Buchung

Manchmal ist es zum Verzweifeln. Da versuche ich seit Tagen bei Eventim Tickets für ein Konzert zu bestellen. Natürlich für einen Rollstuhlfahrer. Keine Chance…. Der Kundenservice antwortet per Mail erst nach 1,5 Wochen. Teilt mir mit, dass es über Saalplanbuchung funktioniert. Leider ein Trugschluss, dort kann man keinen Rolli angeben. Die außerdem genannte Telefonnummer kannte ich schon und versuche ebenfalls seit 1.5 Wochen erfolglos darüber zu buchen. Diese Hotline leitet einen mit mehrfachem „Drücken Sie die 1,2 3“ durch ein Menü, um dann zu erklären, dass es zu viele Anrufe gibt und sie den Anruf nicht entgegennehmen können. Ginge das nicht sofort? Würde Zeit und Nerven sparen. Meine Güte, was für ein Kundenservice.

Völlig genervt versuche ich mein Glück bei einer Veranstaltung in der Lagerhalle in Osnabrück. Was soll ich sagen. Man kann Rolli Fahrer mit Begleitung buchen. Ich bin sprachlos. Das Leben kann so einfach sein.

Eng

Kennt ihr diese Menschen, die völlig unflexibel sind? Nicht in der Lage, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen?
Ich habe es schwer mit solchen Menschen, fühle mich ausgebremst. So als würde ich vor eine Wand donnern.
Manchmal schaffe ich es, gelassen und flexibel damit umzugehen. In Momenten, in denen auch ich mich nicht bewege, auf meiner Meinung beharre, wird es schwierig. Meistens werfen sie mir dann die Brocken vor die Füße und stürmen wütend davon. Ich bleibe zurück, aufgeregt, verwirrt, verärgert.
Mein Verstand sagt: "Gleiches Recht für alle. Jeder darf seine eigene Meinung haben." Mein Gefühl sagt: "Wie schade, es ist nicht gelungen, die Gemeinsamkeit herauszufinden"
Mir fällt es schwer, mich auf die Suche nach Gemeinsamkeit zu machen, wenn das Gegenüber keine Bereitschaft signalisiert, sich bewegen zu wollen. Wie geht es euch damit?

 

Hochbegabt

In den Schuhen des anderen gehen…., kriegen wir das hin?

Diese Woche Gespräch mit einer Freundin über ihren hochbegabten Sohn. Er ist 12 Jahre alt und hat schon 2x ohne Probleme eine Klasse übersprungen. Sie meinte, es sei schwer dem Rest der Welt klarzumachen, was es bedeutet solch ein Kind zu haben, einschließlich der Lehrer und Lehrerinnen. Das Kind ist mathematisch, naturwissenschaftlich interessiert, Sprachen interessieren ihn nicht wirklich. Heißt, er steht im Englischen 3, ohne einen Handschlag dafür zu tun. Die betreffende Lehrerin fragte, ob es wirklich eine gute Idee gewesen sei, ihn die Klasse überspringen zu lassen. So gut sei er ja nicht im Englischen. Nein, wird er vermutlich auch nie werden, weil es ihm am Hintern vorbei geht. Aber, sollte es erforderlich wird, wird er später ohne Probleme ein Studium auf Englisch erfolgreich abschließen. Kosten Nutzen Abwägung nennt man das und das beherrschen diese Kinder richtig gut. Auh die Anmerkung, dass er ja dann ganz viel nachholen müsse, trifft es nicht wirklich. Er steigt einfach in die Klasse ein und macht da weiter, wo die anderen schon sind.

Genauso die Bemerkung von netten Menschen, dass dieses Kind aber doch dringend mal Fußball spielen müsse und mit anderen Kindern zusammen sein müssen, trifft das Problem nicht wirklich. Nein, er muss nicht Fußball spielen und er hat einfach die Schwierigkeit, dass gleichaltrige Kinder für ihn langweilig sind, weil er sich für komplett andere Sachen interessiert.

Gut wäre es einfach mal interessiert nachzufragen, wie das Leben dieses Kindes aussieht und sich kategorisch mit gut gemeinten Ratschlägen zurückzuhalten. Wir alle dürfen das immer wieder üben.

Lernhaus - die Zweite

Diese Woche wieder Lernhaus- Treffen. Wir machen weiter mit Biografie-Arbeit. Dieses Mal sollen wir alle eine Collage erstellen. Frage: „Wer bin ich geworden?“ und „Was ist mir wichtig“. Alle haben Zeitschriften mitgebracht, überwiegend sogenannte Frauenzeitschriften. Als erstes stelle ich fest, dass ich in diesen Exemplaren kaum Bilder finde, die zu mir und zu meinem Leben passen. Wundert mich jetzt irgendwie nicht. Nach endlosem Blättern werde ich dann in Reisprospekten, Zeitungsbeilagen und alternativen Zeitschriften fündig und gestalte meine Collage. Schon spannend, welche Gedanken einem bei dieser Tätigkeit so durch den Kopf gehen. Anschließend sind wir aufgefordert in Kleingruppen zu diesem Thema zu sprechen. 8 Minuten Zeit haben wir. Wie immer mache ich bei meinem Vortrag eine Punktlandung, bin22 sec. vor Ablauf der Zeit fertig. Ich kann Zeit fühlen….Die beiden Frauen in meiner Gruppe haben einen komplett anderen Lebensweg als ich bislang gehabt und trotzdem entsteht ein Gefühl von Verbundenheit. Wir teilen unsere Erfahrungen, die Höhen und die Tiefen, stellen fest, dass wir alle es bis hier her geschafft haben, unsere unterschiedlichen Leben unbeschadet zu wuppen. Großartig. Ein Gefühl von Frieden und Gelassenheit bereitet sich aus. Ich denke: „Was kann einem schon passieren, wenn man darüber spricht?“

Bedingungslose Liebe

Gespräch mit meiner Tochter am Wochenende. Wir unterhalten uns über Eheleben. Wie das ist, verheiratet zu sein. Und dann taucht sie auf die Frage: „Bedingungslose Liebe? Geht das in einer Ehe?

Ja, geht das? Wenn ich mich so umschaue, offensichtlich nicht. Ich erlebe die Menschen als fordernd in ihren Beziehungen.  Wenn er er/sie nicht das und das macht, sich nicht genau auf die erwartete Art und Weise verhält dann gibt es Ärger oder sogar den Abbruch der Beziehung. Tenor: „Das geht ja wohl gar nicht. Der meint wohl….“

Ich bin dann immer ein bisschen irritiert, denn jeder der Partner hat seine besonderen Eigenheiten, seine speziellen Macken, die zu dem einen oder anderen Verhalten führen. Und zu meinen, ich kann nur dann glücklich sein, wenn der Partner meine Bedürfnisse immer und ständig erfüllt, macht Beziehung schwierig oder sogar unmöglich. Erst dann, wenn ich den Partner nicht mehr brauche für mein eigenes Glück, bin ich in der Lage eine gute Beziehung zu führen. Dann ist da dieser Mensch, dem mein Herz gehört, mein Lieblingsmensch und ich bin breit mich um ihn zu kümmern, für ihn sorgen. Auf meine Art und Weise. Ich bin frei von der Erwartung, dass er es auf genau die gleiche Weise tut.  Ich kann unsere Verbindung sehen, unabhängig von dem, was gerade im Außen passiert.

Ist das bedingungslose Liebe? Vielleicht….

Missverständnisse

Manchmal gibt es diese Begegnungen, die von Anfang an schieflaufen. Schon beim ersten Kontakt hakt es. Es kommt zu Missverständnissen, erforderliche Arbeitsschritte, die sonst geschmeidig laufen, werden nicht wünschenswert erledigt, beide Seiten sind verärgert. Handelt es sich um eine Arbeitsbeziehung fühlen sich beide Seiten verpflichtet, weiter zu „kämpfen“. Ja, irgendwie entwickeln sich die Beziehung zum Kampf. Mir geht es dann immer so, dass ich schon Bauchschmerzen habe, wenn ein neuer Auftrag bevorsteht, mir besonders viel Mühe gebe, die Anforderungen zu erfüllen. Trotzdem weiß ich eigentlich schon vorher, dass es wieder schief gehen wird, dass mir gerade in diesen Fällen meine eigenen Unzulänglichkeiten ein Bein stellen. Eigentlich wäre es eine gute Idee, das ganze abzublasen, es zu lassen. Zu sagen: „Wir beide nicht!“ Rückgrat ist gefragt, zu sich selbst und seinen Fehlern und Ansprüchen zu stehen. Klarheit schaffen und den Kriegsschauplatz verlassen, tut beiden gut…

Esoterik

Ein guter Freund hat mir einen Link zu einer Sendung bei Deutschlandfunkkultur zugeschickt. In dieser Sendung versuchen die Sozialpsychologin Pia Lamberty und die Politikwissenschaftlerin Katharina Nocun eine Bresche in die Gedankenwelt der Esoterik zu schlagen, wie es dort wörtlich heißt. So gehören nach ihrer Ansicht zum Beispiel Globulis in den Instrumentenkoffer der Esoterik und sind natürlich lediglich Placebos. Darüber könnten wir jetzt stundenlang streiten und vermutlich nie zu einem Ergebnis kommen, denn Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, können sich halt einfach nicht verstehen. Viel schlimmer finde ich, dass in dieser Sendung so ziemlich alles, was es an Blödsinn in der Esoterikszene gibt, herangezogen wird, um den Beweis anzutreten, dass das natürlich alles Schwachsinn ist. Komischerweise werden solche Überlegungen hinsichtlich der Wissenschaft nicht angestellt. Da nimmt man es klaglos hin, dass eine Studie zu dem Ergebnis kommt, dass Eier umso größer sind, je gelber der Schnabel der Stockente ist. Was für eine Erkenntnis! Natürlich wird in dieser Sendung die Esoterikszene in Verbindung mit rechtem Gedankengut gebracht. Im Moment ja ein allseits beliebtes Argument. Im übrigen verfolgen Hirnforscher aktuell die selben Spuren wie Mystiker, Budhhisten und Psychodelika- Experten. Scheint an den Autorinnen der Sendung vorbei gegangen zu sein.

An keiner Stelle findet eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen Erfahrungen statt. Ich vermute, die beiden Autorinnen haben auch nie solche Erfahrungen gemacht und sind daher in meinen Augen eher nicht qualifiziert über dieses Thema zu sprechen. Ich finde solche Beiträge immer gruselig und wünsche mir auch von wissenschaftlich orientierten Menschen, die Bereitschaft Dinge zu akzeptieren, die außerhalb ihrer Erfahrungswelt liegen. Sie erwarten schließlich auch, dass ihre Haltung akzeptiert wird.

Und ich wünsche mit weise Lehrer, die uns an die Hand nehmen und uns die Dinge lehren, die es auch noch zwischen Himmel und Erde, von denen Wissenschaft aber keine Ahnung hat. Und wie sagte doch Ken Wilber so schön: „Alles was es auf der Welt gibt, ist ein bisschen richtig, sonst wäre es nicht da!“

Inklusion?

Inklusion, an vielen Stellen ein Thema. Es werden große Reden geschwungen, weise Vorschläge gemacht. Und dann, ja dann erlebt man als Mensch mit Einschränkungen einfach mal den Alltag. Kinobesuch mit Ehemann im Rollstuhl. Die Auskunft vorher lautet, ja, wir haben Plätze für Rollstuhlfahrer. Wir werden abgeholt am Kinoeingang, einen langen Gang entlanggeführt, zum Platz gebracht. Zu diesem Platz, der direkt vorne vor der Leinwand ist. Mit verschlägt es die Sprache. Ich fühle mich beleidigt, abgeschoben. Es handelt sich um ein frisch renoviertes Kino, die Sitz vom Feinsten, alles neu und dann so was. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich denke mir, wie einfach wäre es statt Stufen zu den Plätzen, eine Rampe gebaut zu haben und in jeder 5. Reihe 2 Sitze wegzulassen und so wählbare Plätze für Rollifahrer zu schaffen. Ja eigentlich würden einfach nur diese Plätze reichen, denn die Stufen sind so groß und breit, dass man sie auch mit Rolli bewältigen kann. Aber da hätte jemand dran denken müssen. War offensichtlich nicht der Fall.

Das gleich galt für die Behindertentoilette, großer Hinweis im Vorraum und dann war sie nicht aufzufinden. Erst als ich zur Toilette ging, habe ich entdeckt, dass sie sich in der Damentoilette versteckte. Wie bitte soll ein einzelner Mann das entdecken und vielleicht ist es ihm unangenehm zur Damentoilette zu gehen. Schon wieder nicht mitgedacht. So überhaupt gar nicht mitgedacht.

Ich habe das Kino angeschrieben und meinen Ärger zum Ausdruck gebracht. Es sind jetzt mehrere Tage vergangen, glaubt bloß nicht, dass es eine Antwort gab!

Ganz ehrlich?  Nie wieder Hale of Fame in Osnabrück.

Vertrauen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wir alle kennen diesen Spruch. Was wäre, wenn wir ihn einfach umdrehen würden. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!

Kontrolle ist in erster Linie mit Anstrengung verbunden. Ich muss hinschauen, überprüfen, muss stets wachsam sein. Vertraue ich, gebe ich die Verantwortung ab, kann mich entspannt zurücklehnen und abwarten. Ja, wer kontrollieren will, ist nicht in der Lage Verantwortung abzugeben. Hält sich selbst für das Maß aller Dinge, glaubt nur selbst alles im Griff zu haben.

Menschen die Vertrauen, glauben, dass auch andere Verantwortung übernehmen können. Trauen den anderen zu, Dinge gut oder vielleicht sogar besser erledigen zu können als man selbst. Die Fähigkeit anderen vertrauen zu können, hat viel mit der Fähigkeit sich selbst zu vertrauen zu tun. Wenn wir uns selbst vertrauen, haben wir das (Selbst-)Vertrauen, unser Leben auch in Zukunft zu meistern. Mit diesem Vertrauen gehen wir erheblich gelassener durch die Welt. Die Überzeugung, ich kann – komme was wolle! – damit fertig werden, hilft sehr, anderen zu vertrauen.

Wenn also der Zwang alles kontrollieren zu wollen viel mit fehlendem Selbstvertrauen zu tun, dann dürfen wohl eine Reihe von Menschen über das eigene Selbstvertrauen nachdenken. Vertraut ihr euch?

Gruppen

Gruppendynamik wird definiert als die wechselseitige Beeinflussung der Mitglieder einer Gruppe oder zwischen Gruppen, die zu einer Veränderung der Prozesse und Strukturen einer oder mehrerer Gruppen führt. Anders gesagt: „Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile!“ So lautet ein berühmter Gedanke des Gestaltpsychologen Max Wertheimer. Das hört sich erstmal nicht besorgniserregend an und doch kann es passieren, dass Menschen sich Gruppenprozessen anpassen und unüberlegt Dinge tun, die sie alleine niemals tun würden. Es ist nicht leicht in einer Gruppe Stopp zu sagen, wenn alle gerade begeistert in eine Richtung laufen.

Ich selbst bin da immer sehr kritisch, mag es nicht von Gruppen vereinnahmt zu werden. Da geht so weit, dass ich mich so manches Mal dabei erwische in einem Moment, in dem man im Kreis sitzt, plötzlich mit meinem Stuhl einen Meter aus dem Kreis herauszurutschen. Körperlich Distanz herzustellen. In der Beobachterrolle zu bleiben ist mir wichtig. Nicht Gefahr zu laufen unbedacht manipuliert zu werden. Das hat nichts mit der Bereitschaft zu tun, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, nichts mit der Fähigkeit, sich anzupassen und in den Dienst der Sache zu stellen.

Aber es hat etwas mit Unabhängigkeit zu tun, damit zu tun, die eigene Identität nicht an eine soziale Gruppe zu koppeln. Es hat mit dem Wissen zu tun, gemeinsam einem größeren Ganzen anzugehören. Etwas das gößer und umfassender ist als die Dynamiken der Gruppe.

Bedürfnisse

Freundschaft, ein immer wieder interessantes Thema. Freunde kommen und gehen, begleiten uns über einen gewissen Zeitraum unseres Lebens und verschwinden dann wieder in der Versenkung. Warum verschwinden sie? Die Gemeinsamkeiten haben sich verflüchtigt, die Treffen langweilen nur noch, es gibt unterschiedliche Ansichten zu den verschiedensten Themen, man ärgert sich über den jeweils anderen. Was und wieviel kann Freundschaft aushalten? Freundschaft ist allzu oft mit Erwartungen verbunden. Der andere soll die eigenen Bedürfnisse erfüllen, soll die eigene Meinung teilen. Warum eigentlich?  Wenn ich eine klare Haltung, Meinung zu etwas habe, ist es doch eigentlich egal, was der Freund oder die Freundin darüber denken. Im Gegenteil, nur wenn man unterschiedlicher Meinung ist, kann man spannende Gespräche führen. Die Sichtweise des anderen kennen und schätzen lernen. Horizonterweiterung nennt man das. Habe ich mich allerdings festgefahren in meiner Meinung, kann keinerlei abweichende Stellungnahme ertragen dann, ja dann muss ich die Freundschaft zu meiner eigenen Sicherheit beenden. Wir alles sind gut beraten, uns über unsere eigenen Bedürfnisse klar zu werden und zu lernen selbst für diese Bedürfnisse zu sorgen, denn dann müssen nicht durch Freund, Freundinnen, Partner oder Partnerinnen erfüllt werden.

Lernhaus

Ich beteilige mich aktuell am Lernhaus in Osnabrück. Ein Jahr lang treffen sich einmal im Monat bildungsinteressierte Frauen verschiedener Religionen und Kulturen und tauschen sich über ihre Lebensgeschichten aus. Das Ziel ist zu lernen, gewaltfrei und auf Augenhöhe, mit Respekt und Empathie zu kommunizieren. Am Ende sind die Frauen als Kulturmittlerinnen zertifiziert.

Bei einem der ersten Treffen ging es um Biographiearbeit. Wir waren aufgefordert in einer kleinen Gruppe aus unserer Kindheit zu erzählen. In meiner Gruppe war eine Frau aus Syrien, die über das Leben in Großfamilie berichtete, wie es war mit den geliebten Großeltern im gleichen Dorf zu wohnen. Sie jederzeit besuchen zu können. Ein glückliches Leben vor dem Ausbruch dieses Krieges. Mit wurde an dieser Stelle bewusst, dass dieser Krieg, ihr nicht nur die Heimat genommen hat, was schlimm genug ist, sondern auch diesen wunderbaren Zusammenhalt in Großfamilie. Nach ihrer Aussage haben die 9 Geschwister immer noch intensiven Kontakt, aber es ist sicher nicht mehr so wie damals im Dorf. Die allgemeinen Nachrichten, die uns erreichen, bekommen auf diese Weise ein individuelles, prägendes Gesicht. Erlebte Geschichte wird für den Außenstehenden lebendig. So funktioniert Verständigung.

Nochmal Maske

Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über das unsägliche C schreiben. Aber es gibt immer wieder Momente, die mich am Verstand der Menschen zweifeln lassen. Heute im Edeka, ein junger Vater mit seiner ca. 12-jährigen Tochter, beide mit Maske. Okay, es gibt es bei uns immer noch Menschen, die Maske tragen, ist ja ihre Entscheidung. In Holland hae ich gerade erlebt, dass es auch ohne geht. Aber ein Kind mit Maske ??? Ich möchte den Vater schütteln und ihn fragen, ob ihm eigentlich nicht klar ist, dass tragen einer Maske der Seele des Kindes und seinem Körper schadet? So was nennt man eigentlich Kindesmisshandlung. Das war es von Anfang an und das wird es auch bleiben. Ein Kind zu veranlassen, sein Gesicht zu verhüllen, geht gar nicht. Mal abgesehen davon, dass es inzwischen genug Studien gibt, die zeigen, dass das ganze Maske tragen sowieso zu keiner signifikanten Verbesserung geführt hat. Also? Was soll das?  Ich stehe und überlege kurz, ob ich anspreche und dann lasse ich es. Ich weiß, dass es keinen Zweck hat. Er ist halt im anderen Film. Schade.

Begabung II

Letzte Woche habe ich über Begabung gesprochen. Dieses Anderssein findet sich auch in anderen Situationen wieder. Ich habe an einem psychologischen Seminar zum Thema Co-Counseling teilgenommen. Beim Co-Counseling geht es im Kern darum, jeden in seiner Art wert zu schätzen, zu lernen authentisch zu sein. Es gab einen bunten Strauß von Teilnehmer*innen mit ganz unterschiedlichen Schwierigkeiten. Da gab es die eine, die sich nicht traute aufzustehen und ihren Namen zu sagen und es gab die andere, die es genoss ihren Namen mitten im Kreis der anderen zu sagen. Es gab den Mann, dem es schwer fiel Blickkontakt auszuhalten und es gab die Teilnehmerin, die sich entschlossen einer Übung verweigerte. Alles war in Ordnung. War es das? Es gab auch diese eine Person, die all diese Schwierigkeiten nicht hatte, die in sich ruhte, lebhaft und spontan war. Ich habe beobachtet, dass sie mehrfach von den Dozentinnen zurückgepfiffen wurde. Also daran gehindert wurde, ihre Authentizität zu leben. Weil es die anderen überfordert hätte? Weil die Dozentinnen es als bedrohlich empfunden hätten?

Auf jeden Fall war da jemand der andere Dinge konnte als die anderen und das schien irgendwie nicht in Ordnung zu sein. Auch hier stellt sich die Frage, wie wir mit Begabung umgehen. Offensichtlich ist das schwer auszuhalten…..

Begabung

Eigentlich wissen wir alle, es gibt begabte Menschen und es gibt unbegabte Menschen. Das gilt auch für Kinder. Da gibt es die kleinen Mäuse, die sich selbst das Lesen beibringen und es gibt die, die in der Schule viel Unterstützung brauchen, um überhaupt lesen zu lernen. Unser System guckt meistens auf die, die Förderung brauchen, um das Ziel zu erreichen. Diejenigen, denen alles leichtfällt, fallen hinten runter. In den Augen der Welt brauchen sie keine Förderung. Dabei ist das Leben auch für diese Kinder nicht einfach. Oft klafft eine große Lücke zwischen ihrer emotionalen und ihrer kognitiven Entwicklung. Auf der einen Seite sind sie in der Lage bei den „Großen“ mitzuhalten. Orientieren sich an den Älteren, denn nur dort bekommen sie kognitive Anregungen und auf der anderen Seite sind sie dann aber auch oft überfordert, weil sie eben emotional 2, 3 Jahre jünger sind als die Kinder, an denen sie sich orientieren. Es bedürfte also spezieller Aktionen, Programme, um diesen Kindern zu helfen. Manchmal würde es auch schon helfen, wenn die betreuenden Erzieher*innen oder Lehrer*innen das Problem überhaupt erkennen würden. Leider scheinen die hier manchmal auf einem Auge blind zu sein. Begabung kommt in ihrer Wahrnehmung nicht vor. Schade. Eine hochbegabte südafrikanische Freundin hat mir erzählt, dass in Südafrika die Kinder wieder und wieder getestet werden und die Begabten spezielle Förderung erhalten. Sie war immer dabei. Sie findet es befremdlich, wie mit diesem Thema in deutschen Schulen umgegangen wird. Diese Förderung hat übrigens nicht dazu geführt, dass sie irgendwie arrogant geworden ist. Im Gegenteil, zugewandt, offen, freundlich geht sie durchs Leben, schließlich ist ihre Art von Anfang an gewürdigt worden. Südafrikanische Schulen bieten ihren Schülern auch sogenannte „Survival Camp Tage“ an. Tage, in denen Schüler lernen, sich auf die Natur einzulassen, lernen den Tag mit einer Meditation zu beginnen. Also emotionale neben kognitiver Förderung, sehr begrüßenswert!

Pass

Diese Woche in unserer Zeitung. Ein Artikel über einen 26- jährigen Albaner, der in Deutschland geboren wurde. Seine Eltern haben es damals versäumt ihm in seiner Heimat registrieren zu lassen. Aus diesem Grund besitzt der junge Mann keinen Pass und erhält aktuell immer nur eine 3-monatige Fiktionsbescheinigung, die ihm den Aufenthalt gestattet. Er ist aufgefordert sich einen albanischen Pass zu besorgen. Dafür müsste er nach Albanien fahren. Die Ausstellung kann 3 Monate dauern. Er spricht er kein Wort albanisch, weiß nicht wie er von seinem Friseurgehalt den Aufenthalt finanzieren soll und ob er ohne Probleme zurückkommt, kann ihm auch niemand garantieren. Er hat inzwischen auf vielen Wegen versucht sein Problem zu lösen, leider erfolglos. Erschüttert hat mich die Aussage des Sozialvorstandes unserer Stadt. „Es stellt sich gar nicht die Frage, ob dieses Verfahren angemessen ist oder nicht. Hier gilt es vielmehr die geltenden rechtlichen Vorschriften einzuhalten.“ Was für ein Satz! Ich kann kaum beschreiben welche Wut er in mir auslöst. Okay, es gibt Rechtsvorschriften, um unser Leben zu regeln, aber diese Vorschriften dürfen nicht vor allem steht, sozusagen das Maß aller Dinge sein. Eigentlich sind sie doch dazu da, das Leben für alle in geordnete Bahnen zu lenken. In einer Situation, in der die Ordnung aber überhaupt nicht in Gefahr gerät, weil da ein unbescholtener junger Mann, der einen Beruf erlernt hat und ausübt, einfach nur in diesem Land leben will, weil es ehrlicherweise sein Heimatland ist, muss es Wege und Möglichkeiten geben das möglich zu machen. Wenn nicht mit dem Gesetz, dann eben ohne Gesetz, wenn interessiert das? Wahrscheinlich nur ein paar herzlose, nicht besonders pragmatische Korinthenkacker. Ich frage mich in solchen Momenten immer sehr verzweifelt, wie kann man die Typen ausbremsen, damit das Leben für alle leichter wird.

Besserwisser - Wise Guys

Seid ihr auch so genervt von diesen ewigen Besserwissern?
All den Menschen, die es ja eigentlich nur gut mit euch meinen und euch deshalb mit Ratschlägen und Informationen, wie ihr was besser machen könntet, zu müllen.
Besser essen, besser kommunizieren, mehr oder anderen Sport machen, überhaupt am besten ein komplett anderer Mensch zu werden.
Soll ich euch was verraten? Ich schwanke dann immer zwischen Erstaunen, Entsetzen und einem nachsichtigen, gelangweiltem Schmunzeln hin und her.
Erstaunen deshalb, weil ich, wenn ich genau hinschaue wahrnehme, dass diese Besserwisser ihr eigenes Leben nur bedingt glücklich erleben. Verkniffen, verbissen, missionarisch laufen sie durch die Weltgeschichte und malen die Apokalypse drohend an die Wand. Da frage ich mich dann immer, warum ich ihrem Rat folgen soll, wenn das Ergebnis so wenig glücklich macht? Das gilt für leidenschaftliche Veganer, Vegetarier genauso wie für religiöse Eiferer.
Entsetzen weil es diese Menschen trotz gegenteiliger Behauptung nicht schaffen, andere Meinungen einfach mal stehen zu lassen. Jeder, der ihnen nicht uneingeschränkt zu stimmt, hat es noch nicht verstanden und wird seine Haltung eines Tages bitter bereuen. Gerade wenn sie auf stabile, in sich ruhende Zeitgenossen treffen, werden sie oftmals zu bissigen Kläffern und schütten Anschuldigen und Vorwürfe aus. Die Ablehnung der eigenen Ideen wird gerne abgeblockt mit dem Vorwurf, der andere solle doch bitte mal schauen, was er da noch für Baustellen habe. Super! Solch ein Verhalten führt garantiert nicht zu einem konstruktiven Dialog über mehrere vorhandene Möglichkeiten.
Gelangweiltes Schmunzeln, weil ich diese Besserwisser als Suchende erlebe, die gerade einen Schatz gefunden haben, denn sie wie ein Kleinkind sofort allen zeigen müssen. Das ist völlig in Ordnung und mein Schmunzeln bleibt so lange, bis der missionarische Eifer so stark wird, dass er an den Grundfesten meiner Überzeugung rüttelt, die da lautet: Jeder ist am besten in der Lage zu erkennen, was für ihn gut und richtig ist und der Satz : „Du musst…“ sollte ersatzlos aus dem Repertoire gestrichen werden. Mein Vater sagte immer: „Sterben muss ich und sonst muss ich gar nix!“. Diese Erkenntnis kann in der unsäglich C-Zeit gar nicht oft genug wiederholt werden.
Wie schön, dass wir in einer Welt leben, in der so viel verschiedene Meinungen und Möglichkeiten vorhanden sind. Und wie sagt Ken Wilber, der amerikanische Philospoh doch so schön: "Alles, was es in der Welt gibt, ist ein bisschen richtig, sonst wäre es nicht da!"
Vergesst das bitte nicht und erfreut euch an der Vielfalt, statt einen Einheitsbrei daraus zu machen.
Lasst es euch gut gehen!

 

Echo

Das Leben ist ein Echo deiner Gedanken. Dieser Satz begegnete mir in der letzten Woche. Was für ein Satz. Den kann man sich auf der Zunge zergehen lassen. Was ist, wenn ich ihn wirklich verstanden habe. Ist es wirklich so, dass alles, was mir im Leben passiert, was mir begegnet, lediglich ein Echo meiner Gedanken ist? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass zumindest meine Reaktion auf diese Ereignisse in meinem Leben, ein Echo meiner Gedanken sind, Versinke ich im Drama oder kann ich den Widerstand aufgeben und nach einer Lösung suchen. Und die Reaktionen meiner Mitmenschen sind auf jeden Fall ein Echo meiner Gedanken. Begegne ich den Menschen offen, zugewandt und freundlich, werde ich andere Dinge erleben, als wenn ich ihnen sofort Unehrlichkeit, Böswilligkeit oder Neid unterstelle. Zum großen Teil habe ich es also in meiner Hand, was in meinem Leben passiert. Also: Achtet gut auf euere Gedanken…

Empathie

„Um wirklich empathisch zu sein, muss ich klar sein, sonst entsteht nur Chaos“ dieser Satz hat mich wirklich beeindruckt und mir wurde schlagartig klar, warum manche Menschen nur behaupten empathisch zu sein, es in Wirklichkeit aber nicht sind. Nur wenn ich mir selbst klar über meine eigenen Bedürfnisse bin und für diese eintreten kann, bin ich in der Lage empathisch auf andere einzugehen. Ihren Raum zu betreten und ihnen zu helfen, eine Lösung für ihre Probleme zu finden, ohne mich gemeinsam mit ihnen in ihrem eigenen Chaos zu verlaufen. Wenn ich klar bin, kann ich jederzeit die Reißleine ziehen und gut für mich sorgen, wenn es mir zu viel wird. Bin ich aber nicht klar, habe ich Schwierigkeiten meine Bedürfnisse anzumelden, dann muss ich die Menschen auf Abstand halten, kann mich nicht einlassen, denn es droht ja Gefahr, dass ich untergehe. Die Unfähigkeit, eigene Bedürfnisse anzumelden hat viel mit erlernten Mustern zu tun. Was ich gelernt habe, kann ich auch wieder verlernen, auch wenn das oft nicht ganz einfach ist. Es lohnt sich aber, denn die Welt braucht empathische Menschen.

Small Talk

Ich beschäftige mich ja nun schon länger mit der Lebenswelt hochsensibler Menschen. Diese Menschen reklamieren für sich, besonders empathisch zu sein, das Gegenüber gut lesen zu können. Nach meiner Wahrnehmung hat diese Fähigkeit aber Grenzen. Immer dann, wenn irgendjemand so ganz anders tickt als sie selbst. Dann wird es schwierig und es wird wenig bis gar keine Flexibilität an den Tag gelegt. Das beginnt z.B. bei einem Thema wie „Small Talk“. Small Talk wird meistens vehement abgelehnt. Abgelehnt mit der Begründung, dass man auf seichte Gespräche keine Lust habe. Aha! Aber wenn das seichte Gespräch die einzige Möglichkeit ist, mit meinem Gegenüber in Kontakt zu treten, überhaupt erstmal Kontakt aufzubauen? Was dann? Wo bleibt die Empathie an diese Stelle? Empathie ist die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. Was würde passieren, wenn diese Menschen gelernt hätten, ein leichte, kleines, freundliches Small Talk Gespräch zu führen. In diesem einen Moment, das würde sie ja nicht daran hindern, in andren Momenten tiefsinnige Gespräche zu führen. Nicht sie zu be- oder gar abzuwerten, in diesem Moment einfach akzeptieren. Schließlich wollen die meisten überhaupt nicht zu jeder x-beliebigen Person intensiven Kontakt haben. Da darf es dann doch auch unspektakulär leicht zu gehen. Schließlich ist man im realen Leben doch auch nicht jeden Tag ein deftiges Essen sondern ab und zu nur einen leichten Salat. Ist das wirklich ein Problem?
Es geht darum, den anderen so sein zu lassen, wie er ist. Selbst wenn ich damit wenig anfangen kann. Es geht darum flexibel auf die unterschiedlichsten Typen zu reagieren, Kontakt aufnehmen zu können und sie in ihrem So-Sein zu akzeptieren. Vielleicht schwierig, aber machbar.

 

Schwarz-Sein?

„Ich verachte Rassismus, weil ich ihn für barbarisch halte, egal ob er nun von einem schwarzen oder weißen Menschen kommt“. Das ist ein Zitat von Nelson Mandela. Eigentlich ist diesem Zitat des großartigen Kämpfers nichts hinzuzufügen und doch scheint er in den Köpfen vieler Menschen noch nicht angekommen zu sein.

Rassismus zeigt sich in vielen, vielen Varianten, oftmals subtil und im ersten Moment nicht unbedingt erkennbar. Da ist der Platz, der in Bus und Bahn neben einem farbigen Mitbürger frei bleibt, da ist die Frage an farbige Deutsche, wo sie denn eigentlich herkommen. Könnt ihr euch vorstellen, was das mit einem Menschen macht, der in Bochum, Hamburg oder Bayreuth geboren wurde und sein ganzes Leben dort verbracht hat?  Da sind die Berichte von farbigen Mitbürgern, dass sie überproportional häufig von der Polizei angehalten und grundlos kontrolliert werden. Da ist die Vermutung, dass farbige Menschen kein Deutsch sprechen und man sich stotternd oder gleich auf Englisch mit Ihnen unterhalten muss, ungeachtet der Tatsache, dass die Muttersprache vieler Afrikaner Französisch ist. Über die Unsitte, ungefragt farbigen Kindern durch die Haare zu wuseln, will ich gar nicht reden.

Farbige Menschen in Deutschland leben mit einer Grundspannung, da sie nie sicher sein können, willkommen zu sein und nicht ausgegrenzt zu werden. Von einem selbstverständlichen Umgang miteinander sind wir meilenweit entfernt. Das zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass die Wahl von Aminata Toure, deren Eltern aus Mali kommen, zur Sozialministerin in Schleswig-Holstein besondere Beachtung fand und hervorgehoben wurde. Wenn wir einen ganz selbstverständlichen Umgang miteinander hätten, wäre es nicht erwähnenswert, sondern einfach nur gelebter Alltag.

Was können wir alle tun, um dieser Haltung entgegenzuwirken? Zunächst einmal sollte sich jeder ehrlich fragen, welche innere Einstellung er oder sie wirklich hat. Gibt es da wirklich keine Vorurteile? Könnt ihr euch vorstellen mit einem farbigen Menschen, einem Menschen aus einer anderen Kultur befreundet zu sein?  Würdet ihr solch eine Person in euer Unternehmen einstellen? Könnt ihr euch vorstellen, dass Afrikaner, Syrer, Philippinos einen Doktortitel haben und als hochbegabt eingestuft werden können?  Wäret ihr einverstanden, wenn Ihr Sohn, Ihre Tochter einen Farbigen heiratet? Seid ihr euch darüber bewusst, dass Weißsein Privilegien beinhaltet? Eine selbstverständliche Sicherheit schafft, die andere Menschen nicht haben? Diese Privilegien sind erstaunlicherweise auch zutiefst in den Köpfen farbiger Menschen verankert. Das Clark Doll Experiment hat gezeigt, dass auch farbige Kinder rassistisch sind. Clark zeigte während des Experiments afroamerikanischen Kindern zwischen sechs und neun Jahren zwei Stoffpuppen, eine davon mit weißem Teint und die andere mit schwarzem Teint. Die Kinder schrieben der "weißen" Puppe durchweg positivere Adjektive zu, wie hübsch und gut. Im Gegenteil dazu wurden der "schwarzen" Puppe Attribute wie schlecht und hässlich zugeordnet. Was können wir tun, um dieses Denken zu verändern?

Ich glaube, dass wir alle uns zunächst einmal klar machen müssen, dass für uns die Welt anders aussieht als für die Menschen, die Ausgrenzung erfahren. Uns einfühlen in die Situation der anderen, um Lösungen zu entwickeln, um Ängste und Hemmschwellen abbauen zu können. Das können wir nur tun, in dem wir den Kontakt suchen, einander kennen lernen, uns vorurteilsfrei austauschen, miteinander kommunizieren. Das bedeutet nicht, dass wir jeden farbigen Menschen großartig finden müssen, nur weil er farbig ist. Ob wir ihn mögen oder nicht mögen, finden wir aber nur heraus, wenn wir miteinander reden.

Also schaut ab heute bitte genau hin, setzt euch bewusst neben den Farbigen im Bus. Ich sage euch voraus, ihr werdet von euch selbst überrascht und vielleicht auch erschrocken sein, wenn ihr  erkennt, was da an Fremdheitsgefühl noch so in Ihnen steckt. Ich wünsche uns allen, dass wir uns auf den Weg machen und es uns gelingt, den Rassismus zumindest ein kleines bisschen abzubauen.

Rassimus - ein Thema

Rassismus, schon immer habe ich mich für dieses Thema eingesetzt. Lange bevor mir das Leben einen afrikanischen Schwiegersohn schenkte und ich viel direkter mit den Auswirkungen von Rassismus konfrontiert wurde.
Ich habe mich für Fairness, Akzeptanz und Toleranz stark gemacht, habe dafür geworben, sich auf Augenhöhe zu begegnen und habe es gelebt, wann immer ich die Möglichkeit dazu hatte.
Aktuell wird an vielen Stellen offensiv über Rassismus diskutiert, bei Facebook natürlich auch. Ich beobachte diese Diskussionen und finde sie immer befremdlicher. Es scheint da fest gezurrte Meinungen und Verhaltensweise zu geben und jeder, der sich nicht ständig in dieser Community bewegt, sich anders ausdrückt, wird niedergemacht. Da wird z.B. die Behauptung aufgestellt, dass die Aussage“ eine afrikanische Frau“ diskriminierend sei und zeige, dass derjenige, der diese Aussage gemacht hat, so ziemlich gar nichts verstanden hat. Bitte, wie jetzt? Afrika ist ein Kontinent und jemanden, der von dort kommt, als afrikanisch zu bezeichnen, finde ich genauso richtig wie jemanden, der aus Europa kommt, als europäisch zu bezeichnen. Das grenzt nicht ein, sondern beschreibt einen geografischen Ort.
Wie sagt der Komiker Volker Pisper doch so schön „ Analyse, das steckt Anal und Lyse drin, also Gequirlte Scheiße“. Es kommt wir vor wie viel Lärm um nichts, vorgeschobene Intellektualität, die eigentlich vom Thema ablenkt. Geht es um Worte oder geht es um Taten? Um pragmatische Lösungen, die Menschen in ihrem Alltag umsetzen können.
Ich finde das Thema zu wichtig als dass ich diesen Wort-Junkies aufmerksam schenken möchte.

 

Juni Tage

Jedes Jahr dasselbe Gefühl. Mitte Juni, wenn die Tage hell sind, fahre ich an Feldern vorbei, auf denen das Gras geerntet wurde. Mich erfasst Traurigkeit. Schade, schon bald wird es unaufhaltsam dunkler. So sehr ich mich jedes Jahr am 21.12. freue, dass es heller wird, so traurig werde ich, wenn es beginnt dunkler zu werden. Der Gedanke daran taucht immer mit den abgeernteten Feldern auf. Verstärkt sich dann Anfang Juli, wenn man morgens einen ganz zarten Hauch von Herbst riechen kann. So wie man Anfang Februar einen zarten Hauch von Frühling riechen kann. Irgendwie ja ein bisschen Till Eulenspiegel, der sich beim Berg hoch gehen auf den Abstieg freute...

Kinderspielplatz

 

Letzte Woche morgens beim Tai Chi. Wir trainieren neben einem Kinderspielplatz. An dem Tag tobten dort Kindergartenkinder. Immer wieder gerne vom Trainer genutzt, um mir optimale Bewegungsmuster zu zeigen. Mein Argument, dass ich erheblich mehr Jahre auf dem Buckel habe, zählt dann nicht. Sei es drum.

 

Wir machen unsere Übungen als ich am Ende weggehe, gucken mich zwei kleine Mädchen mit großen Kulleraugen freundlich an. Die eine fragt freundlich: „Na, hat der Sport Spaß gemacht?“ Ich lächle in mich hinein, genieße diesen wunderbaren Moment. Ich mag Kinder, die den Kontakt aufnehmen, die fein beobachtet haben. Der Tag fängt gut an.

 

Blickwinkel

 

Blickwinkel, kommt es nicht immer darauf an, wie wir auf eine Situation, ein Erlebnis schauen?

 

Ich habe meine Kinder zu einer Veranstaltung eingeladen, alle drei haben mir aus den unterschiedlichsten Gründen abgesagt. Mama ist ein bisschen enttäuscht und formuliert das auch klar und deutlich. Was passiert? Ein Kind erklärt mir: „Tja, Mama, Pech gehabt. So ist das Leben. Da musst du jetzt leider durch.“

 

Ich könnte jetzt grummeln, beleidigt sein. Ich habe mich gefreut. Gefreut, so selbstbewusste Kinder zu haben. Kinder, die gut für sich selbst sorgen können, sich nicht verpflichtet fühlen, meine Wünsche zu erfüllen. Es sieht so aus, als hätte ich ihnen vermitteln können, dass sie nicht für mein Wohlgefühl verantwortlich sind. Sie trauen mir zu, selbst für mich sorgen zu können. Super, alles richtig gemacht…

 

Schreiben

 

"Aus diesem Grund ist Schreiben kein Luxus. Es ist eine Möglichkeit, das Namenlose zu benennen, so dass es gedacht werden kann. Der Weg an den fernen Horizont unserer Hoffnungen und Ängste ist gepflastert mit Texten, die wir aus dem Fels unserer alltäglichen Erfahrungen herausgeschlagen haben."

 

Abgewandelter Text von Audrey Lorde

 

Mir ist dieser Text begegnet und ich finde er beschreibt ziemlich gut die Essenz von schreiben. Schreiben hilft die Gedanken zu sortieren, das Namenlose zu benennen. Eine gut Möglichkeit sind die sogenannten Morning Papers. Jeden Morgen 1- 3 Seite einfach aufschreiben, was da so im eigenen Kopf herumschwirrt. Manchmal tauchen dann einfach nur Belanglosigkeiten auf wie „Ich habe gerade Kafee getrunken“ und manchmal werden ganz tiefe Prozesse angestoßen und es fließt. Man kann kaum aufhören zu schreiben. Anschließend geht man ein Stückchen klarer in den Tag. Probiert es  mal aus.

 

Bewusstsein

 

Der wunderbarer Friedensforscher Daniele Ganser hat neulich in einem Vortrag über das Bewusstsein der Menschen gesprochen. Seine Behauptung ist: „Man ist nicht der Körper und nicht die Gedanken, man ist das Bewusstsein.“ Aus diesem Bewusstsein heraus kann man die eigenen Gedanken und Gefühle beobachten. Das ist besonders wichtig in Momenten, in denen man aufgewühlt ist. Aufgewühlt sind wir auf der Ebene der Gedanken und der Gefühle. Das Bewusstsein kann nicht aufgewühlt sein, kann niemals aus der Balance kommen. Ist es nicht wundervoll zu wissen, dass es da einen Ort gibt, an dem nichts in Unordnung sein kann?

 

Wie gelingt es dorthin zu kommen? Ich glaube, da hilft nur üben. Wieder und wieder in aufgewühlten Momenten zu üben, aus dem Aufruhr herauszutreten und sich selbst aus der Ferne zu beobachten. Probiert es einmal aus, es lohnt sich.

 

Mittelaltermarkt

 

Mittelaltermärkte, immer wieder mal anzutreffen. Einige haben Freude daran, sich zu verkleiden wie im Mittelalter, sich mit Sachen aus dem Mittelalter zu umgeben. Ich schlendere über diese Märkte und finde es eigentlich nur gruselig. Es fühlt sich irgendwie dunkel und schwer an.

 

Ich finde, dass die alten Klamotten, die getragen werden, stinken, alt und muffig, sehr unangenehm. Ich sehe keinen Sinn darin, Met in allen möglichen Geschmacksrichtungen zu erwerben, meinen Haushalt mit Olivenholzlöffeln oder Kupferschmuck auszustatten. Ich frage mich dann jedes Mal, was die Menschen veranlasst, sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, die alles andere als großartig war für die meisten Menschen?

 

Was treibt sie an, diesen Zeitraum zu wiederholen? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, Mittelaltermarkt, nicht mein Ding.

 

Halb voll oder halb leer?

 

Ein zur Hälfte gefülltes Wasserglas, da wird oft die Frage gestellt, ob das Glas für dich halb voll oder halb leer ist. Rückschlüsse werden gezogen, ob du nun ein Optimist oder ein Pessimist bist. Was ist, wenn das Glas schlicht und ergreifend für dich zur Hälfte gefüllt ist. Ganz ohne Bewertung, ob nun voll oder leer. Ist das nicht eigentlich das Ziel, Dinge wertfrei zur Kenntnis zu nehmen?  Es spielt überhaupt keine Rolle, ob mir das Glas voll oder leer vorkommt, Tatsache ist, dass sich x ml Flüssigkeit im Glas befinden. Entscheiden ist, ob das für meinen Durst reicht oder nicht. Und das ist vermutlich an jedem Tag anders, mal reicht es und mal nicht. Wenn es nicht reicht, muss ich tätig werden und nachfüllen. Das kann man auf alle möglichen anderen Situationen im Leben übertragen. Entscheidend ist immer festzustellen, wie eine Situation ist und ob mein Bedürfnis damit erfüllt werden kann. Wenn mein Bedürfnis nicht erfüllt wird, muss ich handeln, ansonsten kann ich sie wertfrei so stehen lassen. Das dürfen wir alle immer wieder üben

 

Prokrastination

 

Manchmal da gibt es einfach diese Tage an denen man einen inneren Widerstand spürt. Widerstand gegen die Aufgaben, die an dem Tag vor einem liegen. Man beginnt langsam, schlägt Haken, weicht aus. Gerade eben schnell nochmal bei Facebook gucken, schnell noch einen Kaffee kochen. Alles nur um die anstehende Arbeit zu umgehen. Die Arbeit läuft nicht weg. Sie wartet geduldig, bis wir bereit sind, uns mit ihr zu beschäftigen. Menschen gehen unterschiedlich mit dieser Situation um, es gibt diejenigen bei denen bleibt die Arbeit dann halt liegen, liegen bis irgendwann. Und es gibt die anderen, die erledigen brav die Aufgaben, auch wenn sie keine Lust dazu haben. Diese Menschen wirken auf uns strukturierter, erfolgreicher, aber vielleicht auch mehr unter Anspannung.

 

Wir Deutschen sind aufgewachsen mit dem Satz „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen“. Diese Woche habe ich einer Podcast-Folge mit Karim, einem Ghanaer gelauscht. Gefragt, wie sein erster Eindruck von Deutschland war, kam das Wort „Druck“. Recht hat er, wir alle stehen unter Druck, wir alle machen uns Druck. Nehmen die Widerstände, die wir fühlen nicht ernst. Was wäre eigentlich, wenn wir öfter mal, diese Widerstände ernst nehmen würden. Uns ausruhen würden, wenn Arbeit heute einfach nicht dran ist. Es aushalten könnten, entspannt auf dem Sofa zu liegen und die Arbeit einfach nur anschauen würden. Eine echte Lernaufgabe wartet da auf viele von uns….

 

Mensch Oma

 

„Mensch Oma“, dieses wundervolle Kinderbuch habe ich für meine Enkeltochter gekauft. Ich habe mich sofort in die Geschichten rund das kleine Mädchen Nora und seine Oma verliebt. Beim Lesen sieht man die beiden förmlich vor sich, ich konnte gar nicht aufhören, selbst die Geschichten zu lesen. Habe vergnüglich in mich hinein geschmunzelt  bei dieser Lektüre.

 

Nora sagt zu ihrer Oma immer: „Immer nie“, Immer nie darf ich Fernsehen, immer nie gibt es Gummibärchen. Was für eine schöne Formulierung.

 

Die Geschichten beschreiben den Alltag mit der Oma und manchmal gehört eben auch Elefanten vertreiben aus dem Flur zum Alltag. Das wird von der Oma ernst genommen und sorgfältig ausgeführt. Und am Ende der Geschichte gibt es dann einen Flur, in dem keine Elefanten wohnen und keine Mäuse und sicher auch keine braunen Bären.

 

Natürlich habe ich mir vor dem Kauf des Buches die Rezensionen angeschaut, durchweg positiv und doch gab es da einige, die mich im Nachhinein den Kopf schütteln lassen. Da bewertet jemand das Buch schlecht und schreibt: „Die Geschichten fangen gut an, aber das Ende der Geschichten ist haarsträubend, nichts für 3 -jährige.“ Also bitte, welche 3-jährige versteht nicht, dass man Elefanten aus dem Flur vertreiben muss?

 

Kollateralschaden

 

Kollateralschaden, ein Begriff aus dem militärischen Bereich. Im Wort Kollateral steckt die lateinische Vorsilbe „con“ und das deutsche „lateral“ mit der Bedeutung „benachbart, seitlich nebeneinander angeordnet“. Kollateralschäden sind Schäden, die bei einer militärischen Auseinandersetzung entstehen und nicht beabsichtigt sind.

 

Die verordnete Auseinandersetzung mit dem Corona Virus hat uns eine Menge Kollateralschäden beschert. Ja, man kann dieses Wort hier nutzen, den Anlass ist ein Kampf. Ein Kampf gegen ein Virus, ein Kamp um Haltungen.

 

 Zwangshandlungen haben zugenommen, sieht man aktuell ziemlich gut, wenn Maske getragen wird, obwohl sie nicht getragen werden muss. Menschen sind vereinsamt, ziehen sich zurück, halten sich fern von ach so notwendigen menschlichen Kontakten. Die Depression steht schon wartend vor der Tür. Angststörungen greifen um sich, so als hätte Corona alle die seit Jahren verborgenen Ängste ans Tageslicht gespült. Leider wird diese Angst nicht angeschaut und bearbeitet, sondern einfach mal auf Corona projiziert. Ist offensichtlich einfacher.

 

Kinder lernen später sprechen, weil der die Masken es ihnen verwehrt haben, die Mimik der Erwachsenen zu studieren. Kindern ist ein völlig schräges Weltbild vermittelt worden, dass ihren natürlichen Drang Kontakte zu schließen, Menschen zu umarmen, Gesichter zu lesen, unterbunden hat. Sie wurden daran gewöhnt ihr Gesicht zu verhüllen mit unabsehbaren Folgen. Was haben wir dieser Generation angetan? Die Folgen werden die Therapeuten in den nächsten Jahren spüren und nicht nur die. Wir alle sind konfrontiert mit diesen Kollateralschäden und die Gesellschaft wird lange brauchen, die Gräben zu kitten und die Schäden zu heilen. Als erstes Mal müssen diese Schäden überhaupt wahrgenommen werden, muss aus der Distanz heraus auf die Krise geschaut werden. Können wir das?