Kampf der Rivalen

Kinder sind Kämpfer und manches Mal verhalten sie sich nicht anders als junge Hunde in einem Rudel. Sie brauchen einerseits klare Anweisungen und andererseits Freiraum um ihre Kräfte untereinander zu messen. Moderne Erziehung möchte gerade kleine Jungen zu friedliebenden Erwachsenen erziehen, zu modernen Männern, die einfühlsam später einmal ihrer Rolle als Ehemann und Vater gewachsen sein werden. Allzu oft übersehen wir dabei, dass zum Großwerden auch Phasen des Tobens und der Rangeleien gehören. Männer in der Kindererziehung verstehen das häufig besser als Frauen und so wirkt es sich nachteilig auf die kleinen Jungen aus, wenn sie in Kindergarten und Grundschule zunächst überwiegend auf Frauen treffen. Wie das aussehen kann, wenn Raum für Ringkämpfe gelassen wird, schildert die folgende Geschichte:

 

Sommer, im Kindergarten toben nur noch wenige die Kinder auf dem großen Gelände herum, die meisten wurden bereits abgeholt.

Jan und sein Freund Felix jagen sich über das Gelände, als ihre Mütter kommen, um sie abzuholen. Jan ist groß und kräftig, Felix etwas kleiner, dafür sportlicher und wendiger. Wie das mittags in diesem Kindergarten üblich ist, stehen Mütter und Erzieherinnen in der Sonne und unterhalten sich. Auf dem Gelände steht eine kleine Eisenbahn aus Holz auf der einige Kinder sitzen und den beiden tobenden Jungen zusehen. Der Blick der Mutter von Felix geht zwischen ihrem rennenden Kind und den Zuschauern hin und her und mit einem Mal wird ihr deutlich: Da ist ein Kampf zwischen Felix und Jan im Gange. Das Rennen hört auf und die beiden wälzen sich auf dem Boden vor den Zuschauern auf der kleinen Eisenbahn.

Die restlichen Kinder, Erzieherinnen und Mütter bilden unabgesprochen einen Halbkreis um die rangelnden Jungen, niemand spricht, keiner greift ein, alle schauen irgendwie fasziniert auf diese beiden kämpfenden Jungen.

„Rudelkamp“ schießt es der Mutter durch den Kopf. Die beiden Kämpfer rangeln so lange, bis der kleinere der Beiden Felix oben auf dem, auf dem Rücken liegenden Jan thront. Er blickt ihm einige Sekunden schweigend tief in die Augen, Jan liegt ganz ruhig und lässt es geschehen. Dann steht Felix auf, streckt sich, blickt sich um und es hat den Anschein als würden alle anwesenden Kinder kurz respektvoll nicken. Es gibt kein Nachtreten, keine verbalen Attacken, die Fronten sind klar. Der Sieger ist gekrönt- Felix verlässt hoch erhobenen Hauptes das Gelände, wie selbstverständlich erwartend, dass seine Mama ihm folgt. Die denkt: „So gehen Könige!“ Sie ist ein bisschen Stolz auf die Fairness dieses Kampfes und ein bisschen verwundert über diesen so besonderen Moment. Denn immer noch spricht niemand, es scheint als seien alle Beteiligten gerade Zeuge eines uralten Rituals gewesen, dass vermutlich im Reptiliengedächtnis von uns Menschen so fest verankert ist, dass wir es auch heute noch still respektieren, wenn genug Raum da ist, es durchzuführen.

Auf dem Heimweg fällt kein Wort über diesen Kampf.

 

Diese Geschichte zeigt, wie berührend, beeindruckend, besonders es sein kann, wenn Kindern genug Raum gelassen wird, archaische Triebe auszuleben.

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