Schule der Tiere

Ich finde, es wird Zeit das wir erkennen was wir da eigentlich tun mit Schülern und Schülerinnen, welches Potential wir vergeuden.

 

Diese Geschichte aus dem Buch: „Legasthenie muss kein Schicksal sein“
von E.-M. Soremba; Lehrerin ; Herder Verlag 1995 fiel mir heute in die Hände und sie spricht mir aus dem Herzen.


Die Schule der Tiere

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Der Unterricht bestand aus
Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern
unterrichtet.
Die Ente war gut im Schwimmen, besser s

ogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie
durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in
diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den
Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange,
bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittliche Noten
waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum, außer: die
Ente.
Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachgiebig und streng
gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, darauf
bestand, seine eigene Methode anzuwenden.
Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse, aber es bekam
einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des
vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.
Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ ihn seine
Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam
Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“
im Klettern und „Fünfen“ im Rennen.
Die mit Sinn für’s Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in
die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in den Unterricht
aufzunehmen.
Am Ende des Jahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen und etwas rennen,
klettern und fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache.
Wann sind wir endlich in der Lage auszuhalten, dass Pinguine nicht fliegen können müssen und die einzige Aufgabe von Lehrern und Lehrerinnen darin besteht, den Kindern zu helfen, zu entdecken, ob ihr Element die Luft oder das Wasser oder das Land ist.

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