns guttut und was unserer Wahrheit entspricht?  

 

In einer Gesellschaft, die vom Kontrollwahn befallen ist, ist das natürlich eine ziemlich aufrührerische Idee, eigenmächtig zu handeln. Wo kämen wir denn hin, wenn das jeder tun würde? Ja, wo kämen wir hin?

 

Bodo Wartke hat es wunderbar besungen: https://www.youtube.com/watch?v=rRy_Fhr6j2Y

 

Enttäuschung

 

Gestern wieder Freibad. Ich habe mich mit einer Bekannten verabredet, mit der ich an unserem alten Wohnort immer im Freibad zusammen geschwommen bin. Wir haben uns immer gut unterhalten. In der Zeit, in der ihr Mann schwer krank war und letztlich verstorben ist, habe ich versucht Gesprächspartnerin zu sein. Ich habe mich gefreut, sie heute wieder zu sehen, denn alle Versuche, uns im Sommer an meinem neuen Wohnort im Freibad zu treffen sind gescheitert, weil sie nie Zeit hatte. Ich bin pünktlich am Freibad und warte auf sie, als die Minuten verstreichen, schaue ich mich auf dem großen Parkplatz um und entdecke ihr Auto. Also gehe ich rein und finde sie in der Um leide mit einer weiteren Person, ihrer Freundin, mit der sie immer zusammen zum Schwimmen geht, beide beim Anziehen.

 

Meine erstaunte Frage, wieso sie schon fertig sind, wird quittiert mit einem: „Hatten wir uns verabredet? Oh, hab ich vergessen“. Ich bin fassungslos, bringe meinen Unmut deutlich zum Ausdruck und schweige anschließend. Wer mich kennt, weiß, dass es ernst wird, wenn ich nichts mehr sage.  Dass sie diesen Termin vergessen hat, kann doch nur bedeuten, dass ich ihr ziemlich egal bin. Nix mit meiner Wahrnehmung, dass wir einen guten Draht zueinander haben.

 

Ich bin in solchen Momenten immer ziemlich irritiert. Mir sind andere Menschen wichtig, ich halte mich an Verabredungen und es bedeutet mir etwas, sie zu treffen. Offensichtlich ist das nicht bei allen so.

 

Maske

 

Da sitzt sie vor mir, die Pflegekraft, die uns alle halbe Jahre besucht, um für die Krankenkasse zu kontrollieren. Mit Maske sitzt sie da. Meine freundliche Aufforderung die Maske abzusetzen, wird mit der Bemerkung quittiert, sie würde die Maske auflassen, um sich vor uns zu schützen, da wir ja nicht geimpft seien. Bislang dachte ich immer, dass die Masken das Gegenüber schützen vor Ansteckung durch den Träger. Ihr war das offensichtlich so nicht bekannt. Maske war für sie der ultimative Schutz.

 

Meine Bemerkung, dass mich der Anblick von Maskenträgern zutiefst verletzt und ich auf diesen Schutz freiwillig verzichte, wurde vom Tisch gewischt. Unwichtig, ihr vermeintlicher Schutz war das einzig Interessante.

 

In solchen Momenten stehe ich immer etwas hilflos da und weiß nicht, welche Argumente helfen könnten, eine Änderung im Denken herbeizuführen. Ich weiß nicht, warum man nicht unterschiedliche Meinungen akzeptieren kann und sich freundlich an die Wünsche des Gegenübers anpassen kann. Die Maskenträger verlangen schließlich auch vom Rest der Welt, dass sie sich anpasst. Bisschen einseitig das Ganze. Alle werden aufgefordert, die Ängste dieser Personen zu bedienen. Das ist nicht unsere Aufgabe, tut mir leid.

 

Mensch sein

 

Vor Jahren waren wir an der Loire in einem Schloss, dass zur Kunstgalerie umgestaltet worden war. In jedem Raum stellte ein anderer Künstler aus. Es war anstrengend sich immer wieder auf neue Blickwinkel einzulassen.

 

Am meisten beeindruck hat mich eine Büste im Eingangsbereich. Eine Büste, die kein Gesicht hat. Feine Linien überzogen den Kopf. Gegenüber war ein Spiegel und in dem Spiegel hatte die Büste ein Gesicht. Keine Ahnung wie das funktioniert. Auf jeden Fall faszinierend. Ich habe damals gedacht: „Ja, das ist Mensch sein. Ein Gesicht im Spiegel des Gegenübers zu bekommen:“

 

Gäbe es diese Gegenüber nicht, dann wäre wir einfach, ohne Konturen. Wir wüssten nicht, ob wir musikalisch sind, handwerklich begabt, schnell oder langsam, laut oder leise. Es gäbe keinen Anhaltspunkt, keine Vergleiche.  Einfach nur da …

 

Fremdschämen

 

Fremdschämen, kennt ihr das? Mir geht es immer so, wenn im Radio Menschen fragen, ob sie noch jemanden grüßen dürfen. Onkel Erfried, die Ehegattin oder den Kegelverein. Mir ist das dann so peinlich, dass ich in dem Moment das Radio ausmache.

 

Warum ist mir das eigentlich peinlich? So richtig weiß ich das gar nicht, aber es beschleicht mich dann immer das Gefühl, dass da jetzt gerade jemand mit seinen persönlichen Bedürfnissen um die Ecke kommt, sich profilieren will, obwohl es doch in dem Gespräch vorher um etwas ganz anderes ging. Etwas äußert, das nach meinem Empfinden nicht für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt ist.

 

Ich empfinde die Menschen, die so etwas tun wie unbedarfte kleine Kinder, die quengeln und es ist mir unangenehm, wenn Erwachsene so ein kindliches Verhalten an den Tag legen. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Demonstration von Dummheit, die mir zuwider ist. Schließlich ist es völlig sinnfrei die angesprochenen Menschen zu grüßen, schließlich ist nicht zu erwarten, dass sie genau in diesem Augenblick vor dem Radio sitzen oder genau zuhören. Und welchen Mehrgewinn haben sie davon im Radio gegrüßt worden zu sein? Mich würde es jedenfalls nicht beglücken, im Gegenteil – es wäre mir peinlich….

 

 

Ich glaube

 

Ich glaube, weil Glauben mich trägt. Glauben mir Kraft gibt, meine Basis ist, meine Wurzel. Glauben versetzt mich in die Lage, das Leben zu meistern, meine Vorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen.

Ich glaube an die Machbarkeit. Glaube, dass jedes Problem irgendwie lösbar ist. Man muss nur kreativ genug werden. Glaube, dass Probleme da sind, um uns aufzufordern, die Lösung zu sehen und zu finden. 

Ich glaube, dass es wichtig ist, die Einfachheit zu finden. Alles was nicht einfach ist, ist ohne Bedeutung. Ein Satz aus dem Jin Jin Jiutsu, mein Satz. Denn mein Lebensmotto ist: „Mach es nicht so kompliziert.“

Ich glaube, dass im Kern alles einfach ist, auf wenige Dinge reduziert werden kann. Klar und rein wie ein Diamant. 

Ich glaube an meine Intuition. Sechsundsechzig Jahre Lebenserfahrung haben mich gelehrt: „Meine Intuition hat immer Recht. Ich glaube daran, dass ich so tief und vielfältig mit der geistigen Welt verbunden bin, dass ich immer und jederzeit Hinweise komme, was passt und was nicht passt. Egal was der Rest der Welt mir erzählt. Glaube daran, dieses Wissen anzapfen und nutzen zu können.

Ich glaube daran, dass jeder von uns im Kern gut ist und sein Bestes geben will, dass aber Lebensumstände Menschen so tief verletzen können, dass sie diesen Zugang verlieren. Ich glaube aber daran, dass trotzdem jeder gesehen werden will, in seinem So-Sein angenommen werden will und es von diesem Punkt aus Lösungen gibt.

Ich glaube an die Kraft des Humors und des Lachens. Das Leben hat auch immer eine skurrile Seite, die uns zum Lachen, zum Lächeln bringen kann, die gesehen, entdeckt werden will, die genutzt werden will, in jedem Moment, egal wie traurig, dramatisch, verzweifelt es sein mag.Diese Kraft ist wie eine Pflanze, wie eine wärmende Berührung, die heilt.    

Ich glaube an Kommunikation und Verbindung. Reden hilft. Reden knüpft das Band zwischen mir und dir. Worte sind Botschaften und wollen ausgetauscht werden. Worte geben dem Leben eine Form, einen Ausdruck, die manifestieren, das nicht manifestiere. Ich glaube an ihren Wert, ihre Kraft.

Ich glaube an die Liebe, an diese tiefe, heilende Liebe, an die selbstlose Liebe, die den anderen umfängt, trägt, keine Bedingungen stellt. Die Liebe, die fließen kann. So als wären wir lediglich das Gefäß für die Quelle, durch die auf direktem Weg geleitet wird. Glaube daran, dass man sich zur Verfügung stellen kann, dieses Gefäß zu sein.

Ich glaube an die Kraft von Gemeinschaft. Im Kern sind wir alle Rudeltiere und brauchen die anderen, brauchen die Gemeinschaft. Gemeinschaft macht das Leben lebenswert, bringt Lebensfreude und Stabilität. Es hilft uns nicht, vor ihr zu fliehen, weil sie auch Herausforderungen enthält. Ich glaube daran, dass es gut ist, sich diesen Herausforderungen zu stellen, sie anzunehmen. Wir profitieren davon.

Ich glaube an die Kraft des Kindlichen in uns, an die Lebendigkeit unseres inneren Kindes, die auch im Erwachsenenalter noch unser Leben bestimmen, die gewürdigt und gesehen werden wollen, die uns Kraft und Energie geben können, wenn wir sie annehmen und leben lassen.

 

 

 

Eltern heute

 

Immer wieder höre ich in letzter Zeit ErzieherInnen, LehrerInnen oder TherapeutInnen darüber klagen, dass moderne Eltern verwirrt und unsicher sind. So unsicher im Umgang mit den lieben Kleinen, dass sie einerseits keine Grenzen setzen, und andererseits überbesorgt zu Helikopter-Eltern mutieren. Auf jeden Fall vertrauen sie ihren Kindern nicht und muten ihnen auch nichts zu. Kinder können aber nur erfolgreich im Leben werden, wenn man ihnen von Anfang vertraut, ihnen zumutet Herausforderungen zu bestehen.

 

Ich frage mich dann immer, was da passiert ist. Wo und wann habe erwachsene Menschen verlernt, wie man Kinder auf das Leben vorbereitet. Liegt es daran, weil wir alle nicht mehr in Großfamilie aufwachsen, in der man quasi nebenbei lernt, welche Bedürfnisse kleine Kinder haben? Oder liegt es daran, weil eine Genration jetzt Eltern wird, die sich vielleicht selbst damit schwer tut Verantwortung zu übernehmen. Oder ist es eine Generation, die so offen, eloquent, sozial ist, dass sie verlernt hat Grenzen zu setzen. Ich weiß es nicht.

 

Ich weiß nur, dass es höchste Zeit ist, Alltagspädagogik als Schulfach einzurichten, um diesem Prozess wenigstens ein bisschen entgegenzuwirken. In Deutschland braucht man für jeden Blödsinn ein Zertifikat, nur auf die bedeutendste Aufgabe, Kinder zu erziehen und zu begleiten, werden die Menschen ziemlich unvorbereitet und blauäugig losgelassen. Klar, wie immer gibt es da Naturtalente, die die Aufgabe wunderbar meisten, aber leider gibt es auch viele, vermutlich zu viele, die daran scheitern. Ausbaden müssen es dann die Kleinen, die verunsichert werden, keine Stabilität erleben können.

 

Liebe Bildungspolitiker denkt mal darüber nach und handelt, möglichst schnell bitte.

 

Diese oder nächste?

 

 

Letzte Woche bin ich mal wieder in eine selbstgestellte Falle getappt.

 

Eine Falle, die schon immer ewiges Gesprächsthema zwischen mir und meinen Familienangehörigen ist. Es geht um die Bezeichnung „diesen“ und „nächsten“ im Zusammenhang mit Wochentagen.

 

Unsere Vermieterin hat mir am Dienstag Besuch von Handwerkern angekündigt für nächsten Donnerstag. Damit war für mich klar, es geht um den Donnerstag in der nächsten Woche. Leider habe ich trotz besseren Wissens nicht nachgefragt. Denn der Donnerstag in derselben Woche, ist für mich „dieser“ Donnerstag. Leider war es für die Vermieterin offensichtlich anders, denn die Handwerker standen quasi übermorgen auf der Matte. Nicht schlimm, denn ich war glücklicherweise zu Hause.

 

Für mich sind die Wochentage in der gleichen Woche, in der mich befinde, immer Tage, die ich mit diesem Montag, Dienstag oder Freitag bezeichne. Wähle ich dagegen die Bezeichnung nächsten Montag oder Freitag, dann handelt sich um den Montag in der kommenden Woche. Schon meine Familie hat diese Logik nicht verstanden und es gab immer Diskussionen, so dass wir uns angewöhnt haben, das Datum zu nennen. Sicher ist sicher.

 

Ich frage mich dann immer, ob meine Überlegung irgendwie unlogisch ist? Ich empfinde sie als ziemlich logisch. Wie ist da bei euch?

 

 

Kopf oder Bauch?

Da steht mir dieser Mann gegenüber und sagt: „Wir sind eine denkende Gesellschaft. Der Kopf steht im Mittelpunkt!“ Ja, Recht hat er und wir nehmen das nicht einmal mit Humor, sondern todernst. Sätze wie „Nun sei doch mal vernünftig“ oder „Denk doch mal nach“ haben uns geprägt statt einem „Wie fühlt sich das für dich an“ oder auch „Was spürst du?“. Dabei heißt es doch „nach“denken, weil der Kopf nach dem Bauch kommt. Zuerst ist das Bauchgefühl und dann fängt der Kopf an zu analysieren. Wir haben verlernt in unsere Körper hineinzuspüren, haben es abtrainiert, uns auf unser Gefühl zu verlassen. Was wäre wenn die Welt sich wieder dem Fühlen zuwenden würde, sich auf den Bauch verlassen würde? Ich glaube wir wären dann viel schneller und effizienter, könnten diese ganzen zu nichts führenden Gedankenkonstrukte über Bord schmeißen. Würden uns nicht in Hirngespinsten verlaufen. Wie hat es der Kabarettist Volker Pisper mal so schön beschrieben: „Im Wort „Analyse“ stecken die Wörter „Anal“ = den Anus betreffend und „Lyse“ = Auflösung oder Zerfall. Er kreierte damals die Bezeichnung „gequirlte Scheiße“, man könnte auch sagen: „Zersetzung der Ausscheidungen“. Genau betrachtet ist Analyse also auf jeden Fall eher negativ als positiv. Ist das schon einmal irgendjemandem aufgefallen? Umdenken bzw. nicht denken ist gefragt.
Manchmal hilft es, das ganze mit Humor zu betrachten wie es die wundervolle Ute Ullrich tut, die ihrem Verstand die Bezeichnung Monsieur Jacques gegeben. Vielleicht mögt ihr mal reinhören:

Innen

 

Waldspaziergang, ganz allein im abendlich eingefärbten Wald. Ich mache meine Tai Chi Übungen im Wald, genieße die Stille. Stille? Aus der Ferne sind Trommeln zu hören. Fühlt sich an als würde der Herzschlag der Erde klingen, zu hören sein. Der meditative Charakter der Übungen verstärkt sich durch den Klang. Eins werden mit der Umgebung. Plötzlich taucht in mir die Erinnerung an ein Gespräch auf, in dem es um Zentrierung ging. Zentrieren durch bewusstes Atmen. Ich habe gesagt, dass ich bei diesen Übungen tief in mir ankomme, dort ankomme, wo es ganz still und sicher ist. Dorthin, wo mich nichts und niemand erreichen kann. Wo ich einfach bin. Der Moment gerade kommt mir vor wie das Symbol für diesen Zustand. Ich habe mit meiner Bemerkung großes Erstaunen hervorgerufen und den Protest, dass das selbstverständlich nicht so sei. Mein Gegenüber behauptete in ihm sei es unruhig. Ja, ich glaube, dass das für viele Menschen so ist, dass sie diesen Ort der Stille in ihrem inneren Kern noch nicht entdeckt haben. Es lohnt sich, sich auf die Suche zu machen.

 

Singen

 

Seit Anfang des Jahres nehme ich nun Gesangsstunden und arbeite mich langsam voran. Die größte Erkenntnis, die mir dieser Unterricht gebracht ist, ist die Überzeugung, dass Singen für mich ausschließlich über fühlen passieren kann. Offensichtich gibt es keine Verbindung von meinen Ohren zu meiner Stimme, so dass die übliche Art und Weise:  -Ton hören und nachsingen – nicht funktioniert. Aber es funktioniert, wenn ich in Resonanz zu dem Ton gehe, die Schwingung mit meinem Körper aufnehme und dann ausdrücke. Dann erklingt, oh Wunder der richtige Ton. Wenn er richtig ist, fühle ich das im ganzen Körper, denn er schwingt dann auf der gleichen Frequenz. Am Anfang hat es mich ziemlich verwirrt, jetzt lerne ich nach und nach immer besser, es aktiv einsetzen zu können. Irgendwie spannend – und in der letzten Stunde habe ich mich gefragt, was würde eigentlich passieren, wenn wir immer so durchs Leben gehen. Die Frequenzen spüren und mitschwingen oder weggehen, wenn wir sie nicht haben wollen. Wäre der Umgang dann entspannter, friedlicher, liebevoller. Ich glaube schon, ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.

 

Kristallisationspunkt

 

Die Luft ist schwer, schwer von Ängsten, Bedenken, Abwehr und Ablehnung. Wer fühlen kann, spürt es, jeden Tag. Es kommt mir so vor als sei Corona ein Kristallisationspunkt, der alles nach oben spült, was da so in den Menschen schlummert. Die Ängste, die Ablehnung, die Wut, den Hass, den Neid, die Masken die wir tragen. Jetzt zeigt es sich, überdeutlich. Es liegt sozusagen auf dem Präsentierteller. Was machen wir nun damit? Ich glaube, es will angeschaut und gewürdigt werden und dann in mir geheilt werden. Betonung liegt auf "in mir". Jeder ist aufgefordert bei sich zu schauen, seine Ängste abzubauen, mit seiner Ablehnung umzugehen.

 

Nicht die anderen haben Schuld, dass es mir so geht wie es mir geht. Nicht die Geimpften und nicht die Ungeimpften. Alle sind lediglich Projektionsfläche für meine unbewussten Gefühle.

 

In Wirklichkeit bin ich völlig frei zu gehen, wohin ich will, zu treffen, wen ich will, zu umarmen, wen immer ich will. Frei und ohne Ängste und ohne irgendjemandem den Vorwurf zu machen, dass es gerade wegen ihm nicht möglich sein soll. Verantwortungsvoll selbst zu entscheiden, ob ich mich gerade so krank fühle, dass ich besser zu Hause bleibe oder ob sich der andere so krank anfühlt, dass ich ihm besser aus dem Weg gehe. Wenn wir frei sind von Ängsten, Erwartungen und Meinungen, dann können wir das – alle.

 

Andere Zeiten

Manchmal steht man da und reibt sich verwundert die Augen. Da erledigt man eine Aufgabe seit Jahren zur Zufriedenheit aller. Dann wechselt das verantwortliche Team und plötzlich wird es schwierig, richtig schwierig. Nichts ist mehr richtig, es hagelt Kritik. Freundlich verpackt, aber konsequent. Manche Kritik ist schwer nachvollziehbar. Es scheint als würde das neue Team daran arbeiten, das eigene Profil zu schärfen. Was tun? Die Freude an der Tätigkeit ist verschwunden, Stress und Unsicherheit kommen auf, das macht die Situation nicht besser.
Wie damit umgehen? Sich zurück ziehen, den Kampf aufnehmen oder einfach gelassen bleiben, die eigene Haltung freundlich beibehalten? Sich nicht verunsichern lassen und vielleicht die Reißleine ziehen und den Auftrag zurück geben.
Es gibt einige Optionen, sie wollen ausprobiert werden.

Realität

 

Diese Woche ein Artikel von Claudia Shkatov in den Newslichtern. Sie schriebt über Verantwortung und meint damit, dass wir alle für unsere eigene Realität verantwortlich sind. Sie schreibt: „Die meisten Menschen glauben, dass unsere Realität unsere Gedanken, Gefühle, Entscheidungen und Handlungen hervorruft. Und nicht umgekehrt. Sie gehen davon aus, dass sich das, was sich im Außen in unserem Leben an Erwünschtem und insbesondere an Unerwünschtem zeigt, von äußeren Kräften gemacht wird – Krieg, Liebe, Politik, Arbeitslosigkeit, Seitensprünge, Lottogewinne, Umweltkatastrophen oder das Wetter.“ Normal, oder? Viele stimmen dem zu. Im Text geht es dann weiter mit dieser Behauptung: „Die Wahrheit ist, dass rein gar nichts zu mir ‚fällt‘. Ich ziehe selbst Dinge, Situationen und Menschen in mein Leben. Meine Gedanken und die dazugehörigen Worte, Taten und Emotionen senden Signale aus wie ein Radiosender und holen mir genau die Realität, auf deren Frequenz ich sende. Und nicht umgekehrt.“ Sie ist in jahrelanger Testarbeit zu der Überzeugung gekommen, dass das stimmt. Ich kann ihr da nur zustimmen. Auch ich bin der festen Überzeugung, dass mein Blickwinkel bestimmt, was ich erlebe. Gerade aktuell kann man wunderbar beobachten, wie das funktioniert. Welche Nachrichten nehme ich wahr und welche nicht?

 

Wenn das so ist, trage ich große Verantwortung für das, was ich denke, um so die Realität, die ich erlebe zu beeinflussen. Und wie bei so vielen Fähigkeiten im Leben will das geübt werden. Ich darf immer bewusster werden und lernen mit meinen Gedanken zu spielen. Weg von diesem „Ich bin mein Gedanke“ hin zu „Ich habe Gedanken, die ich jederzeit verändern kann“.

 

Stellt euch doch mal die Frage: „Woher kommt mein nächster Gedanke?“

 

Viel Spaß beim Üben!

 

Herz

 

Diese Woche kam mir bei meiner morgendlichen Schwimmrunde plötzlich der Gedanke: „Was wäre eigentlich, wenn wir alle unser Herz öffnen würden?“

 

Wenn wir die Mauern, die viele um ihre Herzen errichtet haben, einreißen würden? Dann könnte jeder offen und entspannt dem anderen begegnen, angstfrei und liebevoll, müsste nicht mehr Recht haben.

 

In der aktuellen Situation, in der sich die Fronten verhärten und anscheinend kaum jemand bereit ist, dem anderen zuzuhören und dessen Meinung zu respektieren, sicherlich eine Traumvorstellung. Aber gerade notwendiger denn je.

 

Wie kann das geschehen? Es wird nur funktionieren, wenn jeder bei sich selbst beginnt. Sich herauslöst aus Konditionierungen und allgemeinen Vorstellungen. In sich hineinhört und lernt kategorisch dem eigenen Herzen zu folgen. Dem eigenen Herzen vertraut und begreift, dass nichts und niemand unser Herz verletzten kann, wenn wir es nicht zulassen

 

Was für eine Macht besitzen wir da alle – wir sollten sie nutzen – jetzt!

 

OLYMPIA

 

Olympia, da gab es diese unschönen Momente. Momente als ein Trainer „Kameltreiber“ schrie und eine Trainerin die Sportlerin aufforderte ein Pferd zu schlagen. Natürlich hagelte es hinterher Entschuldigungen. Entschuldigen, die man getrost in die Tonne treten kann.

 

Da behaupteten dann doch die Betroffenen, es sei ein Versehen gewesen, dass unter Druck entstanden sei. Ich glaube ihnen kein Wort. Solche Äußerungen können unter Druck nur aus mir herausplatzen, wenn sie in meinem Inneren vorhanden sind. Menschen, die diese Ideen gar nicht in sich tragen, können sie auch unter Druck nicht äußern, weil sie einfach nicht da sind. Die Tatsache, dass solche Ideen in den beiden Personen präsent sind, ist schlimm und da hilft dann auch keine Entschuldigung, denn die löscht diese Ideen nicht. Es hilft nur, die eigene Haltung konsequent zu überdenken und zu verändern. Sind sie dazu wirklich bereit und haben sie überhaupt verstanden, worum es wirklich geht?  Ich habe da so meine Zweifel….

 

Gefühle

 

Der Psychologe Paul Ekmann hat 7 Grundgefühle der Menschen definiert. Diese Grundgefühle sind phylogenetsich, das bedeutet, dass sie in der menschlichen Psyche in allen Kulturen gleichermaßen anzutreffen sind. Kulturübergreifend wird mimisches Ausdrucksverhalten (z.B. Lachen oder Weinen) als Beleg für ein Grundgefühl angesehen. Zu diesen Grundgefühlen gehört Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Andere Psychologen zählen auch noch Scham dazu.

 

Diese Grundgefühle sind bei einem gesunden Menschen alle vorhanden und haben in unterschiedlichen Momenten ihre Daseinsberechtigung. Gesund ist, jederzeit von einem in ein anderes Gefühl wechseln zu können. Trotzdem gibt bei den meisten Menschen ein Gefühl den Ton an, steht im Vordergrund. Gut, wenn es die Freude ist. Diese Menschen sind meistens freundlich, optimistisch und zugewandt. Mit permanenter Wut im Bauch oder tiefer Traurigkeit in den Zellen fällt das erheblich schwerer. Diese Prägung entsteht einerseits durch die Persönlichkeit, die jedes Kind mitbringt und natürlich durch die Prägung, die wir in unserer Kindheit erfahren haben.

 

Da ist es dann gut, einmal hinzuschauen. Fühle ich diese Gefühle kraft meiner Persönlichkeit selbst oder habe ich sie von Papa oder Mama einfach nur übernommen.  Dafür muss ich erstmal in der Lage sein, eigene Gefühle benennen zu können. Ich muss wissen, ob ich gerade wirklich wütend bin oder in Wirklichkeit traurig bin. Vielen Menschen fällt es nicht so leicht, eigene Gefühle zu entdecken und zu benennen. Viellicht haben wir alle das nicht gut genug gelernt, haben doch viele als Kind die Erfahrung gemacht, dass die eigenen Gefühle nicht gesehen und gewürdigt wurden und dadurch den Kontakt zu den eigenen Gefühlen verloren. Es lohnt sich den Kontakt wieder zu knüpfen.

 

Lebenswege

 

In dieser Woche gab es in unserer Zeitung einen Artikel über eine Frau, die in Syrien Professorin für Kunst gewesen ist. Angekommen, nach der Flucht in Deutschland, wurde ihre Qualifikation nicht anerkannt und sie arbeitet heute als Putzfrau und Mädchen für alles in einem Hotel. Was für ein Lebensweg. Er erinnert mich an die Lebensgeschichte der Schwiegereltern meines Sohnes. Sie kommen aus Nowosibirsk. Der Mann hat Chorleitung studiert und die Frau Kunst. Keine Chance mit diesen Qualifikationen seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Also hat er in der Fleischfabrik und sie in einer Schokoladenfabrik gearbeitet. In ihrer Freizeit hat er Musikunterricht gegeben und sie wunderschöne Bilder gemalt. Heute, 60 Jahre alt, habe beide noch eine Weiterbildung zum Betreuungsassistenten gemacht. Sie malt jetzt mit alten Menschen und er macht Musik mit dementen Personen. Nach fast 30 Jahren fast angekommen im alten Beruf. Trotz dieses Weges erlebe ich beide immer als zufrieden mit sich und der Welt.

 

Mich berühren solche Geschichten und ich frage mich immer, wieviel Kraft es braucht, um alles hinter sich zu lassen und neu auf einer ganz anderen Ebene in einer fremden Umgebung zu beginnen. Lebensfreude dabei nicht zu verlieren bzw. wieder zu gewinnen.

 

Könnten diejenigen, die Fremde nicht im Land haben wollen, diese Kraft aufbringen?

 

Flüchtlinge oder Geflüchtete

 

Flüchtling oder Geflüchtete, welcher Begriff trifft die Sachlage besser, ist respektvoller? Ich habe in der letzten Woche darüber einen spannenden Austausch mit einer Freundin geführt, die studierte Sprachwissenschaftlerin ist. Sie favorisiert den Begriff „Geflüchtete“, macht ihn zum Thema in Gruppen, die an dem Thema „Faire Behandlung“ arbeiten.

 

Die Diskussion entzündete sich daran, dass ich immer von Flüchtlingen spreche. Geflüchtete ist mir zu beliebig. Wir sind alle schon einmal geflüchtet. Vor dem Regen, von einer Party oder aus der Schule. Flüchtling ist für mich liebevoller, sanfter. Ihr ergeht es genau gegenteilig. Das Wort Flüchtling erzeugt Beklemmungen, Magendruck.

 

Wir beide fanden es sehr interessant wie unterschiedlich wir auf die Begriffe reagieren, was die Begriffe emotional in uns auslösen. Wir haben keine Lösung für das Problem gefunden, darum ging es uns auch gar nicht.

 

Ich habe aus dem Austausch gelernt, aufmerksamer mit Begriffen umzugehen. Im Zweifelsfall lieber einmal mehr als einmal zu wenig nachzufragen, was der Begriff beim anderen auslöst. Wie oft nutzen wir Begriffe, ohne uns beim Gegenüber zu vergewissern, was er oder sie damit verbinden und wie oft entstehen dadurch Meinungsverschiedenheiten, Missstimmungen, die wir uns dann gar nicht erklären können. Es bedarf Einfühlungsvermögens und Phantasie, um zu verstehen, dass andere Menschen andere Dinge wahrnehmen als wir selbst.

 

Also: Achtet auf euere Worte – immer wieder

 

Berge oder Meer?

 

Studien haben gezeigt, dass die Vorliebe für das Meer oder die Berge eine Frage des Temperaments ist. Extravertierte bevorzugen die Ebene und das Meer, Introvertierte die Berge.  Es wurde herausgefunden, das Berge durchweg als ruhiger, stiller, friedlicher wahrgenommen wurden, während mit dem Flachland eher Geselligkeit und Stimaulation assoziiert wird.

 

Ich weiß nicht, ob das der Grund ist. Für mich gibt es nichts Friedlicheres als Möwen beim Segeln über dem Meer zuzuschauen. Ich habe da eine andere Idee, wo der Grund liegt.

 

Meer und Ebene sind offen, das ist Weite, da habe ich einen freien Blick. Es gibt keinen Schutz vor irgendetwas, ich kann heute schon sehen, wer morgen zu Besuch kommt.

 

Berge dagegen sind eng, der Blick ist eingeschränkt, wenn ich nicht gerade oben auf dem Berg bin, dafür fühle ich mich vielleicht beschützt von diesen Riesen um mich herum, fühle mich geborgen und empfinde keine Enge.

 

Ich glaube das treibende Gefühl bei der Entscheidung Berge oder Meer ist genau dieser Raum, der sich entweder öffnet oder begrenzt ist. Introvertierte Menschen mögen Sicherheit und Verlässlichkeit, vertraute Räume und keine Weite, in der alles Mögliche passieren kann.  Sie bevorzugen geschütztes, begrenztes Terrain. Extravertierte Menschen haben keine Angst vor freiem Raum, mögen ihn sogar gerne. Offenes Gelände, in dem vieles möglich ist, dass sich bewegende Meer bietet Entspannung, weil es nicht starr ist. Denn Starre wird von Extravertierten oft als Bedrohung empfunden.

 

Wie schön, dass jeder frei wählen kann, wo es ihn hinzieht.

 

Ubuntu

 

Ubuntu, eine Lebensphilosophie aus den afrikanischen Subsahara-Ländern. Die sinngemäße Übersetzung lautet: „Ich bin, weil wir sind.“

 

Desmond Tutu, ein südafrikanischer Geistlicher und Menschenrechtler, schreibt in seinem Buch „Keine Zukunft ohne Versöhnung“ folgendes: „Ein Mensch mit Ubuntu ist offen und zugänglich für andere, fühlt sich durch andere bestätigt und nicht bedroht, sondern weiß um die Fähigkeiten und Güte anderer. Er oder sie besitzt eine ausgeprägte Selbstsicherheit, die von dem Wissen herrührt, dass er oder sie einem größeren Ganzen angehört.“

 

Was für eine großartige Haltung und wie weit sind wir in Deutschland davon entfernt.

 

Meine südafrikanische Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Deutschen in Gesprächen ständig bemüht sind, sich selbst gut darzustellen, sich abzugrenzen gegenüber den anderen. Anders in Südafrika, da beginnt ein Gespräch damit, das man als erstes die Gemeinsamkeiten sucht. Über andere herzuziehen, z.B. Kommentare über Tänzer auf der Tanzfläche abzugeben, wird gesellschaftlich geächtet, ist ein absolutes No-Go.

 

Geboren ist diese Haltung aus der Lebensphilosophie Ubuntu, die die Gemeinschaft in den Vordergrund stellt. Wie gut könnten wir ein Stück davon gebrauchen. Das Gegenüber wertschätzen, wissen, dass bei einem gemeinsamen Handeln mehr erreicht wird, als wenn jeder alleine vor sich hin werkelt. Wirklich zu verinnerlichen, dass man gemeinsam weiter kommt als alleine.

 

Wenn man in Johannesburg auf dem Flughafen OR Tambo landet, empfängt einen auf einer Wand in großen Buchstaben der Spruch „Alleine geht man schneller, gemeinsam geht man weiter“.

 

Wir sollten in beherzigen.

 

Bild: